Der Kultwestern des kommenden Jahres

Am Donnerstag wurde Tarantinos neuer Film «Django» in Bern einem ausgewählten Publikum gezeigt. Der grandiose Streifen muss in eine Reihe mit «Pulp Fiction» gestellt werden. Eine Blitzkritik.

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Um was gehts?
1860, irgendwo im Süden der USA: Dr. King Schulz (gespielt von Christoph Waltz) befreit den Schwarzen Django (Jamie Foxx) aus den Händen von Sklaventreibern. Schulz gibt sich als Zahnarzt aus, ist aber eigentlich Kopfgeldjäger. Er weiss, dass Django den Aufenthaltsort seiner nächsten Opfer kennt. Jener Django wiederum will seine Frau Broomhilde wiedergewinnen – und so gehen sie gemeinsam auf die Suche.

Wer ist die interessanteste Figur?
Der servile greise Butler Stephen, beklemmend gespielt von Samuel L. Jackson. Der Schwarze hat die Sklaverei nicht nur akzeptiert, er hat sie verinnerlicht. Am Hof des dekadenten Südstaatlers Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) hat er sich so eine gewisse Stellung und einigen Komfort erdient. Als Django an den Stolz der Schwarzen appelliert und die alte Hierarchie aufzubrechen droht, gerät Stephen in ein existenzielles Dilemma, das Tarantino ungewohnt nuanciert darstellt.

Hievt sich DiCaprio also eine weitere Stufe höher in der Bösewichter-Skala?
Exakt. Nie mimte der frühere Teenie-Star einen derart miesen Charakter, und noch nie hatte er derart schlechte Zähne. Und: Er scheint es zu geniessen.

Wer brilliert noch?
Waltz, wen überraschts? Wieder spielt er einen Zyniker, wieder erspielt er sich nichtsdestotrotz mit seinem souveränen Schalk flugs die Sympathien der Zuschauer.

Gibts wieder einen Gastauftritt von Tarantino?
Tatsächlich. Er gibt für ein paar Minuten einen tumben Farmer. Seine Rolle ist eher bieder, der Abgang dagegen... bombastisch!

Die beste Szene?
Schwierig, nicht wenige haben Kultcharakter. Für viel Gelächter und Gesprächsstoff wird mit Sicherheit der Auftritt des Ku-Klux-Klan sorgen, der sich gehörig blamiert, weil die Löcher der Masken falsch geschnitten wurden. Dazu kommen Bilder, die ikonischen Charakter haben: Die Baumwolle, die sich vom Blut rot färbt. Die Seitenansicht eines lachenden Cowboys, der nur noch Vorderzähne hat. Broomhilde, die sich auf ungesehen grazile Weise in Slow Motion die Finger in die Ohren schiebt, während Django ein Haus in die Luft jagt.

Der beste Dialog?
Auch hier: Es gibt so viele (obwohl die Figuren in früheren Tarantino-Streifen noch deutlich geschwätziger waren). In Erinnerung bleibt sicher das in Deutsch (!) gehaltene Gespräch zwischen Dr. Schulz und der zu Tode verängstigten Broomhilde inmitten des feindlich gesinnten Candie-Clans.

Und der Soundtrack?
Wie üblich ein famoses Potpourri. Ennio Morricone wird ebenso gespielt wie harter Rap und Soul und Funk. Und wie gewohnt sind Bild und Ton wie in Video-Clips exakt getimet.

Wie brutal wirds?
Anfangs ist «Django» nicht gewalttätiger als konventionelle Western: ein Sheriff wird vor dem Salon umgelegt, ein Gangster vom Pferd geschossen. Doch dann kommen Peitschen ins Spiel, Hunde... «Reservoir Dogs» und «Kill Bill» waren dennoch drastischer.

Gewinnen die Guten?
Ja, aber nicht alle. Und die Guten in «Django» sind bei weitem nicht so gut wie Lucky Luke zum Beispiel.

Gibts ein Vorbild?
Die Verbindung zum gleichnamigen Italo-Western von Sergio Corbucci aus dem Jahr 1966 ist offensichtlich. Eine Kopie ist der Film allerdings nichts.

Das Fazit?
Grandioser Streifen. Der beste Tarantino nach «Reservoir Dogs» und «Pulp Fiction».

Könnte es eine Fortsetzung geben?
Es gibt zwar eine Art Happy End – doch der Rächer hätte noch viel zu rächen, eigentlich. (DerBund.ch/Newsnet)

(Erstellt: 27.12.2012, 17:47 Uhr)

Infobox

Am Donnerstag wurde «Django» erstmals der Schweizer Presse gezeigt. Der Film kommt am 17. Januar 2013 offiziell in die Deutschschweizer Kinos.

Video


Der Trailer zu «Django».

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