Kultur

«Ich habe meine Erfahrungen mit der Presse gemacht»

Interview: Denise Jeitziner. Aktualisiert am 24.08.2011 25 Kommentare

Frölein Da Capo spielt in «Der Sandmann» eine Hauptrolle. Im Interview spricht sie über Kritik, das «schräge» Drehbuch – und ob sie nun wirklich aus «Giacobbo/Müller» fliegt.

Mal Frölein Da Capo bei «Giacobbo/Müller», mal Sandra in «Der Sandmann»: Irene Brügger.

Mal Frölein Da Capo bei «Giacobbo/Müller», mal Sandra in «Der Sandmann»: Irene Brügger.
Bild: © Elisa Brügger 2011

Infobox

Frölein Da Capo ist die Kunstfigur der Willisauer Musikerin Irene Brügger-Hodel. Bekannt ist sie durch ihre wöchentlichen Auftritte in der Sendung «Giacobbo/Müller», wo sie als Unschuld vom Lande mit Trompete, Gitarre oder Euphonium auftritt.

Im Kinofilm «Der Sandmann» von Peter Luisi, der diesen Donnerstag in den Deutschschweizer Kinos anläuft, spielt Irene Brügger-Hodel die weibliche Hauptrolle – eine Sängerin, wie Frölein Da Capo. Die 31-Jährige lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern auf dem elterlichen Bauernhof in Willisau.

(Bild: SRF/Heinz Stucki)

Trailer zu «Der Sandmann»

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Ab Donnerstag werden Sie erstmals in einem Kinofilm zu sehen sein. Es heisst, Sie hätten sich ziemlich geziert, die weibliche Hauptrolle in «Der Sandmann» anzunehmen. Warum?
Die Anfrage des Regisseurs Peter Luisi kam für mich völlig überraschend und ich bin ein wenig erschrocken. Ich hatte meine Zweifel, ob ich dem wirklich gewachsen bin.

Weil Sie eine Sängerin ohne Schauspielerfahrung sind?
Ein kleines bisschen Erfahrung hatte ich schon, weil ich als Jugendliche Theater spielte. Aber wenn jemand mit einer Anfrage für einen Kinofilm daherkommt – und es ist ja nicht gerade eine kleine Rolle – kommt man schon ins Grübeln. Peter Luisi ist jedoch ziemlich hartnäckig. Wir haben uns einen Mail-Schlagabtausch geliefert, bei dem ich ihm zuerst abgesagt habe. Schliesslich hat er mich doch überredet.

«Der Sandmann» wird von den Kritikern als «beste Schweizer Komödie seit Jahren» gelobt und gleichzeitig als «durchgeknallt» bezeichnet.
Beim Drehbuchlesen habe ich mir gedacht, «läck ist das schräg», und konnte mir nicht so recht vorstellen, wie Peter Luisi das wohl umsetzen würde. Er ist wirklich ein grossartiger Künstler.

Was ging in Ihnen vor, als Sie den Film zum ersten Mal sehen durften?
Ich war sehr nervös. Immerhin hört man eine ganze Weile nichts mehr, nachdem der Film abgedreht ist. Fast ein Jahr hat es gedauert, bis ich mir den Film zusammen mit der Crew anschauen durfte. Ich war so erleichtert, dass die Geschichte nachvollziehbar und glaubwürdig ist. Der Film ist schön geworden, hat schöne Wendungen und ist einfach eine tolle Geschichte. Keine Ahnung, wie Peter Luisi das gemacht hat.

Haben Sie zum Film Ja gesagt, um als Sängerin bekannter zu werden? Immerhin hat Luisi Sie lange vor Ihrem Engagement als Frölein Da Capo bei «Giacobbo/Müller» angefragt.
Nein, mich hat vor allem die Schauspielerei gereizt. Ich wollte etwas Neues ausprobieren und hatte auch keine Vorstellung davon, wie sich der Film entwickeln würde. Ich dachte mir aber, ich hab nichts zu verlieren. Immerhin bin ich Musikerin und muss nicht von der Schauspielerei leben. Klar, das Frölein wäre schon mit drin gehangen, aber es ist zum Glück gut herausgekommen.

