Die Quadratur des Teufelskreises
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Läuft ab morgen in den Schweizer Kinos: «Safe House».Artikel zum Thema
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Er agiert, wie man ihn kennt: In der Rolle des genialen, gefürchteten und gejagten CIA-Verräters Tobin Frost spielt Denzel Washington so cool und charismatisch wie fast immer. Sein Gegenspieler Ryan Reynolds («Green Lantern») hat da den ungleich spannenderen, aber auch schwierigeren Part: Er interpretiert den CIA-Neuling Matt Weston als «normal guy», den Typen von nebenan, der seine süsse französische Freundin gerne schön zum Essen ausführen würde und es stattdessen mit kaltblütigen Killern aufnehmen muss. Natürlich hat er Angst und macht lauter Fehler, aber zugleich ist er auch viel zu gewissenhaft, viel zu ehrgeizig, um deshalb aufzugeben.
Nur bedingt ein Politthriller
Westons aktueller Job ist es, Tobin Frost nach Südafrika in ein «Safe House», ein geheimes Versteck der CIA, zu verfrachten. Frost ist in Besitz brisanter Informationen, hinter denen eine Bande brutaler Gangster her ist, vor der er sich ins US-Konsulat in Kapstadt geflüchtet hat. Von dort wird er in jenes «Safe House» transportiert, in dem Matt Weston schon seit einem Jahr als «Hausmeister» gelangweilt die Wände anstarrt. Jetzt bekommt er mehr «Gäste», als ihm lieb ist. Frost trifft mit einer Gruppe schwer bewaffneter CIA-Leute ein, die ihn gerade verhören, als eine Bande noch schwerer bewaffneter Verbrecher das «Safe House» stürmt. Nur Weston und Frost überleben. Weston soll Frost nun in ein neues «Safe House» bringen, aber Frost entkommt. Und weil die CIA Weston daraufhin von dem Fall abzieht, macht sich dieser auf eigene Faust auf die Suche nach Frost.
Mit grobkörnigen Bildern und Einstellungen, die einem wie Kugeln um die Ohren fliegen, während Oliver Wood («Bourne»-Serie) die Kamera rumreisst, dass einem schwindlig wird, trägt Regisseur Daniel Espinosa («Easy Money») seinen Anspruch auf authentische Eindrücke reichlich plakativ zur Schau. Auch die Einblicke hinter die CIA-Kulissen wirken eher klischeehaft als sorgfältig recherchiert. Le-Carré-Finessen darf man nicht erwarten, als Politthriller taugt «Safe House» nur bedingt.
Anders als übliche Actionfilme
Angesichts der mafiaähnlichen Strukturen innerhalb der CIA weiss Weston bald nicht mehr, wem er trauen kann. Und als die CIA-Truppe Frost foltert (Stichwort: Waterboarding), entfährt Weston die sympathisch naive Frage, ob das nicht verboten sei. Viel tiefer steigt Espinosa in die Thematik nicht ein.
Unterm Strich also ein flott inszenierter Actionstreifen mit kritischem Touch. Eines allerdings unterscheidet «Safe House» spürbar von vergleichbaren Produktionen: die Art, in der die Menschen hier sterben. Getötet wird wie auch sonst im Genre: macho-lässig. Aber gestorben wird anders: realistischer, hässlicher, ernster. Länger als üblich verharrt die Kamera auf den Sterbenden, auch wenn es die «Bösen», wenn es «nur» Nebenfiguren sind. Espinosa versucht mit «Safe House» so etwas wie die Quadratur des Kreises: unterhaltsames Actionkino, das die Gewalt, mit der es spielt, weder verharmlost noch verherrlicht. Es ist ihm erstaunlich gut gelungen. Stefan Volk
(Berner Zeitung)
Erstellt: 22.02.2012, 14:30 Uhr
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