«Der Goalie bin ig»: Eigengoal oder Volltreffer?
Von Thomas Allenbach. Aktualisiert am 24.08.2011 2 Kommentare
Leidtragender: Regisseur Luki Frieden. (Bild: Franziska Scheidegger)
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Hat die Berner Filmförderung ein klassisches Eigengoal geschossen und einen tollen Berner Film verhindert? Im letzten Dezember konnte sie sich nicht zu einer Unterstützung der Verfilmung von Pedro Lenz’ «Der Goalie bin ig» durch den Thuner Filmemacher Luki Frieden durchringen.
Das Projekt war finanziell bescheiden (Budget: 500'000 Franken) und ästhetisch gewagt: Frieden wollte den Roman in den Vidmarhallen mit Pedro Lenz als Erzähler und mit Laien, die sich selber spielen, adaptieren. Als Referenz diente ihm dabei die Mischform aus Bühnenspiel und Film, wie sie Lars von Trier mit «Dogville» erstmals realisiert hatte.
Misstrauensvotum
Das Projekt sei interessant, man könne sich die Umsetzung aber nicht wirklich vorstellen, liess die Expertenkommission den Regisseur und seine Produzentin Theres Scherer wissen; man wolle deshalb vor dem Entscheid zwei Beispielszenen sehen. Frieden, der seit Jahren selber der Kommission angehört und bei seinem eigenen Projekt in Ausstand getreten war, empfand den Entscheid seiner Kollegen als Misstrauensvotum. «Ich war schwer enttäuscht und wollte mich diesem Diktat nicht fügen.»
Seine Reaktion ist verständlich, immerhin ist Frieden kein Nobody, der zeigen muss, dass er inszenieren kann: Für seine Spielfilme «November» und «Tausend Ozeane» hat er jeweils den Berner Filmpreis erhalten. David Landolf, damals Präsident der Kommission (er gehört ihr heute nicht mehr an), kommentiert den Entscheid nicht: «Wir sind dazu nicht befugt.»
Frieden und Scherer zogen daraufhin das Projekt zurück, dies auch deshalb, weil das Drehen von Demonstrationsszenen den Produktionsstart zu lange verzögert hätte. Scherer verkaufte die Option auf die Verfilmung an Michael Steiger von der Zürcher Produktionsfirma C-Films, und dieser trieb sein Projekt mit Sabine Boss («Ernstfall in Havanna») als Autorin und Regisseurin voran. Das Budget des konventionellen Spielfilms beträgt nun 2,7 Millionen Franken, derzeit ist man in der Phase der Finanzierung.
Theres Scherer ist als Berner Koproduzentin an Bord, Pedro Lenz hat nicht nur am Drehbuch mitgearbeitet, sondern wird laut Steiger auch in einer Gastrolle zu sehen sein. Die Hauptrollen sollen mit Berner Schauspielern besetzt werden, zudem werden auch Berner Filmtechniker massgeblich beteiligt sein. Gedreht wird während fünf Wochen in Bern, Witzwil, Aarberg und Umgebung und wahrscheinlich in Italien. Laut Steiger wird der Berner Anteil am Produktionsvolumen eine Million Franken betragen – immer vorausgesetzt, der Film kommt zustande.
«Hauptsache ein guter Film»
Im September entscheidet die Berner Filmförderung über einen Herstellungsbeitrag, und in der Kommission sitzt auch wieder Luki Frieden. Eine pikante Situation? Frieden, der seinen Frust mittlerweile verdaut hat, sieht darin kein Problem: «Hauptsache, es entsteht ein guter Film.» Er lasse sich jedenfalls nicht von Neid und Missgunst leiten: «Das Buch von Pedro Lenz gehört ja, wie alle Kunst, der Öffentlichkeit und nicht einem Regisseur oder einem Produzenten.» Sowohl Scherer («hervorragendes Drehbuch») wie Frieden loben die Sabine-Boss-Version. Von einem Eigengoal der Berner Filmförderung will Frieden jedenfalls nicht sprechen. «Wer weiss, vielleicht entpuppt sich der Film von Sabine Boss ja als Volltreffer.»
Zudem bringt diese Produktion mehr Geld in die Berner Filmbranche als die ursprüngliche, rein bernerische. Allerdings sehnt sich die regionale Szene auch aus filmpolitischen Gründen nach einem publikumswirksamen Berner Spielfilm. Der Druck ist gross, seit der Kredit der Berner Filmförderung markant erhöht worden ist, um insbesondere das Spielfilmschaffen anzukurbeln. Da aber hapert es, und Leidtragender ist zum zweiten Mal Luki Frieden: Vor «Der Goalie bin ig» hatte er bereits die Dällebach-Kari-Verfilmung an Xavier Koller verloren. Von Berner Stoffen hat Frieden derzeit die Nase voll: «Ich schreibe nun ein eigenes Drehbuch, das irgendwo spielen könnte.» (Der Bund)
Erstellt: 24.08.2011, 14:02 Uhr
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