Kultur

Oscars: «The Hurt Locker» schlägt «Avatar»

Der grosse Gewinner der Oscars heisst «The Hurt Locker». Das Kriegsdrama von Kathryn Bigelow gewinnt sechs Auszeichnungen, darunter jene für den besten Film.

1/24 Historischer Triumph: Kathryn Bigelow (links) nimmt von Barbara Streisand als erste Frau einen Oscar für die beste Regie entgegen.
Bild: Reuters

   

Die kleine Independent-Produktion «The Hurt Locker» stach mit dem Triumph in den beiden Königskategorien «bester Film» und «beste Regie» den Hollywood-Blockbuster «Avatar» von James Cameron aus. Insgesamt gewann «The Hurt Locker» sechs Oscars, «Avatar» kam auf drei Trophäen - beide waren neunmal nominiert.

Das Rennen zwischen «The Hurt Locker» und «Avatar» war das zwischen David und Goliath: «Avatar» kostete 500 Millionen Dollar und spielte 2,5 Milliarden Dollar ein - er ist der erfolgreichste Film der Geschichte. «The Hurt Locker» kostete hingegen gerade einmal 15 Millionen Dollar und war an den Kinokassen kein grosser Erfolg.

Doch bei den Kritikern landete er einen Volltreffer - und schrieb Geschichte. Erst dreimal zuvor war eine Frau für die beste Regie nominiert: Sofia Coppola mit «Lost in Translation» (2003), Jane Campion mit «Das Piano» (1993) und Lina Wertmüller mit «Sieben Schönheiten» (1975). Die 58-jährige Bigelow gewann als erste Frau und stach damit ihren Ex-Mann Cameron aus. Der hatte 1998 mit «Titanic» elf Oscars gewonnen, diesmal blieb es bei drei Statuen für Kameraführung, Ausstattung und Spezialeffekte.

Bridges und Bullock als beste Hauptdarsteller

In die Oscar-Liste der besten Hauptdarsteller schrieben sich erstmals Jeff Bridges und Sandra Bullock ein. Der 60-jährige Bridges erhielt die goldene Statue für seine Rolle als abgehalfterter Country-Sänger in dem Film «Crazy Heart». Bridges, der bereits zum fünften Mal nominiert hat, war überwältigt und bedankte sich überschwänglich.

Bullock würdigte einzeln ihre Konkurrentinnen - darunter Helen Mirren und Meryl Streep - und bedankte sich unter vielen Tränen der Rührung. Die 45-Jährige bekam den Oscar für die Darstellung einer Mutter aus der Oberschicht, die einen obdachlosen, schwarzen Jungen in ihrer Familie aufnimmt und ihn zum Football-Profi macht.

«Kann mich niemals genug bedanken

Als erster Preisträger des Abends hatte der Österreicher Christoph Waltz für seine Rolle in «Inglorious Basterds» von Quentin Tarantino den Oscar als bester Nebendarsteller erhalten. «Dies ist ein Über-Bingo», sagte der sichtlich gerührte Waltz mit tränenerstickter Stimme. «Ich werde mich niemals genug bedanken können. Aber ich kann damit jetzt beginnen.» Der 53-Jährige galt als Favorit: Für seine Darstellung des charmant-zynischen SS-Offiziers hatte er zuvor bereits eine Goldene Palme von Cannes und einen Golden Globe bekommen.

Beste Nebendarstellerin wurde US-Schauspielerin Mo'Nique für ihre Rolle als gewalttätige Mutter im Sozialdrama «Precious - Das Leben ist kostbar». Zuvor war «Precious»-Autor Geoffrey Fletcher bereits für das beste adaptierte Drehbuch geehrt worden; der Film basiert auf dem Roman «Push» von Sapphire.

«Up» ganz oben

Bei der 82. Oscar-Verleihung gab es ausserdem zwei Trophäen für den Zeichentrickstreifen «Up» (Oben): Er wurde von den Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences zum besten Animationsfilm gewählt und für die beste Originalmusik ausgezeichnet.

Den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film holte der Thriller «El Secreto de Sus Ojos» (Das Geheimnis Deiner Augen) aus Argentinien. Die Oscar-Hoffnungen für den in schwarz-weiss gedrehten Film «Das weisse Band» von Michael Haneke, eine Gemeinschaftsproduktion von Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien, erfüllten sich nicht.

Verregneter Start

Regnerisches Wetter mit Blitz und Donner hatte die Ankunft der Gäste zur Oscar-Verleihung im Kodak Theatre von Hollywood begleitet. Der rote Teppich wurde schon am Sonntagnachmittag sicherheitshalber mit Plastikfolie abgedeckt.

Ein Unwetter hatte in Nacht zuvor die Berge in der Nähe von Los Angeles mit Schnee bedeckt. Immer wieder zogen Regenschauer durch die Stadt. Ein Plastikzelt sorgte dafür, dass die eintreffenden Stars in Hollywood nicht nass wurde. (phz/rb/sda/ddp/)

Erstellt: 08.03.2010, 11:01 Uhr

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17 Kommentare

Tom Keller

10.03.2010, 17:10 Uhr
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Und da wir schon bei Rest-USA @Zender sind, hoffen wir dass bald doofe Clichés wie etwa Ami=pro-army @ PKeller in der Kiste mit Dick und Doof enden werden. Und danke @Meierli und @Meier, rûtteln wir ein bisschen am Kult des coolen, weil kritisch, post modernen "voyeurism". Antworten


Robert Bradeon

09.03.2010, 10:12 Uhr
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"Hurt Locker" ist gut gemacht, mehr aber nicht. Ein weiterer pseudo-Antikriegsfilm aus Amiland. Wohl kaum der Film des Jahres. Aber so läuft das bei den Oscars. Die Auszeichnung meint selten das aktuelle Werk, sondern ist als Kompensation zu verstehen. Mit "Strange Days", "Point Break" und "K-17" hat Frau Bigelow einst so richtig sackstarke Filme abgeliefert - von daher: verdient! Antworten


Michael Zender

08.03.2010, 21:46 Uhr
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also zuerst das wichtigste vorne weg...Christoph Waltz sensationel! @Peter Keller, diese "Freundin" von "Kluuni" welche im Beitrag erwähnt wurde und auf der Bühne stand, war selbst für einen Oscar nominiert! Und ich bleibe gleich bei ihrem "schlauen" Beitrag...dieser Militärfilm ist sehr kritisch der Regierung gegenüber wie zuletzt öfters in Holywood und hat wenig mir Rest-USA zu tun.. Antworten


Mark Keller

08.03.2010, 20:15 Uhr
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Die Juroren und Kritiker haben entschieden. Schön, aber auch das Kinopublikum hat weltweit entschieden, und diese Entscheidung ist ganz offensichtlich für Avatar gefallen! Dies zu recht. Der Film ist ein grandioses Stück Kino. Die Handlung sei banal? Wer dies findet, dem sei das Buch von Jean Ziegler "Der Hass auf den Westen" empfohlen. Hier finden sich die irdischen Beispiele der Profitgier. Antworten


Jochen Lembke

08.03.2010, 19:49 Uhr
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"Hell hath no fury like a woman scorned" - nun muss Cameron büssen, für die Trennung von seiner Frau und die Neuvermählung mit einer jüngeren. Auch die Frauen, die in der Jury sitzen sind allesamt nicht vom Kaliber jung und sexy, sondern alt - und rachsüchtig. Antworten


Ueli Meierli

08.03.2010, 17:06 Uhr
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Wieso diese Negativberichterstattung? Nur weil kein Schweizer dabei war? Wäre Marc Forster ausgezeichnet worden hätte es wieder geheissen: Sensation, Mega!!! Antworten


Emanuel Meier

08.03.2010, 16:53 Uhr
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Offenbar hat der Kommentator die INsider Pointen der beiden Hosts meist nicht realisiert und vermutlich auch die hervorragenden Pointen von Tina Fey und Robert Downey nicht verstanden. Klar sitzt und passt nicht alles. Aber soviel Wortwitz gibts bei keiner Show in der Schweiz etc. Dass Hurt Locker gewinnt, ist mutig und untypisch für Hollywood, wo normalerweise "size matters"! Antworten


Christian Alt

08.03.2010, 15:36 Uhr
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"El secreto de sus ojos" heisst übersetzt "Das Geheimnis Ihrer Augen" (nicht "Deiner" Augen wie angegeben). Antworten


Emanuel Meier

08.03.2010, 15:33 Uhr
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Jeder hat gewusst, dass Avatar in erster Linie nur nominiert worden ist, um die Wichtigkeit dieses Blockbusters für das Kino zu würdigen. In Zeiten, in welchem auch das Massenerlebnis Kino wegen illegaler Downloads und schwachen Synchronfassungen statt der Originale an Zuschauern verliert, eigentlich verständlich! Antworten


Dante Eggenberger

08.03.2010, 14:10 Uhr
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Die letzten beiden Woerter der Zus.fassung gefallen mir. Hat's jemand gemerkt ;-)? - @ Andre Wy, Merci fuer die Auklaerung. Frag mich naemlich die ganze Zeit, was die geschaetzten 1 Mio. Programmierstunden mit Kino zu tun haben. Wobei - Matrix I - III ...! Antworten


Moritz Nauer

08.03.2010, 13:26 Uhr
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Komischer Kommentar, selber schuld wer sich die Oscar-Verleihung auf Pro Sieben anschaut, please! Was hat der Autor denn erwartet? Eine Zusammenfassung am nächsten Tage genügt vollkommen. Dass Waltz's Oscar-Gewinn nur beiläufig erwähnt wird - es scheint, dass der Autor die Anspielung des Bingo-Spruch nicht versteht - finde ich merkwürdig, schliesslich war Waltz's Leistung absolut aussergewöhnlich! Antworten


Peter Broger

08.03.2010, 11:18 Uhr
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Der Kommentar ist sehr treffend und da kann ich den anderen Kommentatoren nur zustimmen. Für mich ist aber nicht Avatar der grosse Verlierer, sondern Inglourious Basterds. Aber eben was will man machen, wenn der Nationalstolz mit geschichtlich korrektem Hintergrund versus geschichtlich erfundenen, aber unterhaltenden, europäischen Kriegsdrama antritt. Aber Kathryn Bigelow hat es auch verdient. Antworten


Francis Gibel

08.03.2010, 11:05 Uhr
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The Academy of Motion Picture Arts and Sciences... Eine Gesellschaft der Selbstbeweihräucherung... Sehen und gesehen werden... Küsschen da und dort... Danksagungen ohne Ende... Ehre wem Ehre gebührt oder eben auch nicht... Moderation mit "orchestriertem" Humor, sprich Lacher auf Bestellung... Typisch amerikanisch und das ist auch gut so. Wir haben auch die Wahl: TV laufen lassen oder abstellen! Antworten


Bruno Arnold

08.03.2010, 10:45 Uhr
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Avatar zum Verlierer zu erklären ist nicht ganz richtig. Der Film ist ein Einzelstück und legitim. Trotzdem muss für the Hurt Locker eine Lanze gebrochen werden. Was Avatar fehlt hat der Film nach nicht weniger als 3 Minuten raus und es folgen zwei nervenaufreibende, emotionale und spannende Stunden Vorzeigekino. Antworten


Peter Keller

08.03.2010, 10:19 Uhr
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guter Kommentar - Diese Oscar-Veranstaltung wird jedes Jahr peinlicher... Und was hat eigentlich eine Freundlin von Georg Kluuni auf der Oscar Bühne zu suchen? und logisch, dass in USA ein Militärfilm eher gewinnt, als ein positives Märchen für die Menschheit. So gesehen wurde ich ein weiteres mal enttäuscht, was aber zu erwarten war ;-) Antworten


Andre Wymann

08.03.2010, 10:04 Uhr
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Auch wenn Avatar als der grosse Verlierer "gefeiert" wird, James Cameron hat wieder einmal Pionierarbeit geleistet (u.a Abyss, Terminator 2) und das Genre auf eine neue Ebene gehievt. Antworten


Eric Zeller

08.03.2010, 09:57 Uhr
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Ein bissiger und gerade darum so treffender Kommentar. Besten Dank! Antworten



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