Schweizer im Weltall
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 11.09.2009 8 Kommentare
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Der Film
«Cargo», Regie: Ivan Engler, Ralph Etter. 120 Minuten, ab 24. September im Kino.
Das Weltall ist ein kalter und schlecht ausgeleuchteter Ort. Und einsam. Zumindest für Menschen, so die die Kernbotschaft von «Cargo». Selbst wenn sich die Leute nach dem ökologischen Kollaps der Erde in überfüllte Raumstationen drängeln. Doch in der selbst geschaffenen, höchst unzulänglichen Umwelt von Maschinen und Frachträumen kommt natürlich wenig soziale Wärme auf. Der Gegenentwurf dazu ist der Planet Rhea, die Zuflucht der Betuchten, wo es aussieht wie in einer hyperrealistischen Waschmittelwerbung.
Das ist der Ausgangspunkt für den ersten Schweizer Science-Fiction-Film. Er soll Schweizer Filmgeschichte schreiben. «Cargo» muss für den Filmchef des Bundesamts für Kultur, Nicolas Bideau, so etwas sein wie der Planet Rhea für die Menschen im Film. Nachdem der Sennentutschi-Planet zumindest vorübergehend unbewohnbar geworden ist, wird «Cargo» zum Fluchtpunkt der Hoffnung für ein Schweizer Filmwunder. Was durchaus möglich ist, denn der Film wurde untypisch mit der grossen Kelle angerührt - und typisch schweizerisch mit minutiöser Perfektion umgesetzt. Keine Minute geht vergessen, dass mit Ivan Engler ein ausgewachsener Science-Fiction-Freak Regie geführt hat. Und, obschon in einer Industriehalle in Winterthur entstanden, kann Cargo seinen Vorbildern «Alien», «Space Odyssee 2001» oder «Matrix» visuell durchaus das Wasser reichen.
Dramaturgische Schwächen
Wir gehen mit der jungen Ärztin Laura (Anna Katharina Schwabroh) auf eine Mission. Sie heuert auf dem Raumfrachter Kassandra an, der mit einer siebenköpfigen Besatzung zu einer vier Lichtjahre entfernten Station fliegen soll. Laura obliegt es, über die im Kälteschlaf dahindämmernde Mannschaft zu wachen. Als sie bemerkt, dass sich noch etwas anderes an Bord befinden muss, weckt sie die Mannschaft. Doch auf der Suche nach dem Eindringling segnet der Kapitän (Pierre Semmler) das Zeitliche und Laura entdeckt, dass ihr Frachter etwas ganz anderes transportiert, als nur Baumaterial.
Das sieht alles ganz schön aus. Die Atmosphäre im Raumfrachter Kassandra ist beklemmend, das Licht düster, die Maschinen summen hochfrequent, Lichter flackern, grosse Türen öffnen und schliessen sich mit unheimlichem Hall. Leider aber schwächelt der Film, was Dramaturgie und die Psychologie der Figuren betrifft. Es dauert lange, bis mit dem Tod des Captains die eigentliche Geschichte in Gang kommt, und in dieser Zeit sind wir auch mit der Hauptfigur Laura nicht wirklich warm geworden.
Motive und Emotionen wirbeln durcheinander
Als dann endlich etwas passiert, kommt alles gleichzeitig: Laura entdeckt, dass der Frachter in Wahrheit Menschen transportiert, dass der Sicherheitsbeamte Samuel Decker (Martin Rappold) nicht ganz koscher, aber in sie verliebt ist, dass der erste Offizier (Regula Grauwiller) sie über das Ziel ihrer Mission belogen hat und irgendjemand an Bord Menschen umbringt. Zum Beispiel die Programmiererin Miyuki Yoshida (Yangzom Brauen), die sich auf Lauras Seite schlägt und das mit dem Leben bezahlen muss. Und ausserdem müssen plötzlich auch noch Kinder gerettet werden. Motive und Emotionen wirbeln wild durcheinander, aber richtig Mitfiebern mag man trotzdem nicht.
Bleibt die Freude am visuellen Erlebnis. Sieben Jahre hat das Team um Engler und den Produzenten Marcel Wolfisberg an Cargo gearbeitet, über ein Jahr lang arbeiteten dreissig Spezialisten allein an den digitalen Effekten. Und so darf am Schluss der Schweizer Schauspieler Martin Rappold in seinem schicken Raumanzug ganz alleine ins All driften. Die Wucht solcher Szenen versöhnt auch mit den Schwächen des Drehbuchs. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.09.2009, 11:16 Uhr
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8 Kommentare
"Cargo" hat (visuell) das Zeug zum Blockbuster und Engler das Talent, es weit (westwärts) zu bringen. Aber warum zum Henker fördert Bideau einen Film mit derart viel Geld, der am Drehbuch schwächelt? Same old story im Swiss Film: die Achillesferse ist der Plot. Antworten
aabe den film nicht gesehen und werde ihn mir auch nicht anschauen. kann leser Kummer unten nur zustimmen. Die CH-filme, die a) mit wirklich talentieren CH-schauspielern besetzt waren, b) gut gefilmt waren und c) ein einigermassen vernünftiges drehbuch hatten, sind sehr dünn gesäht. daher bin ich dem CH-filmschaffen gegenüber seit jahren sehr kritisch eingestellt. cargo ist wohl ein beweis mehr... Antworten
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