Kultur

Vertrottelte Gotteskrieger

Von Florian Keller. Aktualisiert am 15.04.2011 3 Kommentare

Wann haben wir letztmals über einen Selbstmordattentäter gelacht? «Four Lions» ist die Terrorsatire, auf die wir gewartet haben.

Serie von Sketches, in denen das westliche Phantasma des Gotteskriegers zur Witzfigur degradiert wird: Szene aus «Four Lions».

Serie von Sketches, in denen das westliche Phantasma des Gotteskriegers zur Witzfigur degradiert wird: Szene aus «Four Lions».
Bild: PD

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Einer von ihnen will im Namen Allahs das Internet in die Luft jagen. Ein anderer findet es gescheiter, die örtliche Moschee zu sprengen, um so die gemässigten Glaubensbrüder für den Jihad zu mobilisieren. Und ein Dritter will eine Krähe für einen Selbstmordanschlag abrichten, weil er selber noch nicht ganz reif ist für den Märtyrertod.

Wo liegt Mekka?

So sind sie, die unterbelichteten Möchtegern-Terroristen aus Sheffield, die in der britischen Kinofarce «Four Lions» ihr Unwesen treiben. Einmal fliegen sie in ein Ausbildungscamp nach Pakistan, da richtet einer von ihnen den Gebetsteppich nach Osten aus, weil er das in England so gelernt hat, dass Mekka im Osten liegt.

Selbstmordattentäter als Scherzartikel? Man braucht jetzt nicht gleich ängstlich mit Tucholskys alter Vollmacht zu wedeln, wonach Satire alles dürfe. «Four Lions», der Erstling des britischen Satirikers Christopher Morris, ist kein Film, der um jeden Preis den politisch inkorrekten Gag sucht. Trotzdem: Vor zwei Monaten hat der Film unverhofft ein wenig Gratiswerbung aus Deutschland bekommen. Ein bayrischer CSU-Politiker wollte den Film damals verbieten lassen, weil er es für zu gefährlich hielt, in deutschen Kinos eine Satire über trottelige Islamisten zu zeigen.

Brillante Dialoge

Solche alarmistischen Verlautbarungen hätte der Film gar nicht nötig. Christopher Morris zieht seine Hobby-Jihadisten zwar hemmungslos ins Lächerliche, aber folgenlos lässt er sie nicht mit Sprengstoff hantieren. Zwischen den brachialsten Scherzen lässt er in «Four Lions» raffiniert die Ambivalenzen spielen. Und zwar kompromisslos an allen Fronten: Der feurigste Gotteskrieger ist ausgerechnet ein englischer Konvertit namens Barry (Nigel Lindsay), der junge Anführer Omar (Riz Ahmed) ist ein bis ins Mark verwestlichter Familienvater, der seinen fundamentalistischen Bruder verachtet, weil der lieber betet statt Bomben legt. Und die Politik redet sich in gewundenen Argumenten aus der Verantwortung.

Ein grosser Film ist das nicht, und das Kino ist eigentlich eine Nummer zu gross für diesen filmischen Bubenstreich. «Four Lions» ist eher eine Serie von Sketches, in denen das westliche Phantasma des Gotteskriegers zur Witzfigur degradiert wird. Aber die Dialoge sind so brillant geschrieben, dass sie in den absurderen Momenten an den explosiven Nonsens von Monty Python erinnern. Und wenn Omar seinem treuherzigen Gefährten mit halsbrecherischer Logik die Gewissensbisse ausreden will, spricht er wie ein Wittgenstein auf Speed. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.04.2011, 21:28 Uhr

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3 Kommentare

herbert uhlmann

15.04.2011, 06:23 Uhr
Melden 3 Empfehlung

habe den film vor ein paar tagen in der englischen originalversion gesehen und bin begeistert - wann werden wohl wir superernsten und überängstlichen schweizer je fähig sein, einem solchen thema mit einem dermassen intelligenten, bei allem zynismus aber nie menschenverachtenden humor zu begegnen?? monthy python at his best!!! absolut empfehlenswert Antworten


adrian schneider

15.04.2011, 10:36 Uhr
Melden 2 Empfehlung

dieser film ist wirklich wärmstens zu empfehlen!!! Antworten



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