Schritt für Schritt zum globalen Event
Von Thomas Allenbach. Aktualisiert am 29.09.2011
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«Jugando con la muerte» von Paul Urkijo «Habakuk» von Matto Kämpf «Ich» von David FonjallazArtikel zum Thema
Nicht weniger als die Welt steht auf dem Spiel. Ein riesiger Meteorit nähert sich der Erde, und selbst der mächtigste Mann der Welt ist machtlos gegen die Apokalypse, die nur noch eine Frage der Zeit ist. Der amerikanische Präsident hat sich von seinen Landsleuten verabschiedet, um sich ganz seiner Familie zu widmen.
In diesen schweren Stunden sind wir zu Gast auf einem Bauernhof in Norddeutschland, in einer Welt unter der Käseglocke, einer Nische der wortlosen Routine, bewohnt von der robusten Helga und dem rüstigen Walter, einem alten Bauernpaar, das unerschütterlich ruht in einer mürrischen, fast wortlosen Zweisamkeit. Diese ist durch nichts zu erschüttern – auch nicht durch den Weltuntergang. Dass dem so ist, liegt an Walter: Er verheimlicht seiner weltabgewandten Helga die schlechten Nachrichten, die er im Radio gehört hat.
In «Armadingen» blickt der Deutsche Philipp Kässbohrer in eine Welt, die er mit dem Genuss eines visuellen Schöpfers und den Mitteln eines Modellbauers zerstört und doch rettet. Sein wunderbar origineller Katastrophenfilm ist einer von 75 Filmen im internationalen Shnit-Wettbewerb und bei weitem nicht das einzige Highlight im Programm.
Die ersten Eindrücke jedenfalls, welche die künstlerischen Leiter Olivier von der Hoeven und Reta Guetg gestern im Kino Club den Medien präsentierten, sind vielversprechend. Sie zeigen zudem eine deutliche Tendenz auf: «Armadingen» ist nur einer von mehreren Filmen, die sich – mal ins Fantastische gewendet, dann ins Psychologische geweitet – ihr eigenes Universum konstruieren. So etwa erzählen Tibor Banoczki und Sarolta Szabo in «Les conquérants», einer betörenden Mischung aus Real- und Animationsfilm, nicht weniger als eine kleine Weltgeschichte.
Ausweitung der Spielzone
Im Kontrast dazu stehen all die Filme, die sich auf die aktuelle Realität einlassen wie etwa «Vers le nord» von Youssef Chebbi, eine Brudertragödie, die dramatisch in die Welt der Schlepper, Flüchtlinge und Organhändler leuchtet. Dieser globalen Perspektive in den Filmen entspricht die organisatorische Ausweitung des Festivals.
Bern ist mittlerweile längst nicht mehr der einzige Shnit-Ort respektive «Playground», wie das in der Sprache der Macher heisst. In seinem neunten Jahr expandiert das Festival weiter, zu Köln und Kapstadt kommen Wien, San José in Costa Rica und Singapur dazu. Was als Kurzfilmabend unter Freunden in der Reitschule begann, wird zum globalisierten Event. Zugleich stärkt Shnit seine Präsenz vor Ort: So kommt dieses Jahr das Stadttheater, wo letztes Jahr erstmals die Preisverleihung stattfand, als neue Spielstelle hinzu. Zur Tradition geworden sind die Eröffnung im Kornhausforum und die Slam Movie Night zum Auftakt im Progr.
Präsentiert werden die 300 Filme in verschiedenen Blöcken. Schwarzweissfilme können dabei genauso ein Thema sein wie das Spiel mit dem Tod, das in der Reihe «Six Feet Under» komische Blüten treibt. Vertreten ist dabei das ganze formale Spektrum, von Filmen aus dem Grenzbereich von Kunst und Film und experimentellen Arbeiten über Animations- und Dokumentarfilme bis zu grossen, aufwendig produzierten Spielfilmen.
Sagenhafte Berner Premiere
Prominent ist schliesslich auch das bernische Filmschaffen vertreten. So sind gleich mehrere Berner, unter ihnen Matto Kämpf, David Fonjallaz und Jadwiga Kowalska, im nationalen Wettbewerb dabei. Im Programm «Bärner Platte» wird zudem der Tanzfilm «Graatzug» uraufgeführt, den Jan Mühlethaler («Hardnine») zusammen mit den Choreografinnen Annalena Fröhlich und Nina Stadler realisiert hat. Auch dieser Film etabliert seine eigene Welt: Es ist die bilderkräftige, die schauderhaft schöne einer alten Walliser Sage. (Der Bund)
Erstellt: 29.09.2011, 08:14 Uhr
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