Kultur

Luzern lockt Roberto Benigni bis Oswald Grübel

Noch ist Locarno nicht zu Ende, schon müssen sich Politiker und Manager für das nächste Stelldichein schön machen. Gestern eröffnete das Lucerne Festival mit zwei Bundesräten und der Schweizer Wirtschaftselite.

Das wichtigste Klassikfestival der Schweiz ist eröffnet: Blick ins KKL Luzern. (Archivbild: Lucerne Festival)

Das wichtigste Klassikfestival der Schweiz ist eröffnet: Blick ins KKL Luzern. (Archivbild: Lucerne Festival)

Erfolgreicher Festivaldirektor: Michael Haefliger. (Bild: pd)

Lucerne Festival im Sommer

Bis 18. September.
Programm: www.lucernefestival.chLink

Stichworte

Die Bundesräte Didier Burkhalter und Moritz Leuenberger waren gestern an der Eröffnung des wichtigsten Klassikfestivals der Schweiz dabei, ebenso wie die Wirtschaftsvertreter Rainer E. Gut (Credit Suisse), Fritz Gerber (Roche) oder Oswald Grübel (UBS). Aus der Kultur warteten der italienische Filmregisseur Roberto Benigni, der Schauspieler Bruno Ganz und der Theologe Hans Küng auf.

Nike Wagner, Urenkelin von Richard Wagner und Leiterin des Kunstfestes Weimar, blickte in ihrer Eröffnungsrede auf die Erscheinungen und Wandlungen des Eros, dem Festivalmotto, in den letzten drei Jahrtausenden zurück - von den Griechen über das Christentum und die Aufklärung bis zur «zeitgenössischen Abkühlung des Eros».

«Liebesgeschichten, Liebespaare», so Wagner, «bevölkerten seit ihren Anfängen das musikalische Theater, aber auch Instrumentalmusik und Liederzyklen sind ohne erotische Inspiration nicht denkbar.» Musik sei denn auch zur Darstellung von Emotionen besonders befähigt.

Kult der Körperlichkeit

Heute bestimmt nach Ansicht der Festrednerin Körperlichkeit die musikalische Szene, massiv über Pop und Rock. Aber auch die «hochkulturelle» Ebene erobere sich den Bezug auf Körperlichkeit zurück - über Experimente der Klangkunst und ihren Kult der Wahrnehmung durch Körper und Haut.

Bezüglich «Fidelio» meinte Wagner, darin werde mit den Erregungsstrategien der Musik die Ehe gefeiert: Inbegriff der Gesittung der Triebe, aber - angesichts der Scheidungsraten - vielleicht ein Traum. Doch dürfe man sich dem Traum vom gebändigten Eros ruhig hingeben, er werde einen doch immer zu treffen wissen.

Und das Publikum der Festivaleröffnung gab sich denn auch prompt dem Eros von «Fidelio»-Interpretation hin und feierte die hochkarätige Interpretation. Unter der souveränen Leitung von Claudio Abbado sang der Arnold Schoenberg Chor, spielten das Mahler Chamber Orchestra und das Lucerne Festival Orchestra.

«Fidelio» halbszenisch

Für die Inszenierung der Beethoven-Oper, in der Gattenliebe über Tyrannei und Terror siegt, liess Claudio Abbado der Regisseurin Tatjana Gürbaca freie Hand. Schon ausserhalb des Konzertsaales konfrontierte sie das Publikum mit einer «Klagemauer»: zahlreiche Porträts mit ausgekratzten Augen.

Im Konzertsaal selbst brachte eine grosse Sonnenkugel - inspiriert von Olafur Eliassons Lichtinstallation in der Tate Moderne in London - Licht und Hoffnung ins Dunkel respektive in den Kerker, in dem Leonores Mann Florestan als politischer Häftling interniert ist.

In «Fidelio» gehe es um die Innenperspektive, um Empfindungen, so Tatjana Gürbaca. «Im Kampf mit den eigenen Schatten begegnen die Figuren ihrer inneren Stimme und lernen, ihre Träume zu formulieren.» Dieser Traum aus einer anderen Zeit sei bis heute aktuell, habe bis heute seine Gültigkeit. (rb/sda/)

Erstellt: 13.08.2010, 08:39 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

