Kultur

Knüsel tritt zurück

Aktualisiert am 23.05.2012 2 Kommentare

Pius Knüsel verlässt auf Ende September seinen Posten als Direktor der Pro Helvetia. Mit Knüsels Buch «Der Kulturinfarkt» habe der Rücktritt nichts zu tun, erklärt die Kulturstiftung.

In der Kulturszene umstritten: Pro-Helvetia-Direktor Knüsel.

In der Kulturszene umstritten: Pro-Helvetia-Direktor Knüsel.
Bild: Keystone

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Nach zehn Jahren Engagement für die nationale Kulturförderung wolle er sich beruflich verändern und ausserhalb der Kulturförderung tätig werden,teilte Pro Helvetia heute mit. Der Zeitpunkt für einen Führungswechsel sei ideal, da die Kulturstiftung die durch das Kulturförderungsgesetz ausgelöste Reorganisation gemeistert habe, schreibt Pro Helvetia. Neu ist bei Pro Helvetia die Amtszeit des Kaders auf zehn Jahre beschränkt. Knüsel hätte allerdings noch vier Jahre bleiben können, weil die bisherigen Amtsjahre nur zu 60 Prozent angerechnet werden.

Rücktritt seit längerem erwogen

Als Co-Autor des Buchs «Der Kulturinfarkt» hatte Knüsel im März für grosse Aufregung im deutschsprachigen Feuilleton gesorgt.

Knüsels Rücktritt stehe in keinem Zusammenhang mit dem kontroversen Buch, erklärte die Medienverantwortliche von Pro Helvetia, Sabina Schwarzenbach, gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Knüsel habe einen Rücktritt schon seit längerem in Erwägung gezogen.

Hirschhorn-Skandal verursachte Budget-Kürzung

Im Juli 2002 übernahm Knüsel die Leitung von Pro Helvetia. Mit einem ersten Konflikt konfrontiert war er 2003 beim Streit um die Leitung des Centre Culturel Suisse in Paris. Es folgte die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Pro Helvetia und dem Bundesamt für Kultur. Im Rahmen des Projektes «Vision 70» wurde der Personalbestand von Pro Helvetia innert dreier Jahre um fast ein Viertel reduziert.

2004 wurde die Kulturstiftung vom eidgenössischen Parlament mit einer Budgetkürzung «bestraft». Grund war eine nach Ansicht des Ständerates «unflätige Ausstellung» von Thomas Hirschhorn im Pariser Centre Culturel. Die Affäre Hirschhorn sei in eine für die Stiftung positive Evaluation durch die parlamentarische Verwaltungskontrolle gemündet, heisst es in der Pro-Helvetia-Mitteilung.

Austauschprogramme mit verschiedenen Ländern

Als wichtige Projekte in der Ära Knüsel werden die Austauschprogramme mit Japan, China, Deutschland, Frankreich und Österreich sowie die Impulsprogramme zu Volkskultur und Computerspielen erwähnt. Zudem wurden Verbindungsbüros in New Delhi und Shanghai eröffnet und die Partnerschaft mit dem Istituto Svizzero di Roma begonnen.

Anfang 2012 trat das Kulturförderungsgesetz in Kraft, das einen Umbau von Pro Helvetia zur Folge hatte. Heute ist die Kulturstiftung nach eigenen Angaben «ausgezeichnet aufgestellt». Sie verfügt über 42 Vollzeitstellen im Inland und 25 im Ausland. Jedes Jahr werden rund 3500 Unterstützungsanfragen bearbeitet.

Knüsels Stelle wird im Juni ausgeschrieben

Im Juni wird die Stelle einer Direktorin oder eines Direktors ausgeschrieben. Von Anfang Oktober bis zum Antritt von Knüsels Nachfolger führt der stellvertretende Direktor Andrew Holland die Geschäfte der Stiftung.

Pius Knüsel war nach seinem Studium zunächst Kulturredaktor beim Schweizer Fernsehen, 1992 bis 1997 Programmleiter des Zürcher Jazzclubs Moods und von 1998 bis 2002 Leiter des Kultursponsorings der Credit Suisse.

(lsch/sda)

Erstellt: 23.05.2012, 15:31 Uhr

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2 Kommentare

Benjamin Wilkowirski

24.05.2012, 20:41 Uhr
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Ein Kultur-Apparatschik ohne jegliches Charisma, ohne künstlerische Visionen und ohne jegliches Kunstverständnis. Ein langweiliger Kulturverwalter. Zweimal machte Knüsel Wellen im Biotop: Die Hirschhorn-Ausstellung war ein künstlerischer Flop und brachte die ProHelvetia ins Gerede; die Mitautorenschaft im Kulturbuch und K's Beitrag waren schlicht dumm. Brauchen wir eine ProHelvetia? Nicht wirklich Antworten


Alexander Heinsohn

24.05.2012, 01:33 Uhr
Melden 1 Empfehlung 0

Danke. Antworten



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