Kultur

Paul Klee und sein Sammler

Von Alice Henkes. Aktualisiert am 28.08.2009

Still, klug und ansprechend präsentiert die Ausstellung Klees umfangreiches grafisches Schaffen. Kunterbunt indes wirkt die Hommage an seinen passionierten Sammler Eberhard W. Kornfeld.

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Paul Klee: «Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich», Radierung und Aquatinta auf Zink auf festem Velin, 1903.
Bild: Zentrum Paul Klee

   

Die Ausstellung

«Paul Klees Grafik. Die Passion des Eberhard W. Kornfeld» dauert bis 21. Februar 2010.

Das heitere Blatt «Der Engel bringt das Gewünschte» gehört zu den besonders populären grafischen Arbeiten Paul Klees. 1920 entstanden, zeigt die Lithografie eine der ersten Engelsdarstellungen in Klees Werk.

Das zarte Himmelswesen mit Tablett ist überdies einer der wenigen Engel in der Ausstellung «Paul Klees Grafik. Die Passion des Eberhard W. Kornfeld». Die breit angelegte Schau präsentiert erstmals Paul Klees grafisches Schaffen in seiner gesamten thematischen, stilistischen und drucktechnischen Vielfalt. Gleichzeitig ehrt die Ausstellung den prominenten Berner Kunsthändler Eberhard W. Kornfeld, der sich zeitlebens intensiv mit der Grafik Paul Klees befasst hat. 1923 geboren, wuchs Kornfeld in Basel auf und trat mit 18 als Volontär in die Berner Kunsthandlung Gutekunst & Klipstein ein. Nur wenige Jahre später übernahm er die Firma, die unter seinem Namen zu einem bedeutenden Kunsthaus wurde. Bereits als junger Mann beschäftigte Kornfeld sich intensiv mit Paul Klees grafischem Schaffen. 1962 veröffentlichte er einen Werkkatalog zu Klees Grafik, der als Standardwerk gilt und vor vier Jahren in einer überarbeiteten Version neu aufgelegt wurde.

Gekrönte Nackedeis

Kornfeld ist nicht nur ein profunder Kunstkenner und versierter Auktionator, sondern auch ein leidenschaftliche Sammler. Als solcher hat er eine umfangreiche und hochwertige Kollektion mit grafischen Arbeiten von Paul Klee zusammengetragen, aus der Kurator Michael Baumgartner die Ausstellung im Zentrum Paul Klee zusammengestellt hat. Nur vereinzelt wurden Blätter aus der Sammlung des Hauses ergänzend beigefügt. 109 Arbeiten aus den Jahren 1901 bis 1932 umfasst die Schau im Zentrum Paul Klee (ZPK). Locker in zwölf thematische Gruppen gebündelt, zeichnen die Blätter Klees künstlerischen Weg nach, auf dem Grafik eine grosse Rolle spielt. Das gilt besonders für das Frühwerk.

Die Ausstellung belegt dies mit kunsthistorischen Trouvaillen wie dem «Abenteuerlichen Fisch» aus dem Jahr 1901, der ersten Radierung von Klees Hand überhaupt. In seinen frühen Drucken setzt Klee sich oft satirisch mit Gesellschaft und Politik auseinander. Bekannt wurde das Blatt «Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich». In den beiden katzbuckelnden Nackedeis karikiert Klee den deutschen Kaiser Wilhelm II und seinen habsburgischen Berufskollegen Franz Joseph von Österreich. An ihren Bärten kann man die Herren erkennen.

Erdverwachsener Held

Auch zahlreiche druckgrafische und stilistische Experimente finden sich im Frühwerk. Impressionistisch beeinflusste Landschaften und wenig bekannte Holzschnitte zeigen, wie der junge Klee das Vokabular der Moderne ausprobiert, um seinen eigenen Weg zu finden.

Mehrfach kann die Schau auch verschiedene Druckzustände oder Variationen eines Motivs präsentieren. Die kolorierte Lithografie «Zerstörung und Hoffnung» von 1916 etwa ist in drei von insgesamt 16 existierenden Farbvarianten zu sehen. Erhellend sind auch Nebeneinanderstellungen von Vorzeichnung und Druck, wie vom «Held mit Flügel», der erst in der Druckversion ein baumartiges Bein erhält, das ihn als erdverwachsen zeigt.

Künstler-Selbstvermarktung

Wie stark Klee mit der Kunstszene seiner Zeit verwachsen war, dokumentieren Editionen wie die 1912 aufgelegte Mappe der Münchner Künstlergruppe SEMA. Eine impressionistische Landschaft Klees findet sich hier neben expressiven Werken von Egon Schiele oder Alfred Kubin. Die Meistermappen des Bauhauses aus den 1920er-Jahren zeigen den gereiften Künstler im Umfeld berühmter Kollegen wie Johannes Itten und Oskar Schlemmer. Diese faszinierenden Dokumente zeigen nicht nur, wie Künstler im frühen 20. Jahrhundert versuchten, sich selber zu vermarkten, sondern auch, wie vielfältig und selbstverständlich sie sich der Drucktechniken bedienten.

Im Zentrum der sehr klugen, ansprechenden Grafikschau hat das ZPK einen Huldigungsraum für Eberhard W. Kornfeld eingerichtet. Hier soll nicht nur der Sammler und Kunstkenner an Profil gewinnen, auch der Mensch Eberhard W. Kornfeld soll dem Besucher näher gebracht werden, der Künstlerfreund, Fasnächtler und Armee-Korporal. Zu diesem Zweck wird an Wänden und in Vitrinen ein Allerlei aus Dokumenten, Münzen, Fotos, Masken ausgebreitet, das im Vergleich zu den stillen Grafikblättern unverschämt bunt und laut daherkommt. Ernsthaftere Einblicke in Wirken und Persönlichkeit Kornfelds bieten hier allenfalls die Videoporträts. (Der Bund)

Erstellt: 28.08.2009, 13:08 Uhr

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