9 Kommentare

andreas furrer

20.08.2010, 22:44 Uhr
Melden

lieber bruno v. nünlist. also das mit der pause von beethoven, dem investmentbanking und frau sommaruga scheint mir eine etwas gewagte traverse. in der regel gilt: "schuster bleib bei deinen leisten". Antworten


bruno v. nünlist

20.08.2010, 07:04 Uhr
Melden

@andreas furrer: Haben Sie kürzlich hier online den Artikel über den Pianisten, der lange Jahre im Investmentbanking war, gelesen? "Eine Pause bei Beethoven ist schwerer als Investmentbanking"! Businessleute und Politiker, die die Pause bei Beethoven verstehen brauchen wir (z.B. Konzertpianistin Sommaruga)! Dann würde auch Villazon nicht mehr wegen des Business verheizt! Dem ist leider nicht so... Antworten


andreas furrer

18.08.2010, 16:18 Uhr
Melden

ok, lieber bruno v. nünlist; ohne business kein grübel. bei den kollegen von der bildenden kunst ist es noch viel schlimmer - stichwort anker - , von walser&co spreche ich schon gar nicht. Antworten


Bruno v. Nünlist

17.08.2010, 16:09 Uhr
Melden

@ andreas furrer: über villazon gehe ich mit ihnen einig, wenn da das wörtchen 'wenn' nicht wär... die stimme ist leider kaputt; ein opfer des katastrophalen business, zu welchem die kunst heute verkommen ist. daran ist aber nicht villazon schuld, sondern die veranstalter, welche einen nicht mehr einladen, wenn man/frau auch nur ein einziges mal 'nein' sagt!!! "der nächste bitte", heisst es dann! Antworten


andreas furrer

16.08.2010, 16:39 Uhr
Melden

lieber bruno v. nünlist. der beste tenor war villazon und in einer rezession - kaspar sannemann - ist nun mal das publikum wichtiger als irgendwelche leistungen souveräner solisten. Antworten


Kaspar Sannemann

16.08.2010, 08:04 Uhr
Melden

Was ist denn das für eine Rezension? Kein Wort über die Leistungen der SolistInnen, Abbado kriegt lediglich ein "souverän" - was immer das heissen mag. Dafür wird erwähnt, welche Promis im Publikum sassen. Wenn schon so billig, dann bitte nicht unter Kultur und Klassik publizieren, sondern unter Vermischtes oder Glanz und Gloria. Das haben die Künstler nicht verdient. Antworten


Bruno v. Nünlist

15.08.2010, 07:10 Uhr
Melden

Es ist traurig, dass die Schweizer Zeitungen immer mehr in 'People Journalismus' abdriften. Mich interessiert nicht, WER am Eröffnungskonzert war. - siehe auch Artikel über die Eröffnung der Bayreuther Festspiele - Mich interessiert, WIE das Konzert war, wie die Musiker unter dem famosen Claudio Abbado gespielt haben, wie die Sänger gesungen haben, u.a. der beste Tenor der Welt, Jonas Kaufmann! Antworten


andreas furrer

13.08.2010, 17:41 Uhr
Melden

lieber ruedi amsler: in lucerne spielt man noch mit den alten karten (online geht da nix). Antworten


Ruedi Amsler

13.08.2010, 13:39 Uhr
Melden

Das Festival ist super, doch sein Kartensystem zum Onlinekauf ist eines der schlechtesten! Antworten



Kultur

Populär auf Facebook Privatsphäre

Bestenlisten

Kino
Kinoeintritte Schweiz

26. Januar 2012- 01. Februar 2012

1.1Intouchables64'262
2.neuThe Descendants18'860
3.2The Girl With The Dragon Tattoo16'439
4.44Jack And Jill16'133
5.32Man On A Ledge13'482
Mehr
Musik
Schweizer Hitparade

19.Dezember 2011 - 25.Dezember 2011

1.221, Adele
2.1Lioness; Hidden Treasures, Amy Winehouse
3.6Christmas, Michael Bublé
4.3Imaginaerum, Nightwish
5.5Made In Germany 1995-2011, Rammstein
Mehr
Bücher
Bestseller

6.Februar 2012 - 12.Februar 2012

1.1Das Alphabethaus, Jussi Adler-Olsen
2.2Aleph, Paulo Coelho
3.3Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Jonas Jonasson
4.4Sündige Gier, Sandra Brown
5. WEVom Ende einer Geschichte, Julian Barnes
Mehr

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Frühlingsdeko
homegate Lassen Sie jetzt schon den Frühling ins Haus. Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie ein Wochenende am Blausee für 2 Personen...

Jobsuche

Jobs, in die man sofort wechseln will!

Jobsuche

Jobs, in die man sofort wechseln will!