Kultur
Das Rock-'n'-Roll-Seniorenheim hat viele Zimmer
Aktualisiert am 19.04.2012 19 Kommentare
50 Jahre Rolling Stones
Vor 50 Jahren standen die Rolling Stones zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Für DerBund.ch/Newsnet Anlass genug, die Stones in einer feinen Mini-Serie zu würdigen – eine Serie, die mit diesem Beitrag zu Ende geht.
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Allem Gemümmel, Gejaule und Genöle zum Trotz: Die Stones sind noch immer cool, da gibts gar nichts zu deuteln. Sie sind zwar nicht in Würde gealtert, doch das war ja auch gar nicht nötig, denn sie blieben Rock 'n' Roll. Die Steine walzen weiterhin, auf der Bühne (Welttournee mit über 60 Lenzen) wie im Privaten (Affären, Kokosnüsse et cetera) – und sie wirken extrem gelassen dabei; sie wissen ganz genau, dass ihnen ein Ehrenplatz im Pantheon des Rocks längst sicher ist. Songs aufnehmen ist ein Spass, Touren die reine Freude. Und wenns mal nicht klappt, dann sagen sie, ganz relaxt: «Next year, folks.»
Auch noch cool: Bowie und Pop
Zur Clique der entspannten Bewohner des Rock-'n'-Roll-Seniorenheims gehört neben den Stones definitiv auch David Bowie. Nachdem er 2004 einen Herzinfarkt erlitten hatte, trat das schillerndste aller Pop-Chamäleone kürzer, spielte ein paar Strophen mit der vielleicht schönsten aller existierenden Schauspielerinnen ein (Scarlett Johansson) und verwaltete geschickt Ruhm und Vermögen («Bowie Bonds»). Als ihm die Queen einen Orden antrug, lehnte er ab, ohne grosses Aufheben («Ich weiss nicht, wofür so ein Ding sein soll»).
Einen ganz anderer Umgang mit der physischen Agonie pflegt Bowies langjähriger Kumpel Iggy Pop («I'm a Passenger»). Pop zelebriert den körperlichen Exzess, verblüfft sein Publikum mit einem permanent zur Nacktschau gestellten, drahtig-durchtrainierten, scheinbar zeitlosen Oberkörper. Und so wirkt Pop, der übermorgen 65 wird, unvermindert überzeugend als Medium seines rohen Punkrocks.
Doch es gibt auch andere Altrocker, denen das Altern weniger gut gelingt, die ein bisschen wirken wie jene traurigen abgehärmten Greise, denen nur die Nostalgie übrig blieb: Hardrocker wie Deep Purple oder Uriah Heep, die langsam, aber stetig ihrer Abwrackung entgegenschrammeln. Ihr Schweizer Äquivalent heisst Krokus, die immerhin während den frühen 80ern eine der angesagtesten Hardrock-Bands des Globus waren, mit Goldstatus in den Vereinigten Staaten und Auftritten vor Zehntausenden von Zuschauern. Heute spielen die Solothurner in ständig wechselnden Formationen an fast jeder – Pardon – Hundsverlochete.
Wer später stirbt, hat mehr vom Leben. Gilt auch für Rocker
«Live fast, die young», lautet das bekannte Rock-'n'-Roll-Credo, viele grandiose Musiker wie Jimi Hendrix, Janis Joplin oder Bon Scott lebten danach. Doch nun, wenn die verbliebenen Jungspunde von damals tatsächlich ins Pensionsalter kommen, zeigt sich: Geht auch anders. Es lebt sich nämlich gar nicht so übel im Rock-'n'-Roll-Seniorenheim – und nicht mal uncool muss es sein. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.04.2012, 19:09 Uhr
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19 Kommentare
Die Stones und alle die Pop-Gruppen der 70iger Jahre waren und sind wirklich Top-Musiker (es waren halt die ersten und echten Popstars. Werde nie diese tolle Zeit meiner( betreffend Musik und anderes) meiner Jugend in den 70zigern vergessen. Antworten
Gerechterweise müsste aber auch gesagt werden, das wichtigste Geheimnis des Erfolgs der hier genannten ist: Die Gnade der frühen Geburt. Hätten sie auch von Anfang an gegen das Internet bzw. dessen Downloadmöglichkeiten ankämpfen müssen, wären sie längst in der Versenkung verschwunden, wie es leider mit qualitativ total überlegenen Musikern nach ihnen massenhaft geschehen ist. Antworten



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