Das Telefon als Liebesinstrument
Der Film
Going the Distance. Regie: Nanette Burstein, 90 Minuten. Ab Donnerstag im Kino.
Sie sind schon als «Generation Rollkoffer» verschrien, und viele wissen nicht, wie und wann das Nomadenleben zwischen Job und Liebe endlich zu Ende sein könnte. Vor allem bei gut ausgebildeten Paaren zwischen Ende Zwanzig und Ende Dreissig sind Fernbeziehungen verbreitet. Umso erstaunlicher ist es, dass Hollywood das Thema bis jetzt links liegen liess. Denn wie «Going the Distance» mit Drew Barrymore zeigt, gibt es genug über die vielen kreativen Methoden zu erzählen, mit denen Paare ihre Liebe auf Distanz frisch halten. Oder es zumindest versuchen.
«Eigentlich waren alle meine Beziehungen in den letzten elf Jahren Fernbeziehungen», erinnert sich Schauspieler Justin Long, der den männlichen Part des Teilzeit-Paares übernommen hat. Besonders pikant: Die weibliche Hauptrolle spielt Drew Barrymore – seine Freundin im echten Leben. Bis heute gelten die beiden als «On-off»-Paar, immer wieder gibt es Gerüchte, dass zwischen ihnen weiter etwas läuft.
Web-Kamera und Telefonsex
Dem Film merkt man an, dass die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt. Beide konnten ihre eigenen Erfahrungen miteinbringen – und genauso wird jeder, der schon mal eine Fernbeziehung hatte, einiges wiedererkennen. Denn die Filmfiguren Garrett und Erin versuchen, die räumliche Distanz zwischen New York und San Francisco mit allen üblichen Methoden zu überwinden: Stundenlange nächtliche Telefonate, SMS-Standleitungen, Web-Kamera-Chats, Telefonsex und natürlich vollgepackte Wochenenden, an denen sie sich nur für ein paar Stunden sehen.
Als Journalistin Erin dann allerdings ein Jobangebot bekommt, das sie nicht ablehnen kann, steht die Liebe endgültig auf der Kippe. Ist der Beruf oder die Liebe wichtiger? Das ist die Frage dieser klassischen romantischen Komödie, die allerdings durchaus ihre Ecken und Kanten hat.
Keine einfache Lösung
«Ich wollte, dass der Film so realistisch wie möglich wird», erklärt Regisseurin Nanette Burstein. Für sie war es der erste Spielfilm, vorher hat sie nur Dokumentationen gemacht. Ihre Schauspieler liess sie auch jetzt viel improvisieren, was vor allem Barrymore gut gefiel. «Wenn ich selber Regie führe, mache ich auch Improvisations-Aufnahmen», erzählt die 35-Jährige. Fast könnte man meinen, sie wäre mittlerweile ein bisschen zu reif für eine «RomCom», denn sie hat sich auch als Produzentin einen Namen gemacht und will künftig öfter Regie führen.
Doch in «Going the Distance» spielt sie anders, als der deutsche Titel «Verrückt nach Dir» vermuten lässt, eine durchaus selbstbewusste, moderne, realistisch dargestellte Frau. Von Püppchen ist da wenig zu sehen. Geflucht wird am laufenden Band. Und so bietet der Film auch keineswegs – anders, als man von Hollywood erwarten könnte – eine einfache Lösung oder ein Happyend an. Am Schluss gibt es für Fernbeziehungs-geplagte Zuschauer eigentlich keine andere Antwort, als die, die sie vermutlich auch schon selber gefunden haben: Es ist alles nicht so einfach. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.08.2010, 14:23 Uhr




