Der unglaublich nervige «Brüno»
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 22.06.2009
Es war eine angekündigte Überraschung. Kurz nach 18 Uhr erschien Brüno alias Sacha Baron Cohen in einem pinkfarbenen Ganzkörperanzug mit passenden Wollstiefeln und Penisattrappe am Brandenburger Tor in Berlin. Und wie überall, wo der Komiker auftritt, witterten die Medien einen «Tabubruch». «Es ist ein internationaler Parcours der Provokationen, den Sacha Baron Cohen (37) absolviert», schrieb etwa Welt.de.
Wirklich? Bisher bot Brüno vor allem eines: perfekte PR. Niemand im Showbusiness versteht es, «Skandale» und Selbstvermarktung aufeinander abzustimmen wie Sacha Baron-Cohen. Gegen den Briten reklamierte bereits 2006 das Land Kasachstan, das er im Film «Borat» als hinterwäldlerischen Kommunistenstaat vorführt.
Was schon damals für eine Menge PR sorgte, soll auch dieses Mal funktionieren. Proteste und Klagen gegen seine Provokationen sind fester Bestandteil seiner Marketingstrategie. Bei der kürzlichen Verleihung der MTV Movie Awards platzierte Cohen als weisser Engel sein nacktes Hinterteil ausgerechnet vor das Gesicht des schwulenfeindlichen Rappers Eminem. Wenig später wurde bekannt, dass die «Po-Attacke» abgesprochen war.
Skandal! Skandal!
Angefangen hat Cohens PR-Kampagne bereits im März. Damals stürmte er bei den Mailänder Modenschauen auf den Laufsteg – und wurde (Skandal! Skandal!) verhaftet. Vor dem Kinostart seines Films gibt er als Brüno nun nochmals richtig Gas. Bei der Premiere in Amsterdam posierte er mit leicht bekleideten männlichen Models im Rotlichtviertel, in Madrid erschien er im Stierkostüm und in London führte er ein Regiment von Hotpant-Gardisten an. Derweil posiert er auch auf dem aktuellen Cover des Männermagazins «GQ» - nackt.
Über den Inhalt des Films ist ob lauter PR-Gewese bisher nicht viel bekannt geworden. Man weiss, dass Brüno als homosexueller Modejournalist Schwulenhasser auf den Arm nimmt. Aber auch Schwule selbst sollen in dem Film ihr Fett abbekommen. Einige Schwulenverbände haben protestiert, die meisten Gay-Aktivisten nehmen ihn aber in Schutz, feiern ihn gar als willkommenen Botschafter. Keine guten Nachrichten für ein Marketingkonzept, das von Empörung lebt. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.06.2009, 16:40 Uhr





