Kultur

Der Zoll vergeigts – oder lässt einen Flügel in die Luft fliegen

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 26.04.2010

Zollbeamte haben das wertvolle Instrument der Violinistin Patricia Kopatchinskaja beschlagnahmt. Dies ist nicht der erste Zwischenfall mit teuren Instrumenten. Einmal wurde gar ein Steinway-Flügel gesprengt.

1/4 Ihre wertvolle Geige wurde vom Zoll beschlagnahmt: Patricia Kopatchinskaja.
pd

   

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Die weltbekannte Violinistin Patricia Kopatchinskaja kann es kaum fassen. Ihr Instrument, eine 1741 von Guarneri del Gesù erbaute Violine im Wert von 4,5 Millionen Franken wurde vom Zoll am Zürcher Flughafenwegen angeblich fehlender Papiere beschlagnahmt. Die in der Schweiz wohnhafte Musikerin macht sich Sorgen um ihr Instrument. Auf «TeleZüri» äusserte sie Bedenken, dass die Zollbeamten fachgerecht mit der Geige, eine Leihgabe der Österreichischen Nationalbank, umgehen können.

Zwischenfälle mit teuren Instrumenten gibt es immer wieder – obwohl Musiker auf ihre wertvollen Arbeitsinstrumente in der Regel so gut aufpassen wie auf einen Koffer voller Geld. Spektakulär ist der Fall des exzentrischen Pianisten Krystian Zimerman. Kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde sein wertvolles Steinway-Piano vom amerikanischen Zoll konfisziert und gesprengt. Der Leim erschien den Beamten verdächtig. Seither reist Zimerman nur noch mit dem mechanischen Innern seines Pianos in die USA, das er vor Ort in eine Steinway-Hülle einbaut. Als er im Jahr 2006 einen neuen Versuch unternahm, sein eigenes Klavier in die USA mitzunehmen, beschlagnahmte der amerikanische Zoll es prompt für fünf Tage.

Geige zu Kleinholz gemacht

In der Regel sind es aber nicht Zollbeamte, die unsachgemäss mit teuren Instrumenten umgehen, sondern die Musiker selbst. 2008 sorgte der Violinist Philippe Quint für Schlagzeilen, als er seine 4 Millionen Dollar teure Stradivarigeige (Baujahr 1723) eines Morgens in einem New Yorker Taxi vergessen hatte. Das Instrument blieb einen halben Tag lang unbemerkt auf dem Rücksitz des Taxis liegen. Quint konnte das Instrument am Abend unter Freudentränen beim Taxifahrer abholen.

Weniger glimpflich ging ein Missgeschick des jungen Geigenvirtuosen David Garrett aus. 2008 stürzte er nach einem Konzert in London und zerstörte dabei seine rund eine Million Franken teure Giovanni-Battista-Guadagnini-Geige aus dem Jahr 1772. Er war ausgeglitten und hatte beim Fall seinen Geigenkasten eingedrückt, das Instrument ist dabei fast vollständig zu Bruch gegangen.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2010, 11:37 Uhr

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