Peter Luisi hat in einem Interview gesagt, dass er es schade fände, dass man Sie nicht als Schauspielerin, sondern nur als Frölein Da Capo aus «Giacobbo/Müller» wahrnehme. Und Sie?
Als Frölein Da Capo bin ich sowieso eine Figur, die man nicht so richtig einordnen kann. Die einen sehen mich als Komödiantin, andere als Musikerin. Wenn ich abendfüllend auf der Bühne stehe, gehört auch ein wenig Schauspielerei dazu. Ich kann verstehen, wenn mich die Leute nicht einordnen können. Aber das stört mich nicht.

Fühlen Sie sich in der Verkleidung als Frölein Da Capo wohler als als Irene Brügger?
Das gesamte Kleider-Schischi-Schminkzeugs, das ich bei meinen Auftritten als Frölein trage, hilft mir, auf der Bühne zu stehen und eine Distanz herzustellen zu mir als Privatmensch. Das tun viele Künstler, sei es mit einem Künstlernamen, einem Kostüm oder einem bestimmten Auftreten.

Mit der Rolle als Frölein Da Capo wollten Sie also Distanz gewinnen zur Privatperson Irene Brügger. Auf der anderen Seite haben Sie eine private Website, die Sie seit mehreren Jahren rege bewirtschaften.
Ich habe vor etwa zehn Jahren eine Website programmiert, um mein Schaffen nach aussen zu tragen und den Leuten zu zeigen. Andere haben einen schönen Garten und den sehen ja auch alle. Durch meine Website bin ich zum Beispiel zu meinem ersten Nebenjob als Comiczeichnerin bei einer Zeitung gekommen. Sicher, ich gebe etwas von mir preis, kann jedoch sehr genau steuern, was privat bleiben soll. Die Website ist auch eine Spielwiese, auf der sich inzwischen viele Dinge angesammelt haben, an denen ich hänge.

Auf der Seite gibt es neben Fotos auch sogenanntes Gekritzel und unzählige Bastelanleitungen. Möchten Sie am liebsten alles machen?
Ich probiere einfach gerne aus und habe viele Interessen in alle Richtungen. Das war immer schon so. Nach der obligatorischen Schule konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich die Kunstschule machen will oder die Musikhochschule oder erst einmal Geld verdienen sollte. Schliesslich habe ich es bei der Kunstschule probiert. Weil es nicht geklappt hat, habe ich mich schliesslich für eine kaufmännische Basis entschieden. Alles andere hat sich irgendwie ergeben. Ich vertraue da auf mein Sonntagskind-Dasein.

Sie fühlen sich als Sonntagskind?
Ja, schon. Das Schicksal scheint mir in die Hände zu spielen. Andererseits bin ich positiv eingestellt auf das Leben und das, was kommt. Ich denke, das eine bringt das andere mit sich.

Werden Sie bei Frölein Da Capo bleiben oder wird sie irgendwann durch eine andere Figur ersetzt?
Früher oder später wird es wohl etwas anderes geben. Aber momentan bin ich gerne mit dem Frölein unterwegs. Sie ist eine gute Figur und hat noch viel Potenzial, musikalisch und auch im sprachlichen Bereich. Es ist längst nicht alles ausgeschöpft.

Laufen Sie in Willisau auch als Frölein Da Capo durch die Strassen?
(Lacht). Nein, ich laufe privat generell nie so herum! Ich bin eher der Jeanstyp. Ich werde immer wieder von Frauen angesprochen, die mir sagen: «Oh, das sind so schöne Kleider, aber es gibt nie einen Anlass, die Kleider zu tragen.» Ich habe mir den Anlass einfach selber geschaffen, denn ich finde die Kleider nämlich auch schön. Da ist es natürlich ein cleverer Zug, sie als mein Bühnenkostüm zu wählen.

