Trailerkritik: Sex und die Kamelsafari
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 24.12.2009 7 Kommentare
Der Trailer zum zweiten «Sex and The City»-Film eröffnet standesgemäss. Ein monumentaler Schriftzug in glitzernder Diamant-Optik. Wir verstehen: Glamouralarm, auf die Sonnenbrillen – aber bevor wir uns fragen können, ob das nicht sowas von Neunzigerjahre ist, schweift die Kamera ab, beziehungsweise über die Skyline des Big Apple. «Get ready», werden wir aufgefordert, worunter der eingefleischte Fan der vier labelverrückten Grosstadtnomadinnen auf der Suche nach ihrem Prinz Charming nur eines verstehen kann: Ran an den Kleiderschrank, um sich für allfällige soziale Aktivitäten wie Cocktails schlürfen, Discos besuchen oder Männer abschleppen zu wappnen. Aber wir dürfen nochmals tief durchatmen. Schliesslich handelt es sich A) nur um einen Trailer und B) ist «get ready» nur eine der üblichen Phrasen, mit denen Filmen ein Hauch von Dringlichkeit verliehen werden soll, die sich ansonsten eh niemand im Kino anschauen würde. Vor allem, wenn der erste Teil schon so kläglich war wie «Sex and The City – The Movie». Und so herzlich wenig der Trailer über den Nachfolgefilm verrät, so wird doch der Verdacht genährt, dass hier nur Reste aufgewärmt werden.
3-Wetter-Taft
«Zwei Jahre ist es her», fasst die Voice-Over-Stimme zusammen, wobei Carrie mit Pilotenbrille ihr blondes Haar für uns schüttelt. «In zwei Jahren können die erstaunlichsten Dinge passieren», nämlich dass Charlotte ein Kind und Samantha einen Hund mit Hut gekriegt hat. Damit wir jetzt nicht denken, hier würde an ewigen Werten gerüttelt, dürfen wir uns an ganz vielen Szenen erlaben, die uns versichern, dass in der Substanz alles beim Alten geblieben ist. Die Damen sind noch immer nach 3-Wetter-Taft-Manier in jeder Situation durchgestylt und winken sich noch immer euphorisch zu, wenn sie sich antreffen. Kein Keil hat ihre freundschaftlichen Bande beschädigt, weder die grosse Liebe (Carries Mister Big) noch das Kind (Charlottes adoptiertes Töchterchen) noch Samanthas Krebs oder die Provinz, in der Miranda gestrandet ist.
«Und just wenn man denkt, man hat alles gesehen», heisst es, während Carrie neugierig in ihren begehbaren Kleiderschrank linst, «trifft dich die Erkenntnis, dass du noch gar nichts weisst.» Oha!, denken wir und fragen uns natürlich, welche Erfahrung den Damen in ihrem mit Friendship, Fun und Fashion vollgestopften Glitzerleben bislang noch versagt geblieben sein könnte.
Champagner und Eselsmilch
Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Sie heisst: Kamele. Denn bald sehen wir die Damen durch die Wüste ziehen, natürlich im schicken Fummel, den Cocktail mit der Hand verwachsen und sicherlich sind auch einige umwerfend gutaussehende Wüstensöhne nicht weit. Was treibt die Damen in die Wüste? Wohl kaum die Finanzkrise, oder vielleicht doch, denn sicherlich lässt es sich hier preisgünstiger in Champagner und Eselsmilch baden, als in Downtown New York und vielleicht wird hier auch die eine oder andere Schönheitskorrektur preisgünstiger angeboten - immerhin hat sich Sarah Jessica Parker ja so medienträchtig ihr Muttermal am Kinn entfernen lassen – warum also diesen Plotpunkt nicht gleich auch in den Film einbauen?
Bleiben nur noch ein paar Fragen offen: Zum Beispiel, welche Rolle Miley Cyrus, Penelope Cruz und Liza Minelli, allesamt für Gastauftritte vorgemerkt, in dem neuen Machwerk spielen werden. Wird Minelli als Schönheitschirurgin die Damen in die Geheimnisse der Bauchstraffung einführen? Nimmt Charlotte Cruz zur lesbischen Geliebten und geht endlich ihren homosexuellen Neigungen nach? Und Miley Cyrus wird als Samanthas Assistentin, mit der sie fortan aus dem Nähkästchen der Nymphomanin plaudert?
Wir hoffen es für den Film. Versprechen können wir nichts. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.12.2009, 11:45 Uhr
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7 Kommentare
Nach dieser Trailerkritik frage ich mich, ob die Verfasserin den ersten Teil des Films überhaupt gesehen hat, denn immerhin hatte Charlotte da bereits ihr Kind und Samantha auch ihren Hund. Ein Trailer ist bekanntlich da, um neugierig zu machen & nichts zu verraten. Ist doch immer sehr ärgerlich, wenn sich die besten Szenen des Films bereits im Tailer erschöpfen. Hoffnung bleibt also tatsächlich. Antworten
Das ist leicht zu verstehen; die Faszination Hollywoods mit der Wüste. Das gab es schon in den 50er und dann Lawrence of Arabia natürlich. Das hat mit Pioniergeist zu tun aber auch mit der unsichtbaren Kehrseite von Manhattan. Hinter den Riesenwohnungen, weissen Telefons und Gewändern steckt immer der orientalische Traum, 1001 Nacht, Mandelaugen, Oase (wie auch in Vegas). Antworten
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