Der schwarze Depardieu
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 15.02.2010
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Blackface Minstrel Shows
Auftritte weisser Schauspieler als Schwarze wecken auch wegen der sogenannten Blackface Minstrel Shows den Verdacht des Rassismus. Diese ab etwa 1830 bis etwa 1950 in den USA aufgeführten Theater karikierten afrikanisch-stämmige Amerikaner als lustige, dümmliche, singende und tanzende Figuren. Dabei verwendeten die Schauspieler Blackface, eine Theaterschminke, um sich ihre Haut schwarz anzumalen. Inwieweit die heute als rassistisch betrachteten Shows auch realistische Elemente der früheren Sklaven der amerikanischen Südstaaten – etwa Musik, Tanz oder Legenden – beinhalteten, ist umstritten.
Dass Gérard Depardieu im Film «L'Autre Dumas» den französischen Autor Alexandre Dumas spielt, sorgt für eine heftige Debatte in Frankreich. Denn Dumas, einer der meistgelesenen Autoren der Welt, hatte afrikanisches Blut. Er hatte krause Haare, afrikanische Züge, eine dunkle Haut. Depardieu ist blond und helläugig, und darum tönt man ihm für seinen Auftritt das Gesicht, setzt ihm dunkle Linsen ein und eine Perücke aufs Haar.
In dem Film geht es um die Beziehung von Dumas zu seinem Mitarbeiter Auguste Maquet, dessen Bedeutung für grosse Werke wie «Die drei Musketiere» und «Der Graf von Monte Christo» bis heute nicht geklärt ist. Das Werk erzählt, wie Maquet zeitlebens vergeblich versuchte, aus dem Schatten seines Meisters zu treten.
Dass nun dieser Meister, der sich selber «Neger» nannte, von einem Weissen gespielt wird, wird in französischen Medien stark kritisiert. Besonders die afrikanisch-stämmige Gemeinschaft diskutiert über die Besetzung: «Warum nur hat der Regisseur Safy Nebbou einen Weissen gewählt, um den Mischling Alexandre Dumas darzustellen?», fragt beispielsweise der Historiker und Dumas-Biograf Claude Ribbe im Exil-Blatt «Jeune Afrique». Dies sei «ein Mechanismus der permanenten Diskriminierung», liess sich der schwarze Schauspieler Jacques Martial zitieren.
«Die wenigsten wissen, dass Dumas ein Mischling war»
Für Patrick Lozès, Präsident des Verbandes von Schwarzenorganisationen (Cran), ist die Besetzung typisch für das Versagen Frankreichs, nicht-weisse Persönlichkeiten in den Medien zu fördern. «Die wenigsten wissen, dass Dumas ein Mischling war und zu seiner Zeit als schwarz bezeichnet wurde», so Lozès. Er mutmasst, dass Dumas aus kommerziellen Gründen «weiss gewaschen» wurde. Hier sei möglicherweise, so der vielstimmige Tenor der Medien, eine Gelegenheit verpasst worden, die Multi-Ethnizität des Landes lebendig und wahrheitsgemäss zu zeigen.
Die Filmemacher bezeichneten Depardieu hingegen gegenüber französischen Medien als die «perfekte Besetzung» für Dumas. Nicht nur habe Depardieu in früheren Filmen manche der von Dumas geschaffenen Helden gespielt – etwa einen der Musketiere –, auch sei er in seiner gewaltigen Persönlichkeit dem Autor ähnlich. «In seiner Lebendigkeit repräsentiert Depardieu Dumas perfekt», liess sich der Produzent zitieren. Regisseur Nebbou sagte gar, es wäre «ein historischer Fehler» gewesen, hätte man Dumas von einem Mischling darstellen lassen. «Er hatte helle Augen wie Depardieu.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.02.2010, 12:50 Uhr
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