Bei «Giacobbo/Müller» treten Sie jede Woche mit einem neuen Song auf. Ist das nicht ein Stress?
Es ist anspruchsvoll. Wir haben Staffeln von zwölf, beziehungsweise 18 Sendungen und ich muss grundsätzlich jede Woche einen Song abliefern, den dann die halbe Schweiz zu hören bekommt. Ich sehe das jedoch eher als Herausforderung an und weniger als Stress.

Ihr Markenzeichen sind Songs mit Loops. Damit tun Sie sich bei Live-Auftritten keinen Gefallen.
Aber wenn es funktioniert, ist es umso faszinierender. Aber es stimmt schon, man muss den Kopf ganz schön bei der Sache haben. Wenn ich mich bei einem Live-Auftritt einmal verdrücke, ist der gesamte Song futsch. Das ist jedoch eine Herausforderung, der ich gerecht werden möchte. Zudem kann man die Mechanismen trainieren und verinnerlichen. Wenn man sie einmal im Griff hat, dann ist es weniger kompliziert, als es aussieht.

Haben Sie nie Angst, bei «Giacobbo/Müller» vor der halben Nation zu versagen?
Nein. Ich bin ja nicht der Hauptteil der Sendung, sondern bloss ein musikalischer Sidekick. Wirklich aufgeregt bin ich, wenn ich zwei Stunden lang 400 Leute unterhalten will, die Eintritt bezahlt haben, um mich zu sehen. Mein Anspruch an mich selber ist sehr hoch und ich möchte meine Erwartungen und auch die des Publikums erfüllen. Das ist es, was mich nervös macht.

Können Sie gut mit Kritik umgehen?
Ja. Es hängt natürlich immer von der Art der Kritik ab. Ist sie konstruktiv, kann ich davon profitieren und mich weiterentwickeln. Bis jetzt hatte ich mehrheitlich sehr positive Rückmeldungen.

Momentan haben Sie zuoberst auf der Frölein-Website einen «Blick»-Artikel publiziert mit der Schlagzeile «Fliegt Frölein Da Capo raus?». Darin steht unter anderem, Sie würden für Misstöne bei «Giacobbo/Müller» sorgen. Als Kommentar dazu haben Sie geschrieben: «Also diese Cinzia kriegt bei mir keinen Kafi mehr.» Meinen Sie das ernst?
Das ist meine Art von Humor. Diese Journalistin kriegt sicher keinen Kaffee bei mir, aber es ist ja auch bloss ein Artikel und halt wohl auch Teil des Spiels.

Und? Fliegt Frölein Da Capo nach dem Kino-Erfolg in «Der Sandmann» tatsächlich aus «Giacobbo/Müller» raus?
Dazu sage ich jetzt lieber nichts mehr, ich habe ja jetzt meine Erfahrungen mit der Presse gemacht (lacht). Nein, ich bin sicher ab Oktober wieder dabei.

Sind weitere Filmprojekte geplant?
Momentan konzentriere ich mich voll auf die Musik. Ich werde sehen, was sich alles ergibt.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.08.2011, 14:33 Uhr

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25 Kommentare

Pfister Edwin

24.08.2011, 15:26 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Einfach traumhaft wie Fröilein da Capo spielt. Ich habe die Vorpremiere gesehen. Sehr empfehlenswert. Antworten


Willi Ammann

24.08.2011, 19:26 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Einfach schade dass dieses Forum zu einem Expertenstreit über das Programmieren einer Website ausgeartet ist. Offenbar sind echte Programmierer ganz sensible Wesen,halbe Götter.Das vielseitige künstlerische Schaffen von Fröilein Da Capo gerät ob der Experten-Diskussion total in den Hintergrund.Dass nur ihre Website im Mittelpunkt des Diskurses steht ist bedauerlich. Antworten



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