Eindringling in die heiligen Häuser
Aktualisiert am 24.08.2010 11 Kommentare
Der Tenor als Popstar: Andrea Bocelli ertastet seinen Stern auf dem Walk of Fame in Los Angeles. (Bild: Keystone )
Andrea Bocelli und die Sesamstrasse
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Ohne Stirnrunzeln oder Spott kann niemand, der sich einen Opernkenner nennt, über den blinden Tenor Andrea Bocelli sprechen. Er, der Millionen von Tonträgern verkauft hat, gehört in dieselbe Kategorie wie Walzerkönig André Rieu: Von der breiten Masse geliebt, von Kennern zutiefst verschmäht. Anders als Rieu schafft es Bocelli aber immer wieder in grosse Opernhäuser, zwar nicht als Mitwirkender einer Oper, aber doch für einen Liederabend.
Als Bocelli 2005 am Zürcher Opernhaus auftrat, meinte der Kritiker der NZZ: «Er stützte seinen Tenor beim Aufstieg in die Höhe wenig und verfügte über ein eher rudimentäres Legato; vor allem aber vermochte er den Ton nicht so in den Resonanzräumen seines Körpers zu placieren, dass sich Wärme, Rundung und ausladende Tragkraft entwickelt hätten.»
«Dilletantisch»
Die Kritikerin des «Tages-Anzeigers» war noch einiges härter: «Kann man sich hier ein Konzert leisten, das dilettantisch ist bis zum Engagement einer Blattwenderin, die vom Pianisten Carlo Bernini mehrfach korrigiert werden musste?» Zu seiner Stimme: «Eine Spielverderberin, wer da die dünne hohe Lage moniert oder ein bedenklich instabiles Vibrato, wer die mit brachialer Gewalt herausgestemmten Schlusstöne kritisiert oder Bocellis Unfähigkeit, diese Töne irgendwie zu gestalten.» Das Publikum war anderer Meinung und dankte dem Tenor mit Standing Ovations.
Im Februar tritt Bocelli an der grossen Metropolitan Opera in New York auf. In den USA löst dies bei den Kritikern weniger Entrüstung aus als Spott. So meint «New York Times»-Kritiker Dave Itzkoff in Anspielung auf einen Auftritt Bocellis mit den Puppen der Sesamstrasse, die Puppen würden ihn dieses Mal nicht begleiten. Die Puppen bringt er los, den Spott der Kritiker nicht. Das dürfte Bocelli egal sein, solange er die Massen weiterhin auf seiner Seite hat. (rb)
Erstellt: 24.08.2010, 11:41 Uhr
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11 Kommentare
Bocellis Gesang wird von der Melodie im Background getragen. Ein richtiger Tenor braucht gar nichts ausser sich selbst. Es ist beruhigend zu sehen, dass die Leichtigkeit des Seins nach dem Einzug in den Journalismus nun auch die elitäre Oper ergreift. Gleichheit für alle! Antworten
Die Besucher wissen was sie erwartet. Und die meisten Konzerte sind nicht perfekt. Ob Klassik, Oper, Pop, Rock, Ländler usw. Bei Ritchie Blackmore wusste man nie ob er mit Deep Purple mitspielen mochte. ZZ Top spielen nur max 1.25 Stunden. Kirk Hammet verhaut an jedem Metallica Konzert seine Solis. Bei AC/DC bekommt man gar keine Tickets. Antworten
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