Kultur

Der verschüchterte Brönnimann

Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 03.05.2012

«Bund»-Musikredaktor Ane Hebeisen begleitet die Berner The Faranas seit einer Woche auf ihrer Tour durch Burkina Faso. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

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Tage 7 und 8. Ouagadougou. Temperatur: angenehme 37 Grad. Stimmung: in froher Erwartung.

Vor dem grossen Auftritt am Festival Jazz à Ouaga ist es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Die Afrikareise der Berner Afrobeat-Combo Faranas hat den Beteiligten einiges an Kraft gekostet. Neben den bisher drei Konzerten unter teilweise etwas diffizilen technischen Umständen, neben den diversen Radio- und Fernsehinterviews, den Besuchen im Heim für Strassenkinder, für welche unter anderem Geld gesammelt wurde, neben den Workshops mit teils reichlich abenteuerlich klingenden Fanfaren, waren es primär die Hitze und die fliegenden Händler, die den Energiehaushalt belasteten.

Unterschiedliche Temperamente

Kommt hinzu, dass hier nicht nur ein Austausch zwischen Schweiz und Afrika stattfindet, nein, auch bandintern sind da ziemlich unterschiedliche Temperamente und kulturelle Kräfte am Wirken. Da ist Schlagzeuger Bürgi Fabian, der ansonsten mit der Jazz-Band FM Trio durch Europa oder mit der Tunichtgut-Party-Männerriege Tequila Boys durch helvetische Kaschemmen tourt. Er weist das ungünstigste Kaufverhalten der Gruppe auf, bezahlt auf den Märkten überrissene Preise für minderwertige Waren, was sich unter den Händlern offenbar bereits herumgesprochen hat. Seit er einen burkinischen Monatslohn für ein Armband bezahlt hat, folgt ihm stets ein vielköpfiger Pulk von johlenden «amis», wenn er das Hotel verlässt.

Da ist Jan Galega Brönnimann, der im richtigen Leben unter anderem mit der Gruppe Brink Man Ship als Elektro-Jazz-Innovator durch die Welt kurvt. Er ist das erste und bisher einzige Opfer eines gewaltsamen Übergriffs geworden. Gestern hat ihm ein Motorradfahrer beim Versuch, sein umgehängtes Cully-Jazz-Täschchen zu entreissen, das Hemd zerfetzt. Die positive Nachricht: Das Gadget aus dem Cully-Merchandising-Shop hat den Belastungstest bestanden, Brönnimann ist zwar seither etwas verschüchtert, aber heil aus der Sache hervorgegangen.

Da ist Häberlin Bernhard, der Gitarrist von Grand Mothers Funck. Er hat das pädagogische Kunststück vollbracht, die etwas feurigen Strassenkindern von Bobo während eines Besuchs im Heim mit einer Burgdorfer Variante des rhythmischen Ringelreihe-Tanzes zu zähmen. Ein anderes Kunststück ist Andreas Aeberhard, im Hauptamt Bassist der Berner Goldkanten-Gruppe Lilly Yellow, gelungen. Er hat sich bei tropischen Temperaturen eine Erkältung eingefangen. Er trägt einen Schal um den Hals und hört auf den bandinternen Namen «Schnudercheib».

Da ist natürlich Alig Dominik, eine Art Methusalem der Band, der unter vielem anderem auf der Bob-Dylan-CD von Polo Hofer Vibrafon gespielt hat. Er hat sich am schnellsten in Afrika eingegliedert, reist mit weiten bunten Hosen durchs Land und wenn irgendwo ein Balafon auf der Bühne steht, ist auch Herr Alig nicht weit.

Wunder- und Diättherapien

Da ist auch Daniel «Bean» Bohnenblust, Saxofonist einer Band namens Mambo Mob und langjähriger GMF-Vorkämpfer. Er leidet noch immer an einer hartnäckigen Magenverstimmung, hat schon zwei Kilo Lebendgewicht (was ungefähr 5 Prozent seines Gesamtgewichts entspricht) eingebüsst. Er versucht nun mit einer selber erfundenen Joghurt-Reis-Diät sein Problem in den Griff zu bekommen.

Da ist Wyss Lisette, die das Buskers-Festival Bern mitorganisiert und die Roboter-Show Six Freaks Under betreut. Sie hat das Problem, dass sie des Schwitzens nicht mächtig ist und deshalb in Afrika mit einem ziemlich roten Kopf durch die Gegend zieht. Da ist Oggier Adrien, der Haupt-Songschreiber der Faranas, Organisator der Tour und Trompeter der Band King Kora. Ohne ihn wäre der ganze Haufen verloren. Und da ist natürlich Mory Samb, der Senegalese aus Wyler bei Utzenstorf, der zum ersten Mal als Leadsänger der Faranas amtet, zwischenzeitlich seine Stimme gänzlich verloren hat, diese aber mit Hilfe einer afrikanischen Wundertherapie (dazu gehört auch das Rauchen von Marlboro-Zigaretten) wieder gefunden hat.

Dieser heterogene Haufen schickt sich nun also heute Abend an, das renommierte Festival in Ouagadougou aufzumischen. Morgen wird berichtet, wie sich das angehört hat. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.05.2012, 17:55 Uhr

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