Kultur
Eine Wunsch-Stadt aus Tönen
Plattentaufe
Turnhalle Progr, Freitag, 13. April, 22 Uhr.
Swatka City: «Off your Beaten Tracks»
David Nydegger will Schönes erschaffen. Der in Kanadas Wildnis gelegene Swatka Lake hat es dem Berner Musiker angetan, ihn dazu animiert, an diesem Ort die imaginäre Stadt Swatka City zu errichten. Seit 2008 baut er Mauern aus Tönen, Bögen aus Melodien, pflastert Strassen aus Rhythmen. Nach vier Jahren nun ist ein Teil dieser Stadt, die auf keiner geografischen, vielmehr auf einer musikalischen Landkarte zu finden ist, fertiggebaut. «Nighthawks» heisst das Debütalbum der vierköpfigen Band Swatka City um Leader Nydegger, das morgen aus der Taufe gehoben wird.
Wirkung durch Inszenierung
Die CD des Oberdiessbacher Quartetts bietet wahrhaftig Schönes: wohlbekömmliche Harmonien, die rundgeschliffen sind und nicht anecken. Ein solides Tonwerk insgesamt. Doch allein durch die Musik erwächst aus Swatka City noch keine Grossstadt. Allzu eindeutig lassen sich die Songs einordnen in das Genre des süffigen Indie-Rock, allzu klar werden Parallelen zu grossen Vertretern des Stils wie Coldplay oder Muse sichtbar. Die Musik wagt es nicht, Grenzen zu sprengen, drängt sich nicht ins Scheinwerferlicht, droht unscheinbar zu werden – wären da nicht die Musiker und das Konzept, das dem Projekt zugrunde liegt.
Denn Swatka City bietet nicht lediglich Musik, eher ein vielschichtiges Produkt. «Man kann viel kaputt machen, wenn man sich ausschliesslich auf die Musik konzentriert», sagt Matthias Nydegger, Schlagzeuger der Band und Bruder des Frontmannes David. Vielmehr sei es auch wichtig, wie sich die Band präsentiere, wie sie den Sound optisch darstelle. Was die Combo diesbezüglich leistet, ist tatsächlich beeindruckend: Die Videoclips, beispielsweise jener zu «Off Your Beaten Tracks», der stilistisch an die britischen Humor-Schocker Monty Python erinnert, strotzen vor Originalität und kreativem Irrsinn. Das Bildmaterial zum CD-Cover oder der Trailer zur Plattentaufe besitzen eine besondere ästhetische Note.
Erst durch diese Inszenierung entfaltet die Musik ihre ganze Wirkung, eröffnet neue Horizonte und beginnt dem Hörer Gefühle zu entlocken. Die üppigen, manchmal luftigen Gitarren- und Bass-Riffs ermöglichen gedankliche Reisen, durch die Schlichtheit der Songs und die einfach gehaltenen Gesangsmelodien findet keine Ablenkung statt. Plötzlich werden die Feinheiten der Aufnahmen offenbar, die variierenden Drum-Sounds etwa oder die sich in der Kirche Blumenstein befindende Orgel, die in «Cover Me» zum Tragen kommt und das Fundament des Songs legt. Und so gewinnt sie den Hörer letzten Endes trotzdem, diese Musik schlichter Schönheit, die zu Beginn noch als harmlos und neutral empfunden wurde.
Bereit, eine Grossstadt zu werden
Das Potenzial der Band wurde längst entdeckt. Der Schweizer Regisseur Daniel Levy liess sich von der Musik der Band derart hinreissen, dass er die Oberdiessbacher ins Boot holte, um einen Song zu seinem Film «Das Leben ist zu lang» beizusteuern. 2010 gewannen Swatka City den Gurtenfestival-Wettbewerb, was ihnen einen Auftritt auf dem Berner Hausberg ermöglichte.
All dies sind Bausteine einer Entwicklung, die seit vier Jahren in Gang ist. Ein weiterer Baustein kommt mit der neuen CD hinzu. «Wir sind zufrieden, solange es vorwärtsgeht», so Matthias Nydegger, «und wohl nicht mehr so jung und naiv, um voll auf die grosse Karriere zu setzen.» Dennoch: Bereit zum grossen Sprung wären sie alleweil, die vier Musiker, wenn sich die Möglichkeit ergäbe. Und wenn nicht, wird Bandleader David Nydegger wohl im Kleinen weiterbauen am Projekt Swatka City, das vielleicht auch auf diesem Weg zur Grossstadt avancieren wird. (Der Bund)
Erstellt: 12.04.2012, 07:35 Uhr
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