Schlingensiefs unfertige Projekte

Aktualisiert am 23.08.2010

Der verstorbene Künstler Christoph Schlingensief hätte unter anderem den deutschen Pavillon der kommenden Biennale von Venedig gestalten sollen. Wie es weitergeht, ist unklar.

1/13 Sein langer Leidensweg ist beendet: Christoph Schlingensief erlag am 21. August 2010 seinem Krebsleiden.
Bild: Keystone

   

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Trauer um Christoph Schlingensief

Trauer um Christoph Schlingensief
Nach dem Tod des Regisseurs herrscht Bestürzung und Trauer bei Prominenten aus Kultur und Politik.

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Nach dem Tod von Christoph Schlingensief ist die Gestaltung des Deutschen Biennale-Pavillons 2011 in Venedig unklar. In den kommenden Wochen soll geprüft werden, ob Ideen des Künstlers umgesetzt werden können. Schlingensief habe für den Pavillon mit grossem Enthusiasmus bereits eine Vielzahl von Themen und Details entwickelt, teilte Pavillon-Kuratorin Susanne Gaensheimer am Montag in Frankfurt mit. Die Chefin des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt hatte Schlingensief im Mai dieses Jahres beauftragt, den Deutschen Pavillon auf der 54. Biennale zu gestalten.

Kein «Plan B»

«Wir wussten um das Risiko», sagte MMK-Sprecherin Christina Henneke der Nachrichtenagentur dpa. Es habe aber nie einen «Plan B» gegeben. Schlingensief war am Samstag im Alter von 49 Jahren seiner schweren Krebserkrankung erlegen. Seine Ernennung zum verantwortlichen Künstler für den Pavillon hatte im Mai auch für scharfe Kritik gesorgt. Gerhard Richter, einer der bekanntesten deutschen Maler, hatte die Berufung Schlingensiefs als «Skandal» und Zeichen für den Niedergang der Malerei gewertet: «Die nehmen einen Performer, dabei haben wir tausende Künstler.»

Die Arbeit Schlingensiefs werde immer noch unterschätzt, bekräftigte am Montag dagegen Gaensheimer, die als zweite Frau den Deutschen Pavillon kuratiert. «Er war einer der wichtigsten deutschen Künstler der letzten 20 Jahre, und die Art und Weise wie er das Deutschsein in seiner Arbeit thematisiert hat, ist ein wesentlicher Beitrag nicht nur zur deutschen, sondern auch zur gesamten westlichen Kunst und ihrem Verhältnis zur Realität.» Sein Tod sei ein unbeschreiblicher Verlust.

Berliner Staatsoper sucht Ersatz

Auch die Berliner Staatsoper Unter den Linden sucht nach einer Ersatzlösung für ihre Saisoneröffnung am 3. Oktober. Schlingensief war als Regisseur für die geplante Uraufführung der Oper «Metanoia» verpflichtet worden. Die szenischen Proben hätten am Montag, zwei Tage nach seinem Tod, beginnen sollen. Ein Opernsprecher sagte auf Anfrage, es bleibe wie geplant bei einer szenischen Aufführung. Im Laufe der Woche werde geklärt, wie man dies stemmen wolle. Die Uraufführung soll die neue Spielzeit im Ausweichquartier im Schillertheater eröffnen. Das Haus der Staatsoper wird derzeit umgebaut.

Die Memoiren Schlingensiefs sind nach Auskunft des Verlagshauses Kiepenheuer und Witsch fast fertig. Das Manuskript liege vor, der genaue Erscheinungstermin sei aber noch offen. Der Band sollte ursprünglich am 23. September erscheinen – einen Monat vor dem 50. Geburtstag Schlingensiefs am 24. Oktober. Kiepenheuer und Witsch hatte jedoch schon im Juli mitgeteilt, der Termin sei verschoben. Ein Grund wurde damals nicht genannt. (sda)

Erstellt: 23.08.2010, 14:47 Uhr

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