Luzern lockt Roberto Benigni bis Oswald Grübel
Aktualisiert am 13.08.2010 9 Kommentare
Erfolgreicher Festivaldirektor: Michael Haefliger. (Bild: pd)
Lucerne Festival im Sommer
Bis 18. September.
Programm: www.lucernefestival.chLink
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Die Bundesräte Didier Burkhalter und Moritz Leuenberger waren gestern an der Eröffnung des wichtigsten Klassikfestivals der Schweiz dabei, ebenso wie die Wirtschaftsvertreter Rainer E. Gut (Credit Suisse), Fritz Gerber (Roche) oder Oswald Grübel (UBS). Aus der Kultur warteten der italienische Filmregisseur Roberto Benigni, der Schauspieler Bruno Ganz und der Theologe Hans Küng auf.
Nike Wagner, Urenkelin von Richard Wagner und Leiterin des Kunstfestes Weimar, blickte in ihrer Eröffnungsrede auf die Erscheinungen und Wandlungen des Eros, dem Festivalmotto, in den letzten drei Jahrtausenden zurück - von den Griechen über das Christentum und die Aufklärung bis zur «zeitgenössischen Abkühlung des Eros».
«Liebesgeschichten, Liebespaare», so Wagner, «bevölkerten seit ihren Anfängen das musikalische Theater, aber auch Instrumentalmusik und Liederzyklen sind ohne erotische Inspiration nicht denkbar.» Musik sei denn auch zur Darstellung von Emotionen besonders befähigt.
Kult der Körperlichkeit
Heute bestimmt nach Ansicht der Festrednerin Körperlichkeit die musikalische Szene, massiv über Pop und Rock. Aber auch die «hochkulturelle» Ebene erobere sich den Bezug auf Körperlichkeit zurück - über Experimente der Klangkunst und ihren Kult der Wahrnehmung durch Körper und Haut.
Bezüglich «Fidelio» meinte Wagner, darin werde mit den Erregungsstrategien der Musik die Ehe gefeiert: Inbegriff der Gesittung der Triebe, aber - angesichts der Scheidungsraten - vielleicht ein Traum. Doch dürfe man sich dem Traum vom gebändigten Eros ruhig hingeben, er werde einen doch immer zu treffen wissen.
Und das Publikum der Festivaleröffnung gab sich denn auch prompt dem Eros von «Fidelio»-Interpretation hin und feierte die hochkarätige Interpretation. Unter der souveränen Leitung von Claudio Abbado sang der Arnold Schoenberg Chor, spielten das Mahler Chamber Orchestra und das Lucerne Festival Orchestra.
«Fidelio» halbszenisch
Für die Inszenierung der Beethoven-Oper, in der Gattenliebe über Tyrannei und Terror siegt, liess Claudio Abbado der Regisseurin Tatjana Gürbaca freie Hand. Schon ausserhalb des Konzertsaales konfrontierte sie das Publikum mit einer «Klagemauer»: zahlreiche Porträts mit ausgekratzten Augen.
Im Konzertsaal selbst brachte eine grosse Sonnenkugel - inspiriert von Olafur Eliassons Lichtinstallation in der Tate Moderne in London - Licht und Hoffnung ins Dunkel respektive in den Kerker, in dem Leonores Mann Florestan als politischer Häftling interniert ist.
In «Fidelio» gehe es um die Innenperspektive, um Empfindungen, so Tatjana Gürbaca. «Im Kampf mit den eigenen Schatten begegnen die Figuren ihrer inneren Stimme und lernen, ihre Träume zu formulieren.» Dieser Traum aus einer anderen Zeit sei bis heute aktuell, habe bis heute seine Gültigkeit. (rb/sda/)
Erstellt: 13.08.2010, 08:39 Uhr
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9 Kommentare
@andreas furrer: Haben Sie kürzlich hier online den Artikel über den Pianisten, der lange Jahre im Investmentbanking war, gelesen? "Eine Pause bei Beethoven ist schwerer als Investmentbanking"! Businessleute und Politiker, die die Pause bei Beethoven verstehen brauchen wir (z.B. Konzertpianistin Sommaruga)! Dann würde auch Villazon nicht mehr wegen des Business verheizt! Dem ist leider nicht so... Antworten
@ andreas furrer: über villazon gehe ich mit ihnen einig, wenn da das wörtchen 'wenn' nicht wär... die stimme ist leider kaputt; ein opfer des katastrophalen business, zu welchem die kunst heute verkommen ist. daran ist aber nicht villazon schuld, sondern die veranstalter, welche einen nicht mehr einladen, wenn man/frau auch nur ein einziges mal 'nein' sagt!!! "der nächste bitte", heisst es dann! Antworten
Was ist denn das für eine Rezension? Kein Wort über die Leistungen der SolistInnen, Abbado kriegt lediglich ein "souverän" - was immer das heissen mag. Dafür wird erwähnt, welche Promis im Publikum sassen. Wenn schon so billig, dann bitte nicht unter Kultur und Klassik publizieren, sondern unter Vermischtes oder Glanz und Gloria. Das haben die Künstler nicht verdient. Antworten
Es ist traurig, dass die Schweizer Zeitungen immer mehr in 'People Journalismus' abdriften. Mich interessiert nicht, WER am Eröffnungskonzert war. - siehe auch Artikel über die Eröffnung der Bayreuther Festspiele - Mich interessiert, WIE das Konzert war, wie die Musiker unter dem famosen Claudio Abbado gespielt haben, wie die Sänger gesungen haben, u.a. der beste Tenor der Welt, Jonas Kaufmann! Antworten
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andreas furrer
lieber bruno v. nünlist. also das mit der pause von beethoven, dem investmentbanking und frau sommaruga scheint mir eine etwas gewagte traverse. in der regel gilt: "schuster bleib bei deinen leisten". Antworten