Das Indie-Girl mit der Diven-Aura
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 29.12.2011 2 Kommentare
Trailer zu «Hysteria»
Trailer zu «The Secretary»
Trailer zu «The Dark Knight»
Trailer zu «Donnie Darko»
Trailer zu «Crazy Heart»
Artikel zum Thema
- Herr Doktor, einen Orgasmus bitte!
- Jeff «The Dude» Bridges im Interview
- Stars & Styles: Jennifer Aniston hat den Richtigen gefunden
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Ein leichter Film über Vibratoren und weibliche Orgasmen schreit geradezu nach Quotenhascherei, dem Drang nach schnellem Ruhm, egal, wie lange dieser andauern mag. Das ist quasi die Vorstufe zum Sich-für-den-Playboy-Ausziehen. Ideal für eine Karriere, die am Verglühen ist.
Davon ist die Schauspielerin Maggie Gyllenhaal weit entfernt. Erst im vergangenen Jahr war die 34-Jährige mit den Apfelbäcklein für den Oscar als beste Nebendarstellerin in «Crazy Heart» nominiert. Es ist ihre dritte wichtige Nomination nach den beiden Golden-Globe-Nominationen für «Secretary» (2002), in dem sie eine Sado-Maso-Beziehung mit ihrem Chef führt, und ihre Rolle als Drogenabhängige in «Sherrybaby» (2006).
«Manchmal gehört Sex zum Geschäft»
Maggie Gyllenhaal hat eine besondere Aura. Sie wirkt völlig entspannt und unnahbar zugleich. Sie ist keine klassische Schönheit, zieht mit ihrem erdbeerförmigen Gesicht mit den meist knallroten Lippen dennoch in den Bann. Sie wählt oft unkonventionelle Rollen in kleineren Filmen («Happy Endings», «Casa de Los Babys», «Stranger than Fiction»). Eine der wenigen Ausnahmen ist ihre Rolle im Mega-Blockbuster «The Dark Knight», die sie dem Rückzieher von Katie Holmes zu verdanken hat.
Doch die Wahl-New-Yorkerin aus Los Angeles mit Bachelor in Literatur ist eine der wenigen Hollywood-Schauspielerinnen, die selbst für Kommerzfilme und romantische Komödien wie «Hysteria» cool und reflektiert genug sind. Der Film spielt Ende des 19. Jahrhunderts, wo bei Frauen eine kuriose «Krankheit» namens Hysteria grassierte. Linderung verschaffte ihnen ein wundersames, neues Gerät beim Doktor: Der Vibrator war erfunden. Auf die Frage «Haben Sie sich schon Rollen mit Ihrem Sexappeal erobert?», antwortete sie völlig unaufgeregt: «Schauen Sie sich das Plakat von ‹Secretary› an: lange Beine in Netzstrümpfen und ein kurzer Rock. Ich habe die Rolle nicht deswegen bekommen, doch manchmal gehört Sex zum Geschäft und zum Erfolg.»
Und den will sie. Sie wolle keine Filme mehr machen, die bloss die zehn Leute interessierten, die dieselben Ansichten hätten wie sie, wird sie auf der Filmdatenbank Imdb.com zitiert. Als sie mit der Schauspielerei begann, war ihr das noch völlig egal. Die Low-Budget-Produktion, bei der sie sich 2003 in den Schauspieler Peter Saarsgard («An Education») verliebte, wurde etwa nie ausgestrahlt. Das Paar ist seit 2009 verheiratet, hat eine fünfjährige Tochter und erwartet sein zweites Kind, wie seine Sprecher Ende November bestätigten. Wenn Paparazzi sie ablichten, wirken sie völlig entspannt. Sie holt ihre Tochter ungeschminkt und in Schlabberhosen von der Schule ab, um am Nachmittag mit ihr und Sarsgaard im