Draussen Kunst retten

Eine App soll Kunst im öffentlichen Raum besser sichtbar machen und vor dem Verfall bewahren – mithilfe der Nutzer.

Kunst im öffentlichen Raum besser Sichtbar machen: Das Ziel der App pARTicip (Hier: Kopflos von Luciano Andreani).

Kunst im öffentlichen Raum besser Sichtbar machen: Das Ziel der App pARTicip (Hier: Kopflos von Luciano Andreani). Bild: zvg

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Die mehrteilige Skulptur «vertikaler und horizontaler Metallkasten und Hochstehender Metallkasten mit Senkblei» von Jürg Nigg ist eine Ruine. 1987 vor dem physikalischen Institut der Uni Bern errichtet, ist sie wegen Vandalismus und Vernachlässigung heute nicht mehr als Kunst zu erkennen.

Kümmert es jemanden? Offenbar nicht. Zu wenig ist der Öffentlichkeit über das Werk bekannt, zu wenig wichtig ist es der Eigentümerin, der Stadt Bern.

Ein von der Hochschule der Künste Bern entwickeltes und vom Schweizerischen Nationalfonds mitfinanziertes Programm für Smartphones soll diesem Desinteresse nun entgegenwirken. Die App «pARTicip» ermöglicht es sowohl, sich über Kunst im öffentlichen Raum zu informieren, als auch allfällige Schäden an den Werken zu melden.

Das Programm ist ortsbasiert und kann so direkt vor dem fraglichen Objekt verwendet werden. Es liefert Bilder, den Namen des Urhebers und des Werks und dessen Entstehungsdatum sowie Informationen zu Material und Standort.

Die Beschreibungen der einzelnen Objekte bewegen sich auf unterschiedlichem Niveau. Zum Teil werden lediglich Wikipedia-Texte geliefert, wie sich der Quellensammlung entnehmen lässt. Die App verlinkt zudem die Websites des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft Sikart und des Materialarchivs.

Wer ist zuständig?

Gestaltet ist die App übersichtlich und praktisch. Für Nutzer, die ihre Schulzeit hinter sich haben, sind einzig die kunstpädagogischen Anregungen zu einzelnen Werken überflüssig bis störend.

Das Programm ist in sich schon Kunstvermittlung genug. Eine durchaus nützliche allerdings, auch wenn sich der Inhalt bisher auf den Raum Freiburg und die Stadt Bern beschränkt und auch dort längst nicht vollständig ist. Die App soll in Zukunft aber zur landesweiten Erfassung von Kunst im öffentlichen Raum dienen.

Um die Datenbank zu erweitern, sind die Nutzer dazu aufgerufen, Objekte erstens zu melden und zweitens Angaben zu ihrem Zustand zu machen. Die App ermöglicht eine schnelle Erfassung von Schadensmeldungen, die dann an den Eigentümer übermittelt werden.

Das Problem dabei besteht darin, dass der Eigentümer nicht in jedem Fall für den Unterhalt zuständig ist. Verantwortlich dafür ist oft derjenige, auf dessen Grund das Objekt steht.

Die für solche Abklärung nötige redaktionelle Betreuung der kostenlosen App ist noch nicht finanziert. Die Entwickler hoffen jedoch, von Sammlern – und das ist in den meisten Fällen die öffentliche Hand – entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Tatsächlich wäre es ohnehin deren Aufgabe, sich um ihre Sammlungen zu kümmern. In der Stadt Bern sind entsprechende departementsübergreifende Bemühungen im Gange.

Aufgrund der bisherigen dezentralen Erfassung der Kunstwerke und der überhaupt sehr mangelhaften Quellenlage ist folglich klar: So löblich die Entwicklung der vorliegenden App ist, die grosse Arbeit steht woanders an. Immerhin können die Bürger nun dabei helfen.

pARTicipate (Der Bund)

Erstellt: 26.04.2016, 08:24 Uhr

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