Matthias Gawriloff wechselt vom BSO zur Basel Sinfonietta
Von Marianne Mühlemann. Aktualisiert am 01.02.2012
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Vor knapp einer Woche ist bekannt geworden, dass Matthias Gawriloff – bis Ende Juni 2012 Direktor des Berner Symphonieorchesters (BSO) – bereits auf Ende Januar 2012 aus der operativen Übergangsleitung von Musik Theater Bern ausscheiden wird. Da er sich nicht dazu äussern wollte, wurde vermutet, der Entscheid könnte mit dem neuen Leiter der Sparte Musik zusammenhängen. Seit gestern nun ist ein handfester Grund bekannt: Matthias Gawriloff hat eine neue Stelle.
Heute nimmt er – vorerst in Teil-, ab 1. Juli in Vollzeit – die Tätigkeit als Geschäftsführer der Basel Sinfonietta auf. Der 55-Jährige tritt die Nachfolge von Harald Schneider an, der nach sechs Jahren als Geschäftsführer in gleicher Funktion ans Philharmonische Orchester Freiburg im Breisgau geht.
Selbst verwaltetes Ensemble
Die Basel Sinfonietta gilt als innovatives, gar revolutionäres Ensemble. Das Orchester hat sich einen Namen gemacht mit Uraufführungen und der Interpretation zeitgenössischer Musik. Und anders als das hoch subventionierte Berner Symphonieorchester, dem der 55-Jährige seit Herbst 2008 vorstand, ist die Basel Sinfonietta ein Orchester, das sich selbst verwaltet.
Gegründet wurde das Ensemble, das man auch in Bern regelmässig hört, 1980 von einer Schar junger Musikerinnen und Musiker. Bis heute hat es sich seine Frische bewahrt, beweist Eigeninitiative und Innovationsfreude: Die rund 150 Musikerinnen und Musiker, die das basisdemokratisch geführte Projektorchester als Stamm bilden, entscheiden eigenverantwortlich über Programm, Finanzplanung, Gastdirigenten sowie die strategische Ausrichtung des Klangkörpers; für Konfliktfälle hat es gar eine eigene Ombudsstelle eingerichtet. Das Konzept Basel Sinfonietta bedeutet für Gawriloff einen Perspektivenwechsel: Bei diesem Orchester sind die Mitarbeiter der Geschäftsstelle und der Geschäftsführer bei den Musikerinnen und Musikern angestellt.
Neue Möglichkeiten
Matthias Gawriloff war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Klar ist: Die Basel Sinfonietta ist beweglicher als das BSO, sie bietet ihm neue Möglichkeiten. Als national und international tätiges Orchester werden Tourneen an der Tagesordnung sein. Eben hat das Ensemble im Grand Théâtre de Genève als Opernorchester brilliert, es gastierte auch schon beim Lucerne Festival und bei den Tagen für Neue Musik in Darmstadt. Und es ist das einzige Schweizer Orchester, das dreimal in Folge an die Salzburger Festspiele eingeladen worden ist.
Die Musiker werden von Gawriloffs Vernetzung profitieren, von seiner Erfahrung mit Sponsoren und mit Neuer Musik. Als junger Kulturmanager in Deutschland war seine erste «Sponsoringtat» die Suche nach Geldern für die Uraufführung von Karlheinz Stockhausens Oper «Freitag aus Licht». Und als Produktionsleiter der Intendanz bei den Bamberger Symphonikern organisierte der ausgebildete Soloklarinettist Konzerte, bei denen die Orchestermusiker statt von Notenblättern direkt vom Bildschirm gesponserter Laptops spielten. Daran erinnert man sich jetzt.
In Basel wird ihm seine in Bern erprobte Hartnäckigkeit zugutekommen. Die wirtschaftliche Angespanntheit ist auch an der Basel Sinfonietta nicht spurlos vorübergegangen: Ende 2010 hat die UBS ihr fünfjähriges Engagement bei der Basel Sinfonietta beendet. Deswegen konnte das Orchester die Konzertsaison 2011/12 nicht wie geplant realisieren. Ein Datum allerdings ist fix: Am 13. März gastiert die Basel Sinfonietta in der Dampfzentrale – vielleicht schon in Begleitung ihres neuen Geschäftsführers. (Der Bund)
Erstellt: 01.02.2012, 09:35 Uhr
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