Es knirscht im Gebälk der Mühle Hunziken
Von Brigitta Niederhauser, Ane Hebeisen. Aktualisiert am 04.01.2012 8 Kommentare
Bildstrecke
Artikel zum Thema
Peter Burkhart ist der Kragen geplatzt, und er ist nicht mehr bereit, über die Ereignisse der letzten Wochen zu schweigen, die sich rund um die Mühle Hunziken abgespielt haben und die nun auch Anwälte beschäftigen.
Von Philipp Fankhauser, der das Konzertlokal in Rubigen hätte übernehmen sollen, ist der Mühle-Gründer zutiefst enttäuscht. «Seit acht Wochen ist Philipp Fankhauser für mich nicht mehr erreichbar, weder per Telefon noch per E-Mail. Er schickt seinen Anwalt vor», sagt Burkhart. Und bis heute sei bezüglich des Verkaufs der Mühle kein Vertrag unterschrieben worden. Nach den Erfahrungen der letzten Monate ist Burkhart nicht mehr bereit, Fankhauser die Mühle Hunziken zu überlassen: «Ich will nicht, dass er mein Lebenswerk zerstört.» Dafür werde er mit allen Mitteln kämpfen. «Anwälte und Richter werden in den nächsten Monaten die verfahrene Situation für viel Geld entwirren.»
Beschwichtigende Mails
Im Juni 2011 waren Peter Burkhart und Philipp Fankhauser noch ein Herz und eine Seele. Der 69-Jährige gab nach 35 Jahren als Betreiber der Mühle seinen Rücktritt bekannt und präsentierte den Thuner Bluesmusiker als seinen Wunschnachfolger. Damals sagte Burkhart im Interview mit dem «Bund», dass er sehr froh sei, nach langer Suche eine Lösung gefunden zu haben. Philipp Fankhauser und dessen Bruder Christoph seien die besten Seelenverwandten für seine beiden Kinder Thomas und Cathérine, die beide in der Mühle tätig sind.
Eine Absichtserklärung wurde von Burkhart und seinen Familienmitgliedern sowie von Philipp Fankhauser unterschrieben. Geplant war, dass Fankhauser die Mühle-Liegenschaft erwirbt und sich mit 70 Prozent in die Mühle Hunziken Konzert GmbH einkauft, der Burkharts Kinder sowie seine Ehefrau Pia angehören. Diesen drei hatte Burkhart bereits vor acht Jahren die Mühle überschrieben. Im Grundbuch verankert ist auch deren lebenslanges Wohnrecht in der Mühle. Zudem ist eine lebenslange Rente für Burkhart und seine Frau vereinbart, die im Sommer nach Südfrankreich zogen. Von dort aus organisierte Burkhart – zum Teil zusammen mit Fankhauser – noch das aktuelle Programm der Mühle Hunziken bis Februar 2012.
Doch in den letzten Monaten entwickelten sich gemäss Burkhart die Dinge nicht so, wie sie abgemacht waren. Die Verkaufsverhandlungen für die Konzert GmbH und die Mühle, deren Wert auf über zwei Millionen Franken geschätzt wird, kamen ins Stocken. Aus dem umfangreichen Mail-Verkehr, der dem «Bund» vorliegt, ist ersichtlich, dass Fankhauser erst nach wiederholtem Intervenieren bereit war, wenigstens 30 Prozent der Konzert GmbH zu übernehmen. Auf Burkharts Insistieren antwortete Fankhauser mit beschwichtigenden Mails und bat ihn, sich zu gedulden.
Diese Situation war für Burkhart und seine Frau Pia so beunruhigend, dass sie Anfang November in die Schweiz zurückkehrten und das direkte Gespräch mit Fankhauser suchten. Burkhart erinnert sich an eine gute, offene Begegnung. Philipp Fankhauser habe ihm offenbart, dass es für ihn weit schwieriger sei, als er gedacht habe, seine Musikerkarriere und die Leitung der Mühle unter einen Hut zu bringen, zudem fehle ihm das Geld für den Kauf der Mühle. «Ich habe ihm dann klar signalisiert, dass wir bereit sind, ihm entgegenzukommen», sagt Burkhart. Auch habe er ihm offeriert, dass er vom Kauf der Mühle-Liegenschaft zurücktreten könne, dafür solle er zusätzlich 20 Prozent der Konzert GmbH übernehmen.
Dieser neue Vertrag hätte am 9. November unterzeichnet werden sollen, doch Fankhauser wollte ihn erst seinem Anwalt unterbreiten. «Dann habe ich nichts mehr von ihm gehört», sagt Burkhart. Post erhielt er dafür von Fankhausers Anwalt. «Es war ein Brief voller versteckter Drohungen, Unterstellungen und ultimativer Forderungen.»
«Es gibt keine Altlasten»
Konkret: Der Anwalt von Philipp Fankhauser wirft Peter Burkhart vor, seinem Nachfolger diverse Altlasten hinterlassen zu haben. So seien Rechnungen der Urheberrechtgesellschaft Suisa und Quellensteuern nicht bezahlt worden, ausserdem seien aus der GmbH nicht geschäftsmässig begründete Investitionen und Aufwände getätigt worden. Peter Burkhart sagt, er habe sogar die Suisa-Rechnungen bis Ende 2011 beglichen, und für ausstehende Quellensteuern, die sich auf einen Betrag von etwa 48'000 Franken belaufen, sei mehr als genug Geld vorhanden. «Es gibt keine Altlasten. Ich habe den neuen Mühle-Betreibern genügend liquide Mittel übergeben», sagt Burkhart und rechnet vor: «Kasse 26'000 Franken, zu viel bezahlte Suisa-Gebühren 10'000, nicht angetastete Subventionen 2011 35'000 macht 71'000 Franken. Zudem arbeitete ich von Juli bis Ende Oktober gratis für die Konzert GmbH.»
Burkhart kann die Aufregung nicht verstehen: «Von einem Scherbenhaufen, wie er ihn noch nie angetroffen habe, war seitens des Anwalts die Rede», sagt er, und sein Treuhänder sei angefleht worden, mitzuhelfen, die Konzert GmbH zu retten. «Fankhauser ist also innerhalb von sieben Monaten vom solventen Käufer zum aufopfernden Retter der Mühle mutiert», sagt Burkhart. «In der Wirtschaftswelt würde man da wohl von einer feindlichen Übernahme sprechen. Eine florierende Firma wird in den Dreck gezogen, dann wird eine Auffanggesellschaft gegründet und zum Preis eines Butterbrotes kann man neu starten.»
Mit Fankhauser habe er auch dann nicht sprechen können, als er in der Mühle weilte und den Transport seines Hausrats nach Frankreich organisierte. «Mir wurde Mühle-Verbot erteilt.» Er habe von Fankhausers Anwalt ein Schreiben folgenden Inhalts erhalten: «Herr Burkhart legt es ganz offensichtlich darauf an, dass wir ihn aufgrund seines Verhaltens wegen Hausfriedensbruchs aus dem Konzertlokal entfernen (müssen). Wir wollen den Mühle-Gästen die Polizei im Haus indes ersparen und werden als mildere Sofortmassnahme mit privaten Sicherheitskräften dafür sorgen, dass Herr Peter Burkhart seine Provokationen unterlässt.»
Noch vor Weihnachten ist Peter Burkhart wieder nach Frankreich gereist. Dort sucht er nun nach einer neuen Nachfolgelösung für die Mühle Hunziken, sein Lebenswerk. «Ich hoffe immer noch, dass wir nicht vor Gericht gehen müssen», sagt Burkhart. Er habe auch nicht im Sinn, die Mühle wieder selber zu führen. «Es geht mir auch nicht ums Geld, sondern um Respekt, Vertrauen und Freundschaft. Das erwarte ich von einem Nachfolger.»
Fankhauser schweigt
Philipp Fankhauser wollte sich gestern «wegen laufender Verfahren» nicht zur Sache äussern. Er und seine Crew hofften jedoch, dass die offenen Fragen mit Peter Burkhart in den nächsten Monaten gütlich geklärt und gelöst werden könnten. (Der Bund)
Erstellt: 04.01.2012, 08:09 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
8 Kommentare
Ich finde das eine eher einseitige Berichterstattung zugunsten von Peter Burkhart. Was ich mich frage ist: wie kann einer etwas verkaufen, das ihm gar nicht mehr gehört. Scheinbar sind ja die Frau und Kinder von Burkhart die Besitzer der Mühle. Also, was soll die Aufregung? Und wer Mühle Pesce einigermassen kennt, weiss, wie schnell der seine Launen und Meinungen wechselt. Antworten
Kultur
- 06:00Wie verführe ich Menschen?
- 20:00Die Liebe gewinnt in Cannes
- 08:25Mit «Euphoria» zum Sieg
- 26.05.2012ESC: Schweden gewinnt, Engelke ermahnt
- 26.05.2012Schweizer Beitrag erhält Auszeichnung in Cannes
- 26.05.2012Tanz, Türke, tanz!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!


Bitte warten



