Kultur

Graffitikünstler zerstört Damien-Hirst-Installation

Aktualisiert am 07.09.2009

Der 17-Jährige hat aus einer Installation des Star-Künstlers Stifte «entführt» – und gedroht diese zu spitzen. Das Werk hat einen Wert von 17 Millionen Franken.

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Von Graffiti-Künstler geschändet: Hirst-Installation «Pharmacy».

   

Dass der Graffitikünstler mit dem Pseudonym «Cartrain» die Buntstifte Damien Hirsts gestohlen hat, könnte als grösster Kunstdiebstahl in die Geschichte Grossbritanniens eingehen. Die Schachtel Faber-Castell-Bunststifte sind Teil der Installation «Pharmacy», die bis Ende August in London zu sehen war. Das Werk wird auf einen Wert von zehn Millionen Pfund geschätzt, die Buntstifte haben laut Hirst demnach einen Wert von 570'000 Euro.

Cartrain «entführte» die Stifte im Sommer während eines unbeobachteten Moments beim Besuch des Tate-Britain-Museums, weil er eine alte Rechnung mit dem Starkünstler offen hat, dessen privates Vermögen auf 200 Millionen Pfund geschätzt wird.

Anlass für die David-Goliath-Fehde ist Hirsts Skulptur eines mit Diamanten besetzten Totenschädels. Der junge Graffitikünstler verwendete das Motiv in Collagen, von denen er einige sogar über eine Website verkaufen konnte und dabei laut eigener Aussage 200 Pfund einnahm.

«Andernfalls werden die Buntstifte gespitzt»

Hirst, dem - neben einigen anderen Fällen - auch gerade wegen dieser Skulptur Ideendiebstahl vorgeworfen worden war, klagte Cartrain deshalb auf Urheberrechtsverletzung. Mit Erfolg: Die Collagen des 17-Jährigen wurden beschlagnahmt; mit den Buntstiften als «Geiseln» wollte er sie zurück. Ganz im Stil eines Kidnappers formulierte Cartrain seine Forderungen: «Wenn Damien Hirsts Buntstiften nichts geschehen soll, möchte ich meine Kunstwerke zurück. (...) Hirst hat einen Monat, um sich zu entscheiden; andernfalls werden die Buntstifte am 31. Juli gespitzt. Er soll sich vorsehen.»

Hirst fand die Entführung der Buntstifte allerdings überhaupt nicht komisch und schickte die Polizei los, die gleich einmal Cartrains 49-jährigen Vater als mutmasslichen Buntstift-Verstecker verhafteten. Nach dem Burschen wurde per Haftbefehl gesucht. Cartrain stellte sich und gab die Buntstifte zurück. Er wurde jedoch nur gegen Kaution freigelassen und wartet auf sein Strafverfahren - mit der Auflage, sich von Hirsts Werken fernzuhalten.

Eigenes Restaurant

Die Installation «Pharmacy» war zuletzt der Besuchermagnet der Ausstellung Classified: Contemporary Art at Tate Britain in London. Mit dem Kunstwerk bezieht sich Hirst auf ein eigenes Projekt aus den späten 90ern.

Damals versuchte sich Hirst als Betreiber des Restaurants Pharmacy im schicken Londoner Stadtteil Notting Hill. Einige Zeit war die Pharmacy Anziehungspunkt für die Schönen und Reichen. (phz)

Erstellt: 07.09.2009, 12:32 Uhr

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