Von Almodóvar bis Carla Bruni
Von Florian Keller. Aktualisiert am 11.05.2011 1 Kommentar
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Heute Abend an der Croisette schlägt es «Mitternacht in Paris». So heisst der neue Film von Woody Allen, der heute die 64. Filmfestspiele in Cannes eröffnet. Und die grosse Frage wird lauten: Wie lange spielt SIE mit? Denn «Midnight in Paris» ist der Film mit Präsidentengattin Carla Bruni in einer Nebenrolle. Weniger freudig dürfte das Ehepaar Sarkozy einer anderen Premiere entgegenblicken: Der französische Spielfilm «La conquête», der ausser Konkurrenz in Cannes läuft, schildert Nicolas Sarkozys Weg an die Macht, bis zum Ende seiner Ehe mit Cécilia.
Aber reden wir von der Kunst. Der Wettbewerb um die Goldene Palme liest sich wieder einmal wie ein Klassentreffen des Autorenfilms: Pedro Almodóvar, Aki Kaurismäki, Nanni Moretti und Lars von Trier, dazu Terrence Malick, der Eremit von Hollywood. Bei Almodóvar spielt Antonio Banderas einen Schönheitschirurgen, der nach dem Vergewaltiger seiner Tochter fahndet, Aki Kaurismäki versammelt ein multikulturelles Ensemble in der französischen Hafenstadt Le Havre, und bei Nanni Moretti lässt sich Michel Piccoli widerwillig zum Papst wählen. Lars von Trier droht mit der Apokalypse, und bei Terrence Malick blendet Sean Penn zurück in seine Kindheit, mit Brad Pitt in der Rolle des Vaters.
Das Tagebuch von Jafar Panahi
Im Schatten dieser grossen Herren ist in Cannes ein bescheidener Rekord zu verbuchen: Nachdem der letztjährige Wettbewerb reine Männersache war, sind nun immerhin vier Frauen im Rennen, darunter Lynne Ramsay aus England und Maïwenn, die Schwester der französischen Schauspielerin Isild Le Besco. Erst einmal wurde eine Frau mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, das war die Neuseeländerin Jane Campion, 1993 für «The Piano».
Ein letzter Beitrag wurde übrigens erst vor wenigen Tagen ausser Konkurrenz ins Programm geschmuggelt – und zwar buchstäblich. Der Film heisst «This Is Not a Film», und der Titel könnte von Magritte sein, aber in der Ironie lauert existenzielle Not. Denn der Film, der keiner sein darf, ist ein klandestin gedrehtes Tagebuch des berühmtesten politischen Gefangenen des Weltkinos: Der Iraner Jafar Panahi, zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt für einen Film, den er noch gar nicht gedreht hat (TA vom Donnerstag), erzählt darin von seinem Kampf gegen eine Justiz, die diesen Namen nicht verdient.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.05.2011, 13:50 Uhr
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