Die schönsten Farben der Geschichte

Zürich war noch überschaubar und unglaublich grün. Bern fehlten einige Brücken, doch die Aare war tiefblau. Erstmals widmet sich ein Buch ersten Photochrom-Farbbildern aus der Schweiz. Sie zeigen das 19. Jahrhundert bunt wie noch nie.

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Montreux, der Kurort für den Hochadel.
(c) Photoglob

   

Das Buch

Schweiz Suisse Svizzera Switzerland 1889 – 1911, Photoglob AG, 98 Franken.

Im 19. Jahrhundert befand sich die Farbfotografie noch im Anfangsstadium – trotzdem gab es schon eine Massenproduktion von Farbfotos. Die Zürcher Firma Orell Füssli erfand 1889 eine Technik, mit der man Schwarz-Weiss-Fotografien nachträglich mit einem Steindruckverfahren kolorieren konnte. Das Verfahren namens Photochrom kam weltweit zum Einsatz. Die Tochterfirma Orell Füsslis, die sich fortan jenem Druckverfahren widmete, hatte Ableger in London und Detroit. Unter dem Namen Photoglob ist jene Firma noch heute der grösste Postkartenverlag der Schweiz.

Mit dem aufwändigen Photochrom-Verfahren konnten die Schwarz-Weiss-Negative mit bis zu 12 Farben ergänzt und gedruckt werden. Anfänglich wurde die Methode eher zurückhaltend eingesetzt, wie zum Beispiel auf dem Zürcher Seegfrörni-Bild, wie in der Bildstrecke oben ersichtlich. Später, vor allem bei touristischen Alpenmotiven, kam die Farbe grosszügig zum Einsatz, kitschige Bilder mit unnatürlichen Farben waren das Resultat. «Farbe war damals rar, entsprechend üppig setzte man sie ein», sagt Gion Schneller, Geschäftsführer der Photoglob. Wegen des grossen Aufwands lohnte sich das Verfahren nur für Motive, bei denen eine hohe Auflage zu erwarten war. Bis zum Ersten Weltkrieg kam die Photochrom-Technik zum Einsatz, dann wurde sie endgültig von der Farbfotografie verdrängt.

Berge, Landschaften und Städte

Rund 5000 Photochrom-Bilder aus aller Welt lagern noch in den Archiven der Photoglob. Aus den eindrücklichsten Schweizer Motiven ist jetzt ein Bildband entstanden. Da das Verfahren nebst den Postkarten vor allem für Poster Verwendung fand, ist das Buch im Grossformat gehalten, einen halben Meter hoch. Die Bilder darin zeigen eine paradiesisch anmutende Schweiz, in der der Tourismus seine Hochblüten feierte. Durch die Kolorierung erhalten die Bilder eine Verfremdung, die schon fast sinnbildlich für die Belle Époque steht. Nebst Bergen, Landschaften und Städten sind auch technische Errungenschaften abgebildet: Bergbahnstrecken oder Luftseilbahnen gehörten damals zum Stolz der Nation. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.11.2009, 06:45 Uhr

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