Kultur
«Das gibt einen neuen Verkaufsrekord»
Interview: Olivia Müller. Aktualisiert am 01.05.2012 6 Kommentare
Nadine Steger-Kriesemer arbeitet seit 2001 für die Zürcher Abteilung des renommierten britischen Aktionshauses Sothebys. Hauptsächlich beschäftigt sich die studierte Kunsthistorikern mit impressionistischer und zeitgenössischer Kunst.
(Bild: ZV)
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Frau Steger, Sie befinden sich gerade in New York an den Auktionswochen. Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Die Auktionswochen in New York an unserem Hauptsitz sind jeweils hektisch. Ich treffe Käufer, Verkäufer oder Interessenten – alle unsere Exponate sind hier an der York Avenue museal ausgestellt. Von Brunch bis Cocktail sind während diesen Wochen spezielle Anlässe für unsere Kunden organisiert und als Mitarbeiter eines Auktionshauses ist man somit sehr absorbiert
Morgen wird auch Edward Munchs «Der Schrei» versteigert. Man spricht von 80 Millionen Dollar Auktionserlös. Könnte es gar mehr sein, eventuell ein neuer Rekord?
Das Potenzial dazu hat der «Der Schrei». Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Werk Picassos «Nude Green Leaves and Bust» – das wurde vor ziemlich genau zwei Jahren bei unserer Konkurrenz für 106.5 Millionen Dollar verkauft – übertreffen wird. Es ist ein ganz aussergewöhnliches Bild.
Was macht es denn so wertvoll?
Einerseits ist die Qualität des Gemäldes von Edvard Munch und dessen kunsthistorischer Kontext einmalig. Bedeutend ist ausserdem, dass das Werk seit dem Jahre 1937 in derselben Privatsammlung hing.
Stimmt der Eindruck, dass Künstler aus vergangenen Epochen höhere Verkaufserlöse erzielen denn zeitgenössische Werke?
Nein, so würde ich das nicht sagen. Auch zeitgenössische Kunst erzielt in der Zwischenzeit Spitzenresultate. Wichtige Werke des Impressionismus und der Klassischen Moderne befinden sich oft in Museen oder Privatsammlungen, es gibt also nur einen beschränkten Markt. Wird dennoch mal ein solches Gemälde gehandelt, ist die Nachfrage nach einem solch seltenen Stück gross, und dementsprechend hoch sind auch die Preise. Aber wie gesagt, auch Zeitgenössische Kunst verkauft sich gut.
Woher stammt denn die Käuferschaft?
Die ist sehr global. Traditionell gut vertreten sind die Käufer aus USA, Europa und inzwischen auch Russland. Sammler aus Asien und dem Mittleren Osten sind immer präsenter.
Ist Kunst für die privaten Käufer eine reine Geldanlage oder finden sich auch Kunstliebhaber darunter?
Wer soviel Geld für die Kunst ausgibt, interessiert sich echt für dieses Gebiet. Persönlich mache ich die Erfahrung, dass Käufer grösstenteils Kunstverständige mit grosser Erfahrung sind. Primär sind es also Kunstliebhaber – wobei die langfristige Investition des Geldes mitunter auch eine Rolle spielt.
Welche Künstler erzielen denn heutzutage Spitzenpreise an Auktionen?
Frühe Picassos, bedeutende Rothkos, Skulpturen von Alberto Giacometti oder ausserwählte Werke von Cézanne und Klimt erzielen gewöhnlich Höchstpreise.
Und wie handhaben Sie persönlich das?
Einmal pro Jahr kaufe ich ein Werk eines unbekannten zeitgenössischen Künstlers – einfach eine Arbeit die mich persönlich anspricht.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.04.2012, 19:37 Uhr
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6 Kommentare
Wer sich wundert, wohin das viele Geld wandert, welches die Zentralbanken fast gratis an die Geschäftsbanken verleihen, der sollte an eine solche Kunstauktion gehen, da wird er fündig. Inflation bedeutet nicht immer ein Ansteigen der Konsumentenpreise. Es kann auch bedeuten, dass für ein Bild 100 Millionen Franken bezahlt werden. Antworten
"Der Schrei" wird verkauft? Soweit ich weiss, hat Herr Munch damals an die 180 Versionen des Bildes angefertigt, von Bleistiftskizzen bis Öl auf Kanvas ist da alles dabei. Eine der schöneren Varianten hängt im Munch Museum in Oslo, zur allgemeinen Bereicherung der Öffentlichkeit. Antworten
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