«Mit einer Bürgschaft von 400'000 Franken kann die Geige abgeholt werden»
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 27.04.2010 25 Kommentare
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Wertvolle Violine als Corpus Delicti
Die Violine, wegen der Patricia Kopatchinskaja am Zoll festgehalten wurde, ist die Guarneri del Gesù «ex-Carrodus». Sie wurde 1741 von Giuseppe Guarneri in der italienischen Geigenbauerstadt Cremona gefertigt.
Guarneri hatte dort die Werkstatt seines Vaters übernommen, zudem soll er ein Schüler des ebenfalls in Cremona tätigen Antonio Stradivari gewesen sein. Den Zunamen «del Gesù» erhielt er, weil er auf seinen Geigenzetteln jeweils ein Kreuz sowie die Buchstaben «IHS» (vermutlich Iesus Hominum Salvator) notierte. Insgesamt sind von Guarneri del Gesù 150 bis 200 Instrumente erhalten, darunter ein Violoncello. Ihr Klang ist in der Regel etwas heller und kräftiger als jener der Stradivaris – was schon Paganini schätzte.
Heute gehören die Guarneris zu den teuersten Streichinstrumenten überhaupt. Der Wert der am Zoll beschlagnahmten Violine wird auf 4,5 Millionen Euro geschätzt. Sie soll einst dem englischen Geiger John Tiplady Carrodus (1836-1895) gehört haben. Heute befindet sich die wertvolle Violine im Besitz der Österreichischen Nationalbank, die sie Patricia Kopatchinskaja kürzlich als Leihgabe überlassen hat.(suk)
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Langsam zeichnet sich eine Lösung für das wertvolle Instrument ab, das der Zürcher Flughafenzoll am Samstag beschlagnahmt hat. «Wir brauchen eine Bürgschaft oder eine Barhinterlassenschaft in der Höhe der fälligen Abgabe, dann kann das Instrument abgeholt werden», sagt der stellvertretende Zollinspektor des Flughafens, Daniel Tschudin. Das heisst: jemand muss für rund 400'000 Franken bürgen, bis die Geige wieder zurück an den Eigentümer, die Österreichische Nationalbank, geht. Kopatchinskaja hat das Instrument von der Bank als Leihgabe erhalten. Ob die Musikerin zusätzlich eine Strafe wegen eines Zollvergehens bezahlen muss, kann Tschudin nicht sagen: «Für das Strafverfahren ist die Zollfahndung in Zürich zuständig, damit haben wir nichts zu tun.»
«Grosse Last»
Lukas Fierz, der Ehemann Kopatchinskajas und ehemaliger Berner Nationalrat zeigt sich erleichtert, dass die Tonalität freundlicher geworden sei. «Es ist ein Fehler passiert, meine Frau wusste nicht, dass sie das Instrument deklarieren muss», sagt er. Sie sei bereit, die Konsequenzen aus diesem Regelverstoss zu tragen. Wie es mit der Geige weitergeht, weiss er allerdings nicht. «Die Behörden sollen jetzt eine zweckdienliche Lösung finden», sagt er gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Denkbar ist, dass die Österreichische Nationalbank oder eine Handelskammer die Bürgschaft leistet.
Die Angelegenheit ist für Fierz äusserst unangenehm. «Wissen Sie, es ist eine grosse Last, für ein so kostbares Instrument verantwortlich zu sein, das einem gar nicht gehört.» Auf die Frage, wann er denn denke, dass sein Frau die Geige mit nach Hause nach Bern nehmen könne, sagt er: «Keine Ahnung – falls sie sie je nach Hause wird nehmen können.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.04.2010, 14:37 Uhr
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