Kultur
Hochgefühle auf Knopfdruck
Aktualisiert am 02.04.2012 14 Kommentare
Viva Verdi
Die Opernshow «Viva Verdi» wird vom 13. bis zum 15. Dezember 2012 im Hallenstadion aufgeführt.
Verdi-Handbuch, Anselm Gerhard und Uwe Schweikert (Hrsg.), ISBN 978-3-476-02377-3. 746 Seiten, 31.90 Franken. Neuauflage erscheint im Juni.
Verdi-Handbuch
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Allenthalben hängen sie derzeit in Zürich, die Verdi-Plakate. Sie werben bereits heute für die bombastische Show «Viva Verdi» im Hallenstadion, die im Dezember auf das voraussichtlich nicht minder bombastische Verdi-Jahr 2013 einstimmen wird.
Die Plakate zeugen von der enormen Bekannt- und Beliebtheit Giuseppe Verdis (1813-1901). Opern wie «La Traviata», «Aida», «Nabucco» und «Don Carlos» sind Gassenhauer; ihre Melodien kennt (fast) jeder aus Funk, Film und Werbung. Frisch in Erinnerung sind noch die vom Schweizer Fernsehen mit grossem Aufwand und Quotenerfolg produzierten Aufführungen von«La Traviata» im Zürcher HB und «Aida» in Basel.
«Pizza und Pasta»
Verdi ragt mit seiner Popularität aus der Reihe berühmter Opernkomponisten heraus. Wagner ist vielen zu ermüdend und suspekt, Beethoven zu grimmig, Schönberg zu verkopft. Einzig Mozart verfügt heute noch über eine ähnliche Attraktivität – doch unterscheidet sich Verdi vom filigranen Österreicher nicht zuletzt durch eine gewisse Italianità. «Sonne, ‹bella figura› und grosse Gefühle», dafür stehe Verdis Musik, sagt Anselm Gerhard, Professor des Musikwissenschaftlichen Instituts der Uni Bern und Mitverfasser des «Verdi-Handbuchs», gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Dieses nonchalante Image sei in Wechselwirkung mit der kommerziellen Verwertung entstanden, werde doch «Fernsehwerbung für Pizza und Pasta» zuverlässig mit Verdis Melodien unterlegt.
Verdis phänomenale Popularität habe aber noch weitere, existenzielle Gründe. «Seine Melodien sind in ihrer Gestik so genau, das sie uns sehr viel über die Hintergründe der Figuren verraten, ohne das wir uns dessen bewusst werden», so der Professor. Verdi bringe sehr genau und verständlich auf den Punkt, was zwischen zwei Menschen ablaufe, «zwischen Mächtigen und Ohnmächtigen, zwischen Mann und Frau, zwischen Zynikern und Verzweifelten».
Ein Dirigent habe Verdi mal als «SMS-Komponisten» bezeichnet, sagt Gerhard, der Italiener sei geradezu ein «Fanatiker der möglichst knappen Aussage» gewesen.
«Wie die Beatles und Rolling Stones zusammen»
Auf Verdis meisterhafte Konzentration von Emotionen setzt auch Heinrich Nüssli, Co-Produzent der besagten Hallenstadion-Show «Viva Verdi». «Verdi ist wie die Beatles und Rolling Stones auf einmal», schwärmt Nüssli, der bereits seit 30 Jahren als Bühnenbauer Opern an verschiedensten Orten der Welt inszeniert. Dank seiner Ohrwürmer sei Verdi zu Recht zu einem der beliebtesten Italiener seiner Zeit avanciert.
Ohrwürmer, die sich auch heute noch, über hundert Jahre nach ihrer Schöpfung, hartnäckig in den Gehörgängen festsetzen. Bei Produktionen ausserhalb der Opernhäuser ziehe kein Komponist so gut wie Verdi, konstatiert Nüssli. Und so hofft er, für seine Mega-Show (knapp 200 Künstler, Budget: drei Millionen Franken) einmal mehr von der Anziehungskraft Verdis profitieren zu können – «auf dass das Volk zur Oper komme!» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.04.2012, 15:42 Uhr
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14 Kommentare
Inszenierungen im Bahnhof, im Fussballstadion oder Hallenstadion sind eben für Kino und Fernsehpublikum. Die wollen "Show" haben und denen ist das egal ob da Pop oder Pseudo-Klassik kommt. Als Opern-Besucher käme es mir nie in den Sinn eine Oper aus Verstärkeranlagen zu besuchen. Dass dadurch Leute dann in die Oper gehen, ist eine Illusion. Diese Masche haben schon andere erfolglos versucht. Antworten
Giuseppe Verdis Opern haben – wie andere Opern auch – seelische und geistige Tiefe. Die Opernshows in Stadien, Hallen oder Bahnhöfen machen daraus oberflächliche Events für ein Publikum, dass Kultur mit Fun verwechselt. Aus Kunst wird Kommerz. Schade um die Oper. Antworten




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