Der nuschelnde Schweiger
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 09.12.2011 21 Kommentare
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«Schweiger akzeptiere ich nicht. Ich werde eine Folge schauen, damit ich sicher bin, dass er nichts taugt.» Der Kommentar eines DerBund.ch/Newsnet-Lesers auf Til Schweigers Ernennung zum «Tatort»-Kommissar, trifft die allgemeine Meinung über den Deutschen ziemlich gut: Er nuschelt, hat nur einen einzigen Gesichtsausdruck, kurz: der Mann ist als Schauspieler nicht zu gebrauchen.
Nun ist Tilman Valentin Schweiger aber höchst erfolgreich. Der heute 48-Jährige begann als Schauspieler in der TV-Serie «Lindenstrasse». Nach Hauptrollen in Kino-Hits wie «Manta, Manta» (1991) und «Der bewegte Mann» (1994) produzierte er das hochgelobte Road-Movie «Knockin' on Heaven's Door», in dem er auch mitspielte. Nach «Keinohrhasen» (sechs Millionen Zuschauer) spielte er auch in Tarantinos «Inglourious Basterds» mit. Im Jahr 2009 erreichte er mit drei Filmen jeweils mehr als zwei Millionen Zuschauer.
Frauenfilme?
Nach der grossen Filmkarriere sah es zuerst nicht aus. Schweiger begann erst einmal ein Studium der Germanistik, um Lehrer zu werden. Dann wechselte er auf Medizin, doch brach auch dieses Studium ab. Es folgte eine Schauspielausbildung, die er 1989 erfolgreich abschloss. 20 Jahre später ist Till Schweiger der einzige deutsche Kinostar. Wie ist das passiert?
Zum einen macht Schweiger klassisches Erfolgskino, mit viel Komik und ein wenig Romantik. Das klingt wie Woody Allen, ist letztlich aber einfach unterhaltsames Kino mit guten Darstellern, schönen Bildern, einem tollen Soundtrack und einer sympathischen Story. Frauenfilme, so behaupten böse Zungen, zu denen Männer von ihren Partnerinnen gezwungen werden. Weil Frauen dann das Gefühl haben, Männer zu verstehen und zugleich hoffen, dass ihre zum Anschauen genötigten Kerle nun endlich auch sie und ihren Drang zum Nestbau verstehen.
Doch da ist auch diese Lässigkeit und Souveränität, die Schweiger, der privat länger mit zwei Models liiert war und vier Kinder hat, wie kein anderer deutscher Schauspieler verkörpert. Paradoxerweise funktioniert die Masche des coolen Sexsymbols jedoch bloss abseits der Kamera. Schweigers Filme leben davon, dass den von ihm gespielten Helden die Dinge entgleiten. Das war schon bei «Manta Manta» so, wo Schweiger als Manta-Fahrer einen Mercedes-Fahrer herausfordert und Auto und Freundin verliert. Weitere Rollen waren Variationen dieses Schemas.
«Unterschätzt worden bin ich mein Leben lang»
Verständlich also, dass Schweiger immer wieder richtige Helden geben wollte, ohne ironische Meta-Ebene. Versucht hat er das zum Beispiel in «One Way» oder «Far Cry» - doch die Filme wollte niemand sehen. Dabei waren sie nicht mal schlecht. Im Gegensatz zu seinen erfolgreichen Filmen bekamen sie auch gute Kritiken.
Apropos: Anerkennung vom Feuillton sei, so sagen andere Schauspieler, was Schweiger wirklich interessiere. Denn er, der grosse Publikumsliebling, fühle sich übergangen und unterschätzt. Tatsächlich sagte er dem «Spiegel» einst trotzig: «Unterschätzt worden bin ich mein Leben lang, schon in der Schule. Und ich kann nur jedem empfehlen, sich gründlich unterschätzen zu lassen, das ist ein Riesenvorteil. Dann kann man nämlich immer wieder überraschen mit Dingen, die einem nie jemand zugetraut hat.»
Vielleicht hat er sich ja deshalb für die «Tatort»-Rolle, die für einen Kinostar mit internationalen Angeboten ja eher eine Rückkehr in die Provinz ist, beworben: Um endlich Anerkennung beim Feuilleton zu finden. Und natürlich bei den Männern. Peng, peng!
Was halten Sie von Til Schweiger und seinen Filmen? Meinungen bitte unten eintragen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.12.2011, 10:22 Uhr
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