«Lesen ist nicht unser Ding»

Von Andreas Berger. Aktualisiert am 25.06.2009

Regisseur Michael Bay lässt es in «Transformers: Revenge of the Fallen» einmal mehr krachen.

Szenenbild aus «Transformers: Revenge of the Fallen». (zvg)

Szenenbild aus «Transformers: Revenge of the Fallen». (zvg)

Ökonomisch muss von einer Meisterleistung gesprochen werden. Für ungetrübten Fernsehgenuss geben etliche Leute Geld aus für Aufzeichnungsgeräte, mit denen sie die Werbeblöcke überspringen können, im Fall der «Transformers» dagegen ist es dem Konzern Hasbro zusammen mit den Firmen Paramount und DreamWorks gelungen, mit einem megateuren PR-Streifen für Roboterspielzeug massenhaft zahlendes Publikum in die Kinos zu locken. Weil diese Dauerwerbesendung den Produzenten mehr als eine halbe Milliarde Dollar in die Kassen gespült hat, ist klar, dass die erfolgsträchtige Schiene weiterhin befahren wird und Regisseur Michael Bay die zweite Runde im Kampf der guten Autobots gegen die bösen Decepticons vom Planeten Cybertron einläuten darf.

«Lesen ist nicht unser Ding», gestehen die Begleiter des Roboters Bumblebee, als es gilt, seltsame Zeichen zu entziffern, um einmal mehr nicht weniger als den Weltuntergang zu verhindern. Das ist auch die Devise des Regisseurs, der am liebsten Drehbücher verfilmt, in denen es höchstens zehn Seiten Dialog gibt und Explosionen sich im Minutentakt folgen.

Erwartungsgemäss kommt er auch in «Transformers: Revenge of the Fallen» schnell zur Sache und lässt es zuerst in einer prähistorischen Berglandschaft und gleich danach in einem chinesischen Chemiebetrieb in der Gegenwart ordentlich krachen. Konsequent eingehalten wird die Regel, dass in einem Sequel alles grösser, schneller und spektakulärer als im Vorgänger sein muss. Statt 14 werden diesmal 46 Roboter aufgeboten, die sich schneller als bei ihrem ersten Auftritt verwandeln und zum Teil so gigantisch sind, dass sie mit Bäumen wie mit Zündhölzchen spielen können.

Bezeichnend für den grobschlächtigen Film, der selber wie ein Decepticon wirkt und mit seinem Massenstart reihenweise kleinere Produktionen aus den Programmen verdrängt: Eine Szene um kleine Maschinen in der ersten Hälfte ist viel witziger als die langen Materialschlachten im zweiten Teil. Da verwandelt ein «Cube»-Splitter Küchengeräte in Killermaschinen und geht beim Versuch, die mörderischen Winzlinge zu stoppen, das halbe Haus zu Bruch. Diese kompakt gestaltete 5-Minuten-Szene enthält auch schon die ganze Geschichte, die in den übrigen 145 Minuten zwar sehr feuerwerksintensiv, aber auch sehr viel weniger kompakt erzählt wird. (Der Bund)

Erstellt: 25.06.2009, 09:09 Uhr

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