Das Phantom mit der Spraydose
Von Florian Keller. Aktualisiert am 24.02.2011 1 Kommentar
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Kommt er, oder kommt er nicht? Er ist schon da! Vor den Oscars am Sonntag soll der britische Graffitikünstler Banksy in Los Angeles erste Sprayerspuren hinterlassen haben. Auf einem riesigen Billboard mit einem Model im Bikini hatte sich plötzlich Mickey Mouse dazugesellt: Sichtlich beschwipst griff Mickey der Frau an den Busen. Der künstlerische Vandalenakt mit dem besoffenen Disneyhelden wurde flugs wieder entfernt.
Seit den frühen 90er-Jahren treibt das Phantom namens Banksy im öffentlichen Raum sein Unwesen. Viele seiner Schablonengraffiti sind längst zu modernen Ikonen geworden: Zwei uniformierte Polizisten beim innigen Kuss, ein vermummter Demonstrant, der einen Blumenstrauss schleudert, als wärs ein Molotowcocktail. Doch der Satiriker Banksy operiert nicht nur mit der Spraydose. Und seine Interventionen sind manchmal explosiver als seine Graffiti. Im Disneyland platzierte er einst eine menschengrosse Puppe, die so gekleidet war, als wärs ein lebloser Häftling aus Guantánamo. Oder er streute falsche 10-Pfund-Noten mit dem Konterfei von Lady Diana anstelle desjenigen der Queen.
Nominert für den besten Dokumentarfilm
Banksy ist der Hofnarr in unserer Monarchie von Geld und Ordnung. Und er ist der Lausbub der Globalisierung. In seinem bitterbösen Vorspann für die «Simpsons» liess er ein Heer von chinesischen Billigarbeitern auftreten, die im Akkord die Bilder der Zeichentrickserie kolorierten.
Mit seinem filmischen Bubenstreich «Exit Through the Gift Shop» ist Banksy bei den Oscars nun für den besten Dokumentarfilm nominiert. Seine Chancen sind gering, das Versteckspiel im Vorfeld ist aber aufregend genug. Seinen Wunsch, maskiert an der Gala teilzunehmen, hat die humorlose Academy abgelehnt. Schon im Januar hatte ein bis dahin unbekannter Zürcher Filmemacher namens Joachim Levy mit einer Klage gegen Banksy gedroht. Dieser habe ohne Erlaubnis ganze Passagen aus einem von Levy produzierten Film verwendet. Der Schweizer drohte, das Geheimnis um Banksys Identität zu lüften. Seither hört man nichts mehr von ihm.
Wandelndes Paradox
Schon einmal hat Banksy seine (vermeintliche?) Enttarnung unbeschadet überstanden. Hinter dem angeblichen Untergrundkünstler, so verkündete vor drei Jahren eine britische Boulevardzeitung, verstecke sich ein gewisser Robin Gunningham, ein Sprössling aus gutbürgerlichem Hause, der schon auf der Privatschule als begnadeter Zeichner aufgefallen sei. Banksy kommentierte die Enthüllung mit der ihm eigenen Mischung aus Selbstironie und Geheimniskrämerei: «Wenn jemand als guter Zeichner beschrieben wird, dann klingt das für mich nicht, als wär das Banksy.»
So bleibt Banksy ein wandelndes Paradox: Der Mann ist weltberühmt und doch erfolgreich inkognito geblieben. Und während er sich mit seinen Interventionen als Kritiker der kapitalistischen Warenwelt gebärdet, sind seine Werke ihrerseits zu teuer gehandelten Waren geworden. Sein Bild von Queen Victoria beim Sex mit einer Frau wurde von Popstar Christina Aguilera für 25'000 Pfund ersteigert.
Bleibt die Frage, was Banksy mit seinem Goldmännchen anstellen würde, falls er den Oscar doch gewinnen sollte. Würde er es noch auf der Bühne mit der Spraydose verschönern? Probeweise hat sich Banksy offenbar schon in den Oscar eingefühlt, wie er verlauten liess: «Beim letzten Mal, als bei mir zu Hause ein in Gold getünchter nackter Mann stand, war ich das.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.02.2011, 08:15 Uhr
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1 Kommentar
hmm...ich würde den Film nicht gerade für den Oscar nominieren! Er ist wirklich total lustig, aber handelt schlussendlich um den Filmer selber, und um das Genre Streetart als mehr um Banksy selbst! Aber die Identität dieses Herrn soll verborgen bleiben, und er soll sich weiter der Kunst und der Kritik der Gesellschaft widmen...auch uns in der CH würden solche Künstler gut tun! Antworten
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