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Die Schweizer Ausstellung «Kontroversen» im Kunst Haus Wien mit dem Untertitel «Justiz, Ethik und Fotografie» präsentiert vom 4. März bis 20. Juni Fotos, die Gegenstand oft heftiger Auseinandersetzungen oder Gerichtsverfahren waren. Es geht um die Gratwanderung zwischen Meinungsfreiheit, Urheberrechtsverletzung oder Kinderpornografie. Zu sehen war die Ausstellung zuvor in Lausanne und Paris.
Die Schau, die von Daniel Giradin und dem Genfer Rechtsanwalt Christian Pirker in jahrelanger Recherchearbeit konzipiert wurde, zeigt erstmals im deutschsprachigen Raum chronologisch jene Werke der Presse-, Kunst- und Werbefotografie, die teils sogar zu richtungsweisenden Gerichtsentscheidungen geführt haben.
Pornografisch inszenierte Kinder
Den Beginn macht die Kontroverse um den wahren Erfinder der Fotografie, der 1839 zwischen Hippolyte Bayard und Louis Daguerre ausgetragen wurde. Aus dieser Zeit stammt auch die Fotomanipulation «Selbstbildnis als Ertrunkener» von Bayard, mit der er gegen seine Nicht-Beachtung demonstrierte.
Im Kunst Haus Wien ist aber auch eine Vielzahl an Fotografien zu sehen, die aus heutiger Sicht unter Kinderpornografie fallen könnten. Den Beginn macht Lewis Carrolls «Alice Liddell als Bettelmädchen» (1858), 1970 folgte Irina Ionescos Foto ihrer nackten Tochter, die auf dem Bild wie eine Kinderprostituierte inszeniert ist.
Ähnlich verhält es sich auch mit Garry Gross' Foto von Brooke Shields, die er im Alter von zehn Jahren nackt in der Badewanne stehend abgelichtet hatte und gegen das die Schauspielerin einen Prozess führte.
Schockbilder
Im Bereich der kriminellen Grenzüberschreitung in der Fotografie sticht jenes Bild hervor, das zwei Journalisten am 30. Juli 1898 vom toten Bismarck geschossen haben, nachdem sie in sein Haus eingedrungen waren. Dieses Bild brachte die Fotografen wegen Einbruchs und Verletzung der Privatsphäre ins Gefängnis.
Rund 100 Bilder umfasst die Schau. Am Ende stehen Fotos aus jüngster Vergangenheit: die Bilder aus Abu Ghraib im Irak (2003) oder die abgerissene Hand auf dem Trottoir nach 9/11. (phz/sda)
Erstellt: 04.03.2010, 16:01 Uhr
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