Kultur

Das Berner Symphonieorchester hat Publikum verloren

Von Brigitta Niederhauser. Aktualisiert am 26.01.2012

Weniger Besucher und ein Defizit von mehr als 100 000 Franken: Das ist die Bilanz der letzten Saison des BSO vor seiner Fusion mit dem Stadttheater.

Die Bilanz des Berner Symphonieorchesters ist weniger rosig als erwartet.

Die Bilanz des Berner Symphonieorchesters ist weniger rosig als erwartet.
Bild: Manu Friederich

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«Das BSO ist auf Kurs», verkündete stolz Guy Jaquet, Präsident der Stiftung Berner Symphonieorchester (BSO), im April 2011 bei der Präsentation des BSO-Spielplans 2011/2012. Schwarze Zahlen wurden vermeldet sowie ein Bilanzgewinn von 181 000 Franken. Wie die «Berner Zeitung» gestern meldete, war die Bilanz weit weniger rosig. Betrug doch das operative Defizit 377 209 Franken.

Warum damals von einem Bilanzgewinn gesprochen werden konnte, erklärt Hans Lauri, seit Juli 2011 Präsident der Stiftung Konzert Theater Bern (KTB), folgendermassen: «Ende Saison 2008/2009 konnte das BSO erhebliche finanzielle Reserven aus früheren Jahren ausweisen. Der Stiftungsrat setzte auf einen Ausbau des Marketings und hoffte, so die Besucherzahlen erhöhen zu können.» Dafür sei man auch bereit gewesen, ein Defizit in Kauf zu nehmen. So war es möglich, trotz eines operativen Defizits von 377 209 Franken einen Bilanzgewinn von 181 000 Franken ausweisen. Die Strategie des Stiftungsrates ist allerdings nicht aufgegangen. Vielmehr hat das BSO in der letzten Saison Zuhörerinnen und Zuhörer verloren: In der Saison 2009/2010 wurden die 64 Konzerte noch von 43 095 Zuhörern besucht, die 67 Konzerte der Saison 2010/2011 dagegen verzeichneten gut 1000 Zuhörer weniger (41 850) und eine Auslastung von 72 Prozent.

Diese Entwicklung bescherte dem BSO in seiner letzten Saison vor der Fusion mit dem Stadttheater ein operatives Defizit von 299 287 Franken. Um auch dieses zu decken, reichten die Reserven der früheren Jahre nicht mehr aus und es gelang dem Stiftungsrat nicht, die Ära BSO mit einer ausgeglichenen Rechnung abzuschliessen. Wer nun den Bilanzverlust von mehr als 100 000 Franken übernimmt, steht noch nicht fest. Lauri hofft, dass Kanton, Stadt und Regionsgemeinden wie beim Defizit des Stadttheaters dafür aufkommen werden, damit die neue Organisation KTB nicht mit Schulden starten muss.

Gawriloff hört Ende Januar auf

Für den Publikumsrückgang ortet Lauri verschiedene Gründe: «Der Konkurrenzdruck wächst, andere Spielstätten in Zürich, Basel und Luzern sind in immer kürzerer Zeit erreichbar, und jüngere Menschen für einen Konzertbesuch zu begeistern, wird immer schwieriger.» Anders als private Konzertanbieter müsse das BSO gemäss Leistungsauftrag eine breite Musikpalette von der Vorklassik bis zur Neuzeit anbieten, was nicht immer goutiert werde.

Gestern wurde weiter bekannt, dass Matthias Gawriloff bereits auf Ende Januar 2012 aus der operativen Übergangsleitung von Musik Theater Bern ausscheidet. Bereits vor einem Jahr war entschieden worden, das Arbeitsverhältnis mit dem BSO-Direktor bis Juli 2012 zu befristen. Sein plötzlicher Abgang wird vermutlich mit Xavier Zuber, dem neuen Leiter der Sparte Musik, zu tun haben. Gawriloff, ein vehementer Gegner der Fusion mit dem Stadttheater, war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Ob er bereits eine neue Stelle in Aussicht hat, ist nicht bekannt. Bis Ende Juli steht er – bei vollem Lohn – als Berater der neuen Organisation Konzert Theater Bern zu Verfügung. (Der Bund)

Erstellt: 26.01.2012, 10:39 Uhr

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