Die lustigsten Zwangsheiraten
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 11.03.2010
Vor einem Jahr verliebte sich in der Alpen-Romanze «Tandoori Love» ein indischer Koch in eine frisch verlobte Schweizerin. In Martin Suters neustem Buch «Der Koch» ergeht es einem Tamilen ähnlich. Und in Anna Luifs neusten Film «Madly in Love» muss sich ein in Zürich lebender Tamile zwischen einer Landsfrau und einer Deutschen entscheiden.
Das ist lustig, sehr sogar. Wohl auch, weil der komödiantische Umgang mit dem Thema Migration hierzulande lange brach lag. In den 70er- und 80er-Jahren versuchte man, mit eindringlichen Sozialdramen und Dokumentarfilmen auf die Nöte ausländischer Arbeitskräfte aufmerksam zu machen - etwa Xavier Kollers Oscar-prämierter Film «Reise der Hoffnung». Gerade mal Rolf Lyssys «Die Schweizermacher», der die Einbürgerungspraxis der Eidgenossen aufs Korn nimmt, wagte einen satirischen Ansatz.
Situationskomik und Selbstironie
Offenbar galt die «Ausländerproblematik» noch immer als zu ernst, um darüber Witze zu machen. Nicht so in anderen Ländern. Oft, vor allem in England, entwickeln die Regisseure bei der Beschreibung des Zusammenstossens der Kulturen einen Sinn für Situationskomik und Selbstironie und propagieren gleichzeitig Verständnis für traditionelle Werte. Das bekannteste Beispiel lautet hier «Kick it like Beckham».
Dass sich gerade Multikulti-Komödien zwischen Europäern und Südostasiaten als Erfolge erweisen, ist kein Zufall. Die Farben und Klänge Indiens (und jene des Bollywoodkinos) kontrastieren herrlich mit unser eigenen Kultur. Zwangsheiraten und die Problematik gemischt-rassiger Beziehungen bieten ausserdem romantisch-tragisches Konfliktpotenzial in Hülle und Fülle.
In der Bildstrecke zeigen wir im Text erwähnte Multikulti-Filme – und weitere, die zu schauen sich lohnt. (DerBund.ch/Newsnetz)
Erstellt: 11.03.2010, 12:02 Uhr
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