Leuthard eröffnet 45. Solothurner Filmtage
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Festivaldirektor Ivo Kummer wünschte sich vom Schweizer Spielfilm mehr Mut und erklärte den Förderslogan «Popularité et qualité» als gescheitert. Solothurn habe immer die kritische Auseinandersetzung mit der Schweiz gesucht und das andere Schaufenster des Landes sein wollen, würdigte Leuthard die Anstrengungen der vergangenen 45 Jahre. «Wir brauchen tatsächlich keine Bilderbuch-Schweiz. Wir brauchen die konstruktive Auseinandersetzung mit schwierigen Themen», sagte sie gemäss vorab veröffentlichtem Redetext.
Leuthard ging auch auf die staatliche Filmförderung ein und die Schwierigkeit, möglichst gerecht «das Richtige» zu fördern. Sie erinnerte an die vom Parlament um 1,7 Millionen auf 46,9 Millionen Franken aufgestockten Mittel im Voranschlag 2010. Zugleich verwies sie auf die Arbeiten von Bundesamt für Kultur (BAK) und Branche an einem neuen Filmförderungskonzept für 2011 bis 2015. 550'000 Menschen hätten 2009 einen Schweizer Film gesehen, 100'000 mehr als im Vorjahr, sagte sie.
Schweizer Film sei an sich gesund
Eine ernüchternde Bilanz zog Festivaldirektor Ivo Kummer über das Filmförderungskonzept des Bundes, lobte aber die jetzt angelaufenen Arbeiten für neue Förderrichtlinien sowie die aufgestockten Mittel. «Ich meine, dass der Slogan ‹Popularité et qualité›, unter dem der Bund träumerisch sagenhafte Erfolge voraussagte, nach nun vier Jahren gescheitert ist», sagte Kummer. Der Schweizer Film sei aber an sich gesund, auch wenn ihm der Mut und vielleicht auch ein bisschen die Lebenslust fehle. So erinnerten viele heutige Spielfilme an das Kino der Grossväter, seien handwerklich zwar gut, blieben aber mit ihren Geschichten an der Oberfläche. Obwohl in der Regel gut gefördert, könnten sie in den Kinos nicht abheben. Ganz im Gegensatz dazu stehe der Dokumentarfilm. Er sei poetisch, politisch und global, feiere künstlerische Erfolge im Ausland und stehe als Garant für schweizerische Filmkunst.
Mit dem Film «Zwerge sprengen» des Berner Regisseurs Christof Schertenleib machte ein Werk den Auftakt, das keine Bundesmittel bekam, aber von der Berner Filmförderung unterstützt wurde. Er dreht sich um die Familie Schöni im Emmental. Zentrales Thema sei die protestantische Moral, erklärte Schertenleib in einem «Bund»-Interview: «Es geht um den fast zwanghaften Versuch, Harmonie auch da zu suchen, wo sie nicht mehr zu finden ist und möglichst alle Konflikte durch Toleranz im Keim zu ersticken.»
Die Filmtage fangen erstmals am Donnerstag an und dauern bis zum 28. Januar. Gezeigt werden 302 Filme vom Musikclip, Dokumentar- und Spielfilm bis hin zum Animationsfilm. 254 Filme sind im Hauptprogramm «Forum Schweiz» angesetzt. Die Mitglieder der 2008 gegründeten Schweizer Filmakademie werden die Filme für den Schweizer Filmpreis «Quartz» sichten und am kommenden Mittwoch nominieren. Die Preise werden dann sechs Wochen später an einer TV-Gala vergeben. (bru/ddp)
Erstellt: 25.01.2010, 12:19 Uhr
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