Kultur

Die «I Will Always Love You»-Hürde

Von Martin Sturzenegger. Aktualisiert am 13.02.2012 7 Kommentare

Vor knapp zwei Jahren spielte Whitney Houston zum letzten Mal in der Schweiz. Mit der Tournee wollte sie ein grosses Comeback feiern. Es handelte sich jedoch nur um ein letztes Aufbäumen. Ein Blick zurück.

1/5 Bemüht, aber nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte: Whitney Houston im Zürcher Hallenstadion. (9. Mai 2010)

   

Houston im Hallenstadion



«I Will Always Love You» in Zürich. (Video: Youtube)

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Auf dem Sofa von Oprah Winfrey sollte sich alles zum Besseren wenden: Im Jahr 2009 führte die Talkmasterin ein mehrstündiges Interview mit Whitney Houston. Die Sängerin nutzte die Chance, um sich den Frust der vergangenen Jahre vom Leib zu reden. Sie geizte dabei nicht mit Details über ihre überwundene Drogensucht und die Skandalehe mit Bobby Brown, von dem sie sich zwei Jahre zuvor endgültig getrennt hatte. Sie lieferte genau das, was sie den hungrigen Gossip-Mäulern über Jahre vorenthielt.

Im selben Monat veröffentlichte Houston «I Look to You». Das Comeback-Album geriet zum Triumphzug und erreichte in mehren Ländern auf Anhieb die Nummer Eins der Charts, so auch in der Schweiz. Ein Erfolg, den ihr niemand mehr wirklich zugetraut hätte. Die deutsche Boulevardzeitung «Bild» nannte Houston den «gefallenen Stern, der nun endlich wieder zu leuchten beginnt.»

Das Debakel von Moskau

Die folgende Welttournee wurde dann mit grosser Spannung erwartet. Doch bereits der Auftakt in Moskau enttäuschte die Erwartungen; der Auftritt geriet zum Debakel und Whitney Houston brach während des Konzerts mehrmals in Tränen aus. Besonders tragisch: Bei ihrem bekanntesten Lied «I Will Always Love You» verschlug es Houston im entscheidenden Moment die Stimme. Über 10'000 Leute sahen ihr dabei zu. Kurze Zeit später wurde sie um den ganzen Erdball verspottet, weil sich solche Auftritte im Zeitalter von Handykameras wie ein Virus im Internet verbreiten.

Allen Unkenrufen zum Trotz geriet die Tournee zum kommerziellen Erfolg. Im Mai 2010 wollten dann im Zürcher Hallenstadion 8500 Zuschauer den Auftritt der gealterten Diva miterleben. Bis zum Beginn des ersten Liedes war die Stimmung angespannt: Versagt heute wieder ihre Stimme? Man wurde den Eindruck nicht los, dass gewisse Leute nur in den Rängen sassen, damit sie einem abgehalfterten Star beim Scheitern zusehen können.

Die Voyeure wurden enttäuscht: Whitney Houston begann mit Songs aus ihrem aktuellen Album «I Look to You». Dies durchaus druckvoll und souverän. Die Angespanntheit wich schnell einer Erleichterung: Houston traf die Töne, schien bei guter Laune, stolzierte auf der Bühne herum und bedankte sich nach jedem gelungenen Lied bei den Zuschauern, Gott und der ganzen Welt. Beim Annie-Lennox-Lied «Step by Step» erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Houston, überwältigt vom grossen Applaus und ausser Atem: «Thank you so much, it was a long time ago» – man gönnte ihr diesen Erfolg.

Keine Ausdauer

Nach einem Intermezzo mit Houstons Bruder Gary nahm die Sängerin die zweite Konzerthälfte in Angriff. Die Betonung liegt auf Angriff. Denn die Drogenvergangenheit schien sich in der mangelnden Ausdauer der Sängerin bemerkbar zu machen. Ihre Stimme war zwar noch da, doch Präsenz strahlten eigentlich nur noch Band, Tänzer und Backgroundsängerinnen aus, die eine eindrucksvolle Show ablieferten. Das gab Houston die Gelegenheit, ihre gesanglichen Höhenflüge nur noch punktuell zu platzieren. Zu mehr wäre sie auch gar nicht mehr in der Lage gewesen.

Im Verlauf des Konzerts drohte das Gerüst endgültig zusammenzubrechen: Ihre Stirn schweissnass, die Performance zunehmend unkonzentriert. Dabei hatte sie die Darbietung jenes Songs, auf den alle warteten, noch gar nicht hinter sich gebracht: «I Will Always Love You» aus ihrer ersten Filmrolle in «Bodyguard» – ein vertonter Liebesschwur, der bis heute ohne Konkurrenz bleibt. Es dauerte Minuten, bis sie zum grossen Refrain ansetzte, und umso schneller schien er wieder vorbei, dafür ohne Patzer und solide gesungen. Doch Jugendlichkeit konnte sie damit endgültig niemandem mehr vorschwindeln.

Kann sein, dass damals mehr erwartet wurde von einer Frau, die während ihrer besten Zeit nur noch mit dem Prädikat «The Voice – die Stimme» umschrieben wurde. Trotzdem war das Konzert mit berührenden Momenten gespickt. Da stand eine Frau, die bereit war, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. In Wahrheit handelte es sich nur um ein letztes Aufbäumen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.02.2012, 19:40 Uhr

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7 Kommentare

Fredy Brülhart

12.02.2012, 22:29 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Ein Live Auftritt kann man nie vergleichen mit einer CD Aufnahme.
Whitney machs Guet da oben.
Antworten


Christa Geering-Böni

13.02.2012, 09:51 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Dennoch war sie immer noch viel besser, als all die "Computer getunten" Stimmen von heute, die man live den Ohren nicht antut!!!!!! RIP Whitney - always love you Antworten



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