Geigerin droht Strafe von über einer halben Million Franken
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 26.04.2010 221 Kommentare
Patricia Kopatchinskaja
Die Musikerin wurde 1977 in der Republik Moldau geboren, mit 12 Jahren emigrierte Kopatchinskaja mit ihrer Familie nach Wien und erlangte die österreichische Staatsbürgerschaft. Ihre musikalische Ausbildung genoss sie unter anderem am Konservatoriom von Bern, wo sie im Jahr 2000 diplomierte. Seither ist sie als Solistin vor allem in Europa sehr erfolgreich. Kopatchinskaja lebt mit ihrer Familie in Bern.
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Am Samstag wurde Violinistin Patricia Kopatchinskaja bei der Einreise von Zollbeamten stundenlang festgehalten und ihre 4,5 Millionen Franken teure Violine beschlagnahmt – obwohl das Instrument gar nicht ihr gehört, sondern eine Leihgabe der Österreichischen Nationalbank ist. Nun kommt noch mehr Ungemach auf die in Bern wohnhafte Moldauerin zu: Nicht nur bleibt die 1741 von Guarneri del Gesù erbaute Geige vorerst in Zollgewahrsam, auch wird ein Strafverfahren gegen die Musikerin eingeleitet, wie das Zollinspektorat gegenüber DerBund.ch/Newsnet erklärt. «Frau Kopatchinskaja hat Waren nicht angemeldet, deshalb müssen wir diese Massnahme ergreifen», sagt Daniel Tschudin, stellvertretender Zollinspektor am Zürcher Flughafen.
Keine Ausnahme für Spitzenmusikerin
Kopatchinskaja droht eine Strafe von maximal dem eineinhalbfachen Abgabebetrag, was in ihrem Fall mehr als eine halbe Million Franken ausmachen würde. «Dies ist allerdings nur der gesetzlich vorgesehene Höchstbetrag, in ihrem Fall dürfte es deutlich weniger werden», so Tschudin. Bei der Einfuhr in die Schweiz werden waren im Wert von über 300 Franken mit 7,6 Prozent des Wertes besteuert, bei Kopatchinskaja wäre also ein Abgabe von rund 400'000 Franken fällig gewesen. Dass es sich bei dem Instrument um eine Leihgabe handle, spielt gemäss Tschudin keine Rolle. Allerdings gibt es Ausnahmeregelungen, zum Beispiel bei einer vorübergehenden Verwendung. «Egal ob eine Ausnahmeregelung zum Zug gekommen wäre, Kopatchinskaja hätte das Instrument deklarieren müssen», sagt Tschudin.
Der Ehemann Kopatchinskajas, der frühere Berner Nationalrat Lukas Fierz, sagte in der «NZZ am Sonntag», seine Frau habe alle nötigen Papiere zur Klärung der Besitzverhältnisse vorgelegt. Er hat eine Beschwerde an die Oberzolldirektion mit Kopie an Bundesrat Hans-Rudolf Merz geschrieben. Das österreichische Aussenministerium habe bereits von dem Vorfall erfahren und erzürnt reagiert. Das Schweizer Zollinspektorat beeindruckt das alles nicht. Die Geige könne erst freigegeben werden, wenn ein Depot in der Höhe der mutmasslichen Zollabgabe hinterlegt werde, also rund 400'000 Franken. «Der Fall wird jetzt von der Zollfahndung weiterbearbeitet», so Daniel Tschudin. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.04.2010, 14:01 Uhr
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221 Kommentare
ich gehe mit allen SchreiberInnen einig, die diese Haltung kleinlich finden. Frau Kopatchinskaja ist mutig und trägt dieses wertvolle - ihr ausgeliehene - Instrument persönlich in die Schweiz, wohl um an einem Konzert IN DER SCHWEIZ besonders schön spielen zu können. Der Umgang mit "Sans papiers" dehnt sich auf Instrumente aus. Schade! Antworten
Herr Tschudin gehört suspendiert, denn ihm fehlen die Fachkenntnisse, und zweitens verschleudert er mit seiner Zollfahndung Steuergelder. Auch ich wurde schon am Zoll festgehalten, weil ich im Reisekoffer zwei Bestecke mitführte und der Zoll, diese umgehend als Silber identifizierte. Erst die Prägung "Stainless Steel" zeigte Wirkung. Antworten
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