Kultur

«Es ist offensichtlich, dass er dieses Gemälde unter Zwang verkauft hat»

Aktualisiert am 01.05.2012 8 Kommentare

Die Nachfahren des jüdischen Kunstsammlers Hugo Simon erheben schwere Vorwürfe gegen den Verkäufer des Munch-Gemäldes. Die Versteigerung bei Sotheby's sei unmoralisch.

Sotheby's-Angestellte mit Munchs Der Schrei. (12. April 2012)

Sotheby's-Angestellte mit Munchs Der Schrei. (12. April 2012)
Bild: Reuters

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Einen Tag vor der Versteigerung von Edvard Munchs Gemälde «Der Schrei» kommt das Auktionshaus Sotheby's (BID 28.2 1.33%) in die Kritik. Experten rechnen mit einem Weltrekord, wenn eines der bekanntesten Gemälde des Künstlers unter den Hammer kommt. Die Nachfahren des jüdischen Kunstsammlers Hugo Simon halten die bevorstehende Versteigerung durch Sotheby's aber für unmoralisch.

Rafael Cardoso, der in Brasilien lebende Urenkel des Sammlers, sagte der Tageszeitung «Die Welt»: «Wir sind mit dem Verkauf nicht einverstanden.» Sein Vorfahr sei in der Nazizeit aus Deutschland geflohen und habe das Bild im Exil aus Not verkauft. «Wir meinen, es ist eine wichtige moralische Angelegenheit, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren», sagte Cardoso. Er, sein Bruder und seine Mutter sind die einzigen lebenden Nachfahren des Sammlers.

Verkauft um zu überleben

Der heutige Besitzer des Gemäldes, der norwegische Industrielle Petter Olsen, will die vierte und einzige in Privatbesitz befindliche Version von Munchs «Schrei» am 2. Mai bei Sotheby's in New York versteigern. Der Schätzpreis ist mit 80 Millionen Dollar der höchste, der je für ein Pastell angegeben wurde.

Cardoso sagte, Sotheby's und der jetzige Eigentümer Olsen seien sich über die fragwürdige Provenienz des Bildes offenbar im Klaren. Olsens Anwälte hätten den Simon-Nachkommen angeboten, 250'000 Dollar für einen gemeinnützigen Zweck zu spenden, wenn sie der Versteigerung zustimmten. «Wenn sie keine ethischen Bedenken hatten, warum kamen sie überhaupt mit dem Angebot?», fragte Cardoso. Er und seine Verwandten hätten das Angebot abgelehnt. «Es ist offensichtlich, dass Hugo Simon dieses Gemälde unter Zwang verkauft hat, vermutlich unter Wert», sagte Simons Urenkel. «Sicher wurde jeder Vermögensgegenstand, den er in diesen Jahren verkaufte, verkauft, um zu überleben.» (kle/dapd)

Erstellt: 01.05.2012, 20:18 Uhr

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8 Kommentare

Su Studer

02.05.2012, 10:33 Uhr
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@Schürch-Tal: nicht jede Kritik an Juden ist gleich Antisemitismus, auch wenn die Juden gewisse Kritiken nicht gerne hören und diese gerne als Antisemitismus abtun. Antworten


Erika Belitzki

02.05.2012, 10:41 Uhr
Melden 8 Empfehlung 0

Meine Grosseltern (Sudetendeutsche), wurden im Krieg vertrieben und alles wurde ihnen weggenommen, Haus, Land, Geschäft. Nur das was sie tragen konnten durften sie mitnehmen. Mit Hitler oder Krieg hatten sie nichts am Hut, sie hatten nur die falsche Nationalität. Ja hallo und wo ist nun mein Erbe, will ich auch zurückhaben, "zwäng". Antworten



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