Ein Startenor kämpft mit der Stimme
Von Christoph Lindenbauer, APA. Aktualisiert am 16.08.2010 10 Kommentare
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Rolando Villazón kämpft nach wie vor mit seiner Stimme. Nach fünfmonatiger Bühnenpause 2007 und einer Stimmbandoperation 2009 hat der quirlige Mexikaner – allen umjubelten Comebacks zum Trotz – bei weitem noch nicht zu seiner alten Klasse zurückgefunden.
Im Gegenteil: An einem Liederabend bei den Salzburger Festspielen präsentierte sich Rolando Villazóns Stimme in einem besorgniserregenden Zustand. Das Grosse Festspielhaus war bis auf den letzten, zusätzlich auf die Bühne gestellten Sitzplatz voll besetzt. Villazóns Fan-Kreis ist gross und treu.
Aber der Funke sprang am Sonntag nicht über. Der kurze Liederabend endete mit freundlichem Applaus, aber ohne eine einzige Zugabe. Die hätte Villazón vermutlich auch gar nicht mehr geschafft. Eigentlich sollte der 38-jährige Sänger mit Schumanns «Dichterliebe» beginnen.
Nach der Pause waren erst französische Lieder von Komponisten wie Massenet und Faure geplant und dann die spektakulär-wirkungsvollen Fernando-Obradors-Lieder. So stand es im Programm. Nach diesem mexikanischen Doppel mit tenoreskem Glanz wären Zugaben naheliegend und unvermeidlich gewesen.
Peinliche Aussetzer
Kurzerhand aber drehte Villazón das Programm um und sorgte vor der Pause für ein paar wenige Momente mit jenem süffigen Schmelz, für den das Publikum die Kassen stürmt. Nach der Pause aber konnte er Schumanns Zyklus nur noch mit knapper Not über die Distanz retten.
Klangliche Grundfarbe und musikalische Ausdruckskraft dieses herausragend begabten Musikers sind nach wie vor fantastisch. Aber nur in den bequemen Lagen. Sehr schnell muss Villazón Druck auf die Stimme geben, in der Mittellage geht ganz wenig, und auch die Spitzentöne sind ihm am Sonntag deutlich hörbar weggebrochen.
Rolando Villazón wirkte wie ein Fussballer, der einst Spiele entschied und jetzt immer wieder peinliche Fehlpässe schlägt. In der «Dichterliebe» versuchte der angeschlagene Startenor mit verschliffenen Lagenwechseln zu retten, was zu retten war.
Verzweiflungstat
Statt die am Heine-Text orientierte Poesie plastisch zu gestalten, driftete Villazón ins Sänger-Klischee und gab einen Schumann mit der Volksfest-Lässigkeit einer neapolitanischen Schmetterei. Nur dass er dafür keine Stimmkraft mehr hat. Pianist Gerold Huber versuchte, Villazón behutsam den Rücken zu stärken.
Aber es half nichts. Villazóns Liederabend war eine Verzweiflungstat. Zu raten ist Rolando Villazón schwer etwas. Zu wünschen ist ihm, dass er die Balance findet für die Belastbarkeit seines Wesens und seiner Stimme. Er würde fehlen in der Musikwelt. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.08.2010, 12:55 Uhr
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10 Kommentare
Sicher ist, dass die internationale Presse eine wahre Freude daran hat, Villazón die Karriere vollends kaputt zu machen. Das ist schon der zweite negative Artikel in dieser Zeitung, innert einer Woche! Lassen Sie doch Herrn Villazón in Ruhe singen, so gut er es immer noch kann. Antworten
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