Starfotografin Annie Leibovitz vor dem Ruin

Von Nada Weigelt, dpa. Aktualisiert am 06.08.2009

Sie ist die wohl berühmteste Fotografin der Welt: Annie Leibovitz porträtierte die hochschwangere Demi Moore und nahm John Lennon am Tag seines Todes auf. Nun will ein Kreditgeber ihr Werk zu Geld machen.

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Vor ihrem berühmten Bild mit der schwangeren Schauspielerin Demi Moore (1991): Annie Leibovitz im Juni 2009 bei einer Ausstellungseröffnung in Madrid.
Bild: Keystone

   

Seit die 59-jährige Starfotografin in New York wegen eines 24- Millionen-Dollar-Kredits verklagt wurde, rätseln US-Medien und Kunstexperten über die Hintergründe.

«Jemand, der so aussergewöhnliche Bilder machen kann, ist nicht unbedingt ein guter Finanzmanager», sagte Graydon Carter, der Herausgeber der Zeitschrift «Vanity Fair». Bei dem Promi-Magazin verdient Leibovitz pro Jahr angeblich mehr als zwei Millionen Dollar. Für andere Arbeiten verlangt sie mehrere zehntausend Dollar am Tag. Dennoch musste die Bildkünstlerin im vergangenen Jahr zunächst 22 Millionen und kurz darauf weitere zwei Millionen Dollar Kredit aufnehmen.

Nur noch Hemd auf dem Leib

Die Firma Art Capital Group, eine Art Edel-Pfandleihe für die Kunstszene, bekam dafür die Rechte an ihrem Landhaus in Rhinebeck (New York), an drei denkmalgeschützten Stadthäusern in Manhattan - und vor allem an ihrem Fotokatalog. Sie habe praktisch nur noch ihr Hemd auf dem Leib behalten, schrieb das «Forbes»-Magazin.

Bis zum 8. September muss Leibovitz das Geld auf Heller und Pfennig zurückzahlen - mit Zins und Zinseszins. Weil sie jedoch weiter klamm ist, will der Kreditgeber einen Teil des überschriebenen Besitzes zu Geld machen und wirft ihr vor, dies zu blockieren.

Steuern und Immobilien

Dass die in der Arbeit als perfektionistisch geltende Künstlerin in Geldsachen lax ist, zeichnete sich schon seit einiger Zeit ab. Für die vergangenen beiden Jahren musste der Fiskus 1,4 Millionen Dollar Steuern nachträglich eintreiben. In zwei Klagen wurde ihr zudem vorgeworfen, Rechnungen für Fotoarbeiten über mehr als 700'000 Dollar nicht gezahlt zu haben.

Überdies übernahm sich Leibovitz möglicherweise mit ihren Immobilienprojekten. 2002 hatte sie nach Angaben der «New York Times» im angesagten New Yorker Stadtteil West Village für 4,15 Millionen Dollar zwei historische Stadthäuser gekauft und aufwändig renovieren lassen.

Der Tod und die Kinder

Und schliesslich dürften wohl private Probleme Löcher in die Kasse gerissen haben. Ende 2004 starb ihre langjährige Lebensgefährtin, die US-Schriftstellerin Susan Sontag, sechs Wochen später ihr Vater Samuel Leibovitz. In den langen Leidensjahren der beiden war sie immer wieder um die halbe Welt geflogen, um möglichst oft am Krankenbett zu sein.

Selbst die eigenen Kinder bekam die Fotografin nicht geschenkt. Nachdem sie im Alter von 51 Jahren ihr erstes Kind Sarah auf die Welt gebracht hatte, liess sie 2005 die Zwillingsmädchen Susan und Samuelle von einer Leihmutter austragen - ein teures Verfahren. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.08.2009, 12:00 Uhr

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