Zürcher Flughafen unter Musikern schon früher berüchtigt
Von Bernhard Odehnal. Aktualisiert am 29.04.2010 17 Kommentare
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Österreichs Medien haben die Affäre verschlafen. Erst als die wertvolle Geige der Österreichischen Nationalbank (ÖNB) auf dem Weg von Zürich nach Wien war, erschienen Berichte über die Probleme der Geigerin Patricia Kopatchinskaja mit dem Schweizer Zoll. Unter Musikern spricht sich die Affäre jedoch schnell herum. Und sorgt für Verunsicherung.
Viele österreichische Musiker spielen regelmässig in der Schweiz. Nie sei ihr in den Sinn gekommen, ihr Instrument beim Zoll zu deklarieren, sagt eine Geigerin, die sich nun vor bürokratischen Hürden bei zukünftigen Engagements in Zürich oder Bern fürchtet. Eine Cellistin erzählt, dass der Zürcher Flughafen unter Musikern schon bisher berüchtigt war. Mal wurde beim Check-in die Mitnahme des Instruments in der Kabine verweigert, mal liess sie ein ruppiger Zollbeamter kostbare Instrumente in der Empfangshalle auspacken. Musiker stehen beim Schweizer Zoll offenbar unter Generalverdacht. Ein gastfreundlicher Empfang sieht anders aus.
Gewiss, ein «Missverständnis» (so die Sprachregelung der ÖNB) kann passieren. Doch es ist die Sturheit der Schweizer Behörden, die schockiert: Kopatchinskaja wurde die geliehene Geige weggenommen, und nun soll die Künstlerin auch noch mindestens 10 000 Franken Busse zahlen.
Dass Beamte das Gesetz derart streng auslegen, ist nicht nur für Musiker unverständlich: Der Nachdruck, mit dem Österreichs Nationalbank und Aussenministerium betonen, dass es keine Verstimmung mit der Schweiz gebe, legt das Gegenteil nahe. Immerhin war eines der wertvollsten Instrumente der ÖNB vier Tage in nicht sachkundigen Händen und unter unbekannten Umständen gelagert.
Mehrere Stellen des Aussenministeriums wurden aktiv, um die Geige aus den Klauen des Zolls zu befreien und sie zurück nach Wien zu bringen. Die Guarneri del Gesú muss jetzt von Experten auf Schäden untersucht werden, dann sollen Gespräche mit der Künstlerin geführt werden, die nach dem Schock auf dem Zürcher Flughafen die Geige nicht mehr spielen will. Es sind also ziemlich viele Personen mit Schadensbegrenzung beschäftigt. Nicht nur sie werden diese Affäre nicht so schnell vergessen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.04.2010, 09:01 Uhr
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17 Kommentare
Da der Ehemann der Violonistin als grüner Politiker zu jenen gehört, die den Regulierungs- und Kontrollierungsstaat massiv ausbauen wollen, kann ich eine klammheimliche Schadenfreude nicht unterdrücken, wenn so einer im Dschungel der unnötigen, dummen und bürgerfeindlichen Vorschriften hängenbleibt. Antworten
..... "um die Geige aus den Klauen des Zolls zu befreien" und sie zurück nach Wien zu bringen! Zuerst verschlafen die Oesterreicher wie gewohnt die ganze Angelegenheit und anschliessend muss das Aussenministerium aktiv werden! Nicht unbedingt Werbung für die ÖNB. Antworten
Ich bin Alphornistin. Da die Arbeiter am ZH-Flughafen alles andere als vorsichtig mit kostbaren Instrumenten umgehen (rumwerfen, auf den Boden knallen) bezahle ich lieber einen Flugsitz mehr und nehme das Instrument mit in die Kabine. In 3 Teile zerlegt ist das Alphorn 1.20 lang. Wert des Instruments: 6000 Franken. Nur der kleinste Riss im Becher und das Instrument ist dahin. Antworten
Bezüglich Flughafen Zoll Zürich kann ich nur bestätigen das dieser Zoll wohl der unfreundlichste und der gemeinste und frechste in der ganzen Welt ist - ich reise nun wirklich sehr viel aber jedesmal wenn ich in Zürich durch den Zoll gehen muss fühle ich mich wie ein Schwerverbrecher - man wird dort angesehen wie ein Krimineller - ohne Gruss oder ein Lächeln, ist wohl verboten. Typisch Schweiz!!!! Antworten
@Hans Schmid: Denken Sie nicht, dass Zollkontrollen zur Kompetenz des Staates gehören? Immer den Staat abbauen wollen, aber dann aufschreien weil es mehr Verbrechen gibt wegen zuwenig Polizei oder bei Boniexzessen wegen fehlender Regulierung und und und... Ohne einen starken Staat herrscht Willkür! Antworten
Hab ich das richtig gelesen? Die Chellistin beschwert sich, dass sie Ihr Instrument nicht mit in die Kabine nehmen darf...hmmm.....nur gut, dass die Alphornbläser da etwas verständnisvoller sind......und die Geigerin hat jetzt Albträume und keine Lust mehr diese Geige zu spielen....lächerlich! Vermutlich wird sie jetzt den Kt. Zürich auf Schadenersatz für Erwerbsausfall verklagen.... Antworten
hey Leute! Warum diese Aufregung? 1. Der Zöllner hat nur das gemacht, wofür er angestellt ist! 2. Wenn ich ich mit einem 4.5 Mio EUR teuren Gemälde beim Zoll erwischt werde, dann werde ich zu Recht bestraft, soll das für andere nicht gelten??? 3. Jeder etwas intelligente Mensch weiss, dass man Gegenstände, welche den Rahmen des üblichen (Laptops, Fotokamera, ecc.) sprengt, beim Zoll deklariert Antworten
Ein weiteres Beispiel, das zeigt, dass heute nicht mehr der Staat für dern Bürger da ist, sondern der Bürger für den Staat. - Auch in der Schweiz, die gerne Bürgernähe für sich reklamiert. Es gibt nur einen Ausweg: Die Aufgaben und Kompetenzen des Staates müssen auf das notwendige Minimum reduziert werden und es wird uns allen besser gehen! Antworten
Seit ein Grossteil der Zollkontrollen mjit der EU entfallen sind muss sich halt das (überzählige) Zollpersonal irgendwie beschäftigen. Dass die Schweizer Zöllner sehr unfreundlich sind ist allgemein bekannt. Jedefalls entsteht der Einadruck, dass die ein Teil der Zällner verhinderte Rambos sind, die es in den normalen Polizeidienst nicht geschafft haben. Antworten
schweizer mögen viele tugenden haben, toleranz und fingerspitzengefühl gehören jedenfalls nicht dazu. die sturen zollbeamten hatten vermutlich einfach schlechte laune, und als sie dann selbst beim dritten anlauf immer noch nicht fähig waren, den namen der musikerin richtig zu schreiben, wars dann ganz vorbei. Antworten
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Hans Schmid
@Andermatt: Zollkontrollen sind Staatsaufgaben, genau wie eine starke(!) Polizei und Armee. Ich will auch einen starken Staat, aber einen der sich auf seine Kernaufgaben konzentriert und sich nicht in sämtliche Lebensbereiche einmischt. Wenn der Staat schlanker wäre, bräuchten wir auch keine (unsoziale!) MWSt und solche Peinlichkeiten bei der Einfuhr würden von vornherein vermieden. Antworten