Kultur
Präsident der Filmproduzenten tritt zurück
Von Thomas Allenbach. Aktualisiert am 24.03.2009
Lukas Hobi tritt zurück. (Keystone)
Nach den Solothurner Filmtagen ist es ruhig geworden um den Konflikt zwischen Teilen der Schweizer Filmbranche und Nicolas Bideau, dem Chef der Sektion Film im Bundesamt für Kultur (BAK). Doch die Ruhe trügt, wie der Rücktritt von Lukas Hobi als Präsident des Schweizerischen Filmproduzentenverbandes (SFP) mit aller Deutlichkeit zeigt.
Die medial hochgekochten Auseinandersetzungen haben Spuren hinterlassen, und hinter den Kulissen ist nach wie vor einiges in Bewegung. Dass Hobi («Achtung, fertig, Charlie!», «Tell») sein Amt aufgibt, ist die Folge von Richtungskämpfen im SFP. Es geht dabei um die Positionierung des Verbandes gegenüber der Person Bideau und dessen heiss umstrittener Filmpolitik.
Den Ausschlag aber für Hobi gab, dass die Mitglieder seines Verbandes am letzten Samstag die Aufnahme der beiden Produzenten Thierry Spicher («Home») und Pierre-Alain Meier («Pas douce») ablehnten. Die Begründung: Die beiden seien Bideau-nah, sie würden zu sehr dessen Position vertreten; nehme man sie auf, gefährde der Verband seine Unabhängigkeit. Der Lausanner Thierry Spicher ist als Mitglied der Eidgenössischen Filmkommission und Präsident der Spielfilmkommission des BAK der starke Mann in der Filmförderung des Bundes und gilt als Vertrauter von Bideau.
«Schlechtes Signal»
«Es ist ein schlechtes Signal, wenn ein Verband Berufsleute aus politischen Gründen nicht aufnimmt», sagt Hobi. «Der SFP muss für alle professionellen Produzenten offen sein, es müssen unterschiedliche Positionen Platz finden. Nicht nur bei den Filmen, auch bei den Produzenten ist Vielfalt eine Qualität.» Er sei schwer enttäuscht über diese Nichtaufnahmen, da er damit sein zentrales Ziel nicht mehr erreichen könne: einen grossen Verband zu schaffen, in dem alle Produzenten der Schweiz vereint sind. Er ziehe daraus die Konsequenzen und habe sich entschieden, als Präsident zurückzutreten und mit seiner Produktionsfirma Zodiac Pictures den Verband zu verlassen.
Der Konflikt zwischen Hobi, der die Politik von Bideau mehrheitlich mitträgt, und seinem Verband hat eine Vorgeschichte. So sistierte Hobi Anfang Februar sein Amt, da er sich nicht mehr gestützt fühlte. Er hatte unter einzelnen Mitgliedern für Aufruhr gesorgt, weil er mit dem Vorstand während der Solothurner Filmtage eine Medienmitteilung verbreiten liess, in der sich der SFP von der Aufsichtsbeschwerde gegen Bideau distanzierte, die zuvor aus Produzentenkreisen angedroht worden war.
Um die Wogen zu glätten und die Haltung gegenüber Bideau zu klären, wurde für letzten Samstag eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen. Laut SFP-Sekretär Thomas Tribolet votierte die Mehrheit der Mitglieder dabei für eine härtere Gangart gegen Bideau und kritisierte die Politik von Hobi und dem Vorstand als zu wenig aggressiv. Die Distanzierung von der Aufsichtsbeschwerde sei ein Fehler gewesen, habe sie doch die Position von Bideau gestärkt.
Kampf um die Filmpolitik
Es geht beim Richtungskampf im SFP nicht nur um Bideau, sondern auch um die künftige Ausrichtung der Filmpolitik. In diesem Jahr werden die Weichen gestellt für die neuen Filmförderkonzepte 2011 bis 2015. Zentrale Punkte sind dabei die Ausgestaltung der automatischen Filmförderung Succès Cinéma sowie die Rollenverteilung bei der Filmproduktion. Es gibt Bestrebungen einer Gruppe von Produzenten, darunter Spicher und Meier, den Filmproduzenten mehr Macht zu geben. Insbesondere wollen sie die Succès-Cinéma-Gelder, die bisher unter anderem auch an Regisseure und Autoren flossen, auf die Produktionshäuser konzentrieren.
Der Zwist im SFP und der Abgang von Hobi könnten zu einem weiteren Exodus von Produzenten führen. Wegen eines Richtungsstreits war es bereits 2001 zu zahlreichen Austritten und zur Gründung der Gruppe Autoren, Regisseure, Produzenten (Garp) gekommen. Noch im Herbst hatten der SFP und Garp, wo es ebenfalls Konflikte gibt, über eine Wiedervereinigung verhandelt. Von einem einzigen Produzentenverband scheint man derzeit weiter entfernt denn je. (Der Bund)
Erstellt: 24.03.2009, 09:25 Uhr







Die Welt in Bildern




















