Kultur
Die Fantastischen Zwei
Aktualisiert am 16.03.2012 1 Kommentar
«Discochugle», der Titelsong zum zweiten Dabu-Fantastic-Album. (Aufnahme vom «Best Talent»-Kontest von DRS 3)
Dabu Bucher und Andreas Christen sind Dabu Fantastic.
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Lieber, als von Rolf Knie gemalt zu werden, soll man sich von der Nacht zeichnen lassen heisst es. Daran haben David Bucher alias Dabu und Andreas Christen alias Arts in den letzten Wochen hart gearbeitet. Nachdem die beiden mit ihrer Band Dabu Fantastic bei den Swiss Music Awards zum besten Swiss Talent gekürt worden sind, gab es wenig Schlaf und viel Feierei. Gezeichnet hat sie das allerdings kaum. Munter und aufgeräumt sitzen die beiden in einem Zürcher Café und entwerfen Pläne für die kommenden Monate. Denn dies könnte ein fantastisches Jahr werden. Das Jahr von Dabu Fantastic.
Decke vom Tanzboden gesprengt
Musik war für beide Zürcher Oberländer die grosse Liebe, bevor ein gemeinsamer Bandraum und ihre Liebe für Funk und Hip-Hop sie vor vier Jahren zusammenführte. Das Resultat hiess Dabu Fantastic und entwickelte sich prächtig. Geboren als Rap-Combo, wuchs das Ganze zur Funkband mit Discoheulern und zartschmelzenden Balladen – und schliesslich mutierte man zur Live-Sensation. Bei den Swiss Music Awards stach die Band die von Musikkritikern und Hipster-Nerds favorisierten Boy vor allem deshalb aus, weil sie mit ihrem Show-Konzert im Zürcher Club Plaza beinahe die Decke vom Tanzboden sprengte.
«Wir machen Rap-Musik, die man sonst nirgends findet», sagen die beiden hoffnungsvollsten Nachwuchs-Musiker der Schweiz. Stilistisch haben sie sich inzwischen weit genug vom Hip-Hop entfernt, so dass sie auch den Geschmack der ganz breiten Masse treffen werden. Wenn sie alles richtig machen, könnten Dabu Fantastic bald die Ahnengalerie helvetischer Musikhelden aufmischen und neben Rumpelstilz, Patent Ochsner oder Züri West bestehen. Denn sie bringen alles mit, was es für den grossen Erfolg braucht.
Ein Schwiegermuttertraum
Musikalisch haben sie sich in ihren bislang drei Alben, der sogenannten Disco-Trilogie, an einen ganz eigenen Sound herangetastet. Mit ihren umsichtig arrangierten Harmonien, den Bläsersätzen und einem simplen Songwriting verbeugen sie sich vor dem Soul der Sechzigerjahre. Vorangetrieben wird das Ganze von relaxten Funkbeats, aus denen der Hip-Hop der Neunzigerjahre grüsst. Auch inhaltlich haben sie das Pflichtprogramm absolviert. Während in «Agglo Disco» die Vorfreude auf eine lange Disconacht thematisiert wird und das Nachtleben selber und die zahlreichen Mini-Dramen mit den Damen im Zentrum stehen, ist das jüngste Album «Disco Titanic» dem Morgen danach mit seiner Verletzlichkeit und dem Liebesschmerz gewidmet. Nicht zuletzt steht mit Dabu ein Schwiegermuttertraum am Mikrofon, während Arts an den Turntabels das Energielevel steuert. Beide wirken so sympathisch und offen, dass man auch minderjährige Töchter ohne Bedenken zu ihren Konzerten schicken würde.
Sprachwitz und Tiefe
Dabus Songs changieren federleicht zwischen Sprachwitz und Tiefe. «Ideen fliegen mir einfach zu, eine Songzeile, ein Gitarrenriff, ein Chor – daraus entwickle ich dann mit Arts einen Song», sagt Dabu Bucher. Wie das funktioniert, demonstriert er, als die Kellnerin einkassieren will. «Sie möchten bezahlen?», fragt sie mit einem reizenden Akzent. Dabu greift ihre Frage auf, wiederholt, lauscht der Melodie des Satzes. Wär eine Klampfe in Griffnähe, würde er sicher gleich ein Lied schreiben.
Das jedenfalls wird ihre nächste Zukunft sein. Wenn die Welle des Erfolgs heranrollt, braucht man sie nur noch zu reiten und dank dem Nachwuchspreis ist die Nachfrage nach Dabu Fantastic gross. Bis im Sommer stehen zahlreiche Konzerte an, die Tour wird mit einem Gig am 5. April im Zürcher Exil-Club losgetreten. Daneben ist bereits ein neues Album in Planung. Auch wenn die beiden mittlerweile fast alle freien Energien in die Musik stecken – und daneben ihren bürgerlichen Berufen als Lehrer (Dabu) und Jurist (Arts) nachgehen. Das sei zwar erschöpfend, nicken beide, doch man zweifelt keinen Moment daran, dass die Energie vorhalten und Dabu Fantastic noch weitere Meilensteine hinter sich lassen werden.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.03.2012, 15:07 Uhr
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