«Diese Summe ist ja unglaublich! Und das allein in Zürich?»
Von Linus Schöpfer. Aktualisiert am 08.12.2011 172 Kommentare
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Ein Grossteil der Leser befürwortete eine Subventionskürzung, 80 Prozent bejahten die Frage «Sind 80 Millionen Franken Subvention pro Jahr zu viel?». Daneben fanden sich allerdings auch zahlreiche Kommentatoren, die engagiert für die Subventionen eintraten.
I Die Überraschten Verschiedene Leser waren bass erstaunt ob der 80 Millionen, die der Kanton der Oper jährlich auszahlt.
«Wie um alles in der Welt ist dies zu rechtfertigen?», fragte Jan Felix stellvertretend für eine grosse Zahl Kommentatoren. «Die Street-Parade hat an einem Tag übrigens dreimal mehr Besucher als das Opernhaus in einem Jahr!»
Ähnlich überrascht gab sich Sandra Kaufmann: «Diese Summe ist ja unglaublich! Das wusste ich bis jetzt nicht. Und das allein in Zürich? Für eine altbackene Kultur, die meist nur von ein paar Gutbetuchten gehätschelt wird?»
«78 Millionen pro Jahr? 78 MILLIONEN??? Was machen denn die mit dem Geld?», fragte Markus Hugentobler.
II Die Abschaffer Ein paar wenige Leser sprachen der Oper die Existenzberichtigung vollständig ab. «Die Oper ist absolut unsinnig», meinte etwa Markus Gautschi.
III Die Klassenkritiker Eine Gruppe der Subventionskritiker fühlte sich in ihrer bisherigen Meinung bestärkt. Die Oper sei ohnehin nur eine Angelegenheit für Gutbetuchte und müsse folglich nicht subventioniert werden.
«Der elitäre kleine Kreis, den diese Randgruppenkultur anspricht, kann es sich selber leisten, die Subventionen zu bezahlen und auch mal 500 Franken oder mehr für ein Ticket hinzulegen. 80 Millionen sind einfach nur ‹bireweich›», meinte Max Marillo.
Gleicher Meinung war Alex Bötschi: «Vor allem sind es Operngänger, welche sich den Spass selber finanzieren könnten. Sie haben ja auch die Anzüge, Krawatten, Abendkleider und SUVs finanzieren können.» Auch Claudia Meier sagte: «Oper war immer nur für die Betuchten. Soll halt einer seinen Porsche verkaufen.»
IV Die Marktwirtschaftler Zahlreiche Leser folgten der marktwirtschaftlichen Argumentation Wolf Lotters: Die Institution Oper solle ihre Kosten selber tragen.
Ein Leser namens Peter Pani sagte: «Die Oper in Baden-Baden benötigt keine Subventionen und hat das bessere Programm. Es ist übrigens das grösste Festspielhaus Europas mit circa 2500 Sitzen. Da wird keine Misswirtschaft betrieben.»
Pater Rothofer pflichtete bei: «Ich bin sicher, dass eine Oper ohne Subventionen (oder entsprechend dem Schauspielhaus) ein vernünftiges Programm bieten kann.»
Gleicher Meinung war André Hafner. «Die Oper sollte sich selbst finanzieren. Wenn deren Publikum nicht bereit ist, marktgerechte Preise für sein Vergnügen zu bezahlen, dann geht sie halt ein», sagte er.
V Die Relativierer Viele Subventionsbefürworter meinten, dass der Staat für zweifelhaftere Dinge Geld ausgebe als für Opernkunst. Vor allem genannt wurden dabei die Bauern, Fussballklubs und Kampfjets.
«Wenn schon die extrem kleine Minderheit der Bauern mit Milliarden subventioniert wird, dann ist es auch gerechtfertigt, dass die Minderheit der Opernfans ein paar Millionen bekommt», sagte etwa Herbert Berger.
Walter Niedermeyer pflichtete ihm bei: «Wer Milliarden für Fliegerli ausgibt, der muss nicht ausgleichsweise an der Kultur herumdoktern.»
VI Die Qualitätsverfechter Ein Grossteil jener Leser, die die staatlichen Zuschüsse befürworteten, war überzeugt, dass eine rein privatwirtschaftlich organisierte Oper deutliche Qualitätseinbussen in Kauf nehmen müsste.
«Natürlich kann oder muss man jede Ausgabe stets kritisch hinterfragen, doch wäre es geradezu ein Verbrechen, streng neoliberal zu verlangen, dass Kultur sich selbst finanzieren muss», sagte Thomas Wirt.
Alfred Christen betonte die Qualität und die Ausstrahlung der heutigen, subventionierten Oper: «Das, was das Opernhaus Zürich mit seinen Weltsolisten verglichen mit Basel bietet, ist doch der Beweis einer echten Kulturstadt mit sehr grossem Weltruf.»
Auch Walter Niedermeyer wollte von einer rein marktwirtschaftlichen Lösung nichts wissen: «Wenn wir alle Kultur der freien Wirtschaft überlassen, dann bekommen wir nur noch Mainstream zu sehen.»
VII Die Klassik-Apologeten Eine kleine Gruppe schliesslich hob die Bedeutung der Klassik an sich hervor; diese Musikform sei besonders fördernswert. So sagte Peter Vogler: «Es sind doch nicht die Klassik- und Opernliebhaber schuld, dass viele andere sich in ihren musikalischen Vorlieben seit der Pubertät nicht weiterentwickelt haben.»
Bruno Vittorio Nünlist erklärte seine Bevorzugung der Klassik wissenschaftlich: «Laut Gehirnforschungsstudien unter anderem der ETH regt klassische Musik, idealerweise auch die Beschäftigung damit, sämtliche Gehirnregionen an; die Popmusik nur das Zentrum der Emotionen im Gehirn. Der Rest verblödet.»
Linus Luchs meinte, dass Opern einen unermesslichen kulturellen Wert darstellen. Das sah auch Fernand Longis so: «Die Oper gehört zu dem, was die westliche Kultur an Höchstleistungen hervorgebracht hat, und wird wie zum Beispiel Michelangelos Werk niemals einfach ‹ausgedient› haben. Ihre Bedeutung misst sich nicht an der Anzahl Besucher.»
Fazit: Die Zürcher Oper scheidet die Geister. Die Polarisation verblüfft, und die Vielfalt der vorgebrachten Argumente – sowohl seitens der Subventionsgegner wie auch der -befürworter – ist bemerkenswert. Andreas Homoki, der nächstes Jahr die Nachfolge von Alexander Pereira als Intendant antreten wird, darf sich auf ein lebendiges Arbeitsumfeld freuen.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.12.2011, 10:20 Uhr
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172 Kommentare
Warum der Staat 80 Mio für eine Institution ausgibt, die vor allem die reichen Leute der Goldküste frequentieren, um sich dort zu präsentieren, dies frage ich mich schon seit 40 Jahren. Musicals und Popkonzerte sind auch Kultur, hier zahlt der Staat aber gar nichts! Diese Opernbesucher sollen die Kosten selber bezahlen; sie können es sich leisten. "Arme" Leute erhalten dann Einzelverbilligungen. Antworten
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