Defizitgarantie für «Sennentuntschi»
Von Florian Keller. Aktualisiert am 11.11.2010 4 Kommentare
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Das «Sennentuntschi» ist unersättlich. Vier Wochen nach dem Kinostart hat der Film von Michael Steiner über 100 000 Zuschauer in seinen Bann gezogen. Die beteiligten Förderstellen lassen sich davon nicht blenden. Der Basler Unternehmer Bernhard Burgener, der dem scheintoten Film als Investor auf die Beine geholfen hat, hatte in seinem Rettungsplan mit rund 850 000 Franken zusätzlichen Fördergeldern für die Fertigstellung gerechnet. Inzwischen ist klar: Die öffentliche Hand wird für den zwischenzeitlich hoch verschuldeten Film höchstens eine halbe Million Franken nachlegen.
Das Bundesamt für Kultur (BAK), das Schweizer Fernsehen und die Zürcher Filmstiftung sind allesamt nicht auf das Gesuch um Nachfinanzierung eingetreten. Die drei wichtigsten Förderer sind übereinstimmend zum Schluss gekommen, dass die Bedingungen, die an eine direkte Nachfinanzierung geknüpft wurden, von der Produktionsfirma nicht erfüllt worden seien. Einzig der Bund hat dennoch einen Dreh gefunden, um sich gnädig zu zeigen: Das BAK hat dem Film nachträglich eine Defizitgarantie von maximal 500'000 Franken zugesichert – je erfolgreicher das «Sennentuntschi», umso kleiner die zusätzliche Finanzspritze vom Bund. Genaueres lässt das BAK dazu nicht verlauten. Die konkreten Modalitäten der Defizitgarantie seien Gegenstand eines laufenden Verfahrens, heisst es auf Anfrage.
Sicher ist: Für eine ausgeglichene Bilanz müsste das «Sennentuntschi» nicht nur in den einheimischen Kinos, sondern auch auf DVD und im Ausland erfolgreich sein. Zum Vergleich: Selbst «Giulias Verschwinden», mit beinahe 190'000 Zuschauern publikumsstärkster Schweizer Kinofilm der letzten drei Jahre, hätte ohne den Erfolg in deutschen Kinos die Kosten bei weitem nicht eingespielt. Das Budget bei «Giulias Verschwinden» betrug moderate 2,6 Millionen Franken, «Sennentuntschi» kostete knapp 6 Millionen Franken. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.11.2010, 09:57 Uhr
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4 Kommentare
Die Anspruchshaltung von Steiner und Burgener ist doch eine Frechheit! Kann man in der Schweiz eigentlich nur Filme machen, wenn der Bund Millionen in ein Projekt investiert? Das Filmgeschäft ist doch ein Geschäft wie jedes andere: Macht man einen guten Film, gehen ihn viele Leute schauen und man macht ein grosses Geschäft. Ist der Film schlecht, legt man als Investor eben drauf. So einfach! Antworten
@Mike Albrecht: Nein, das Filmgeschäft ist ein wenig anders, weil ein Schweizer Film gleich teuer ist wie ein Deutscher, aber die Schweiz zehnmal weniger Leute hat. Und meist entscheidet der Binnenmarkt über den finanziellen Erfolg. Man kann natürlich finden, dann sollen in der Schweiz halt keine Filme gemacht werden, wie wir ja auch keine Autos bauen. Finde ich aber nicht. Antworten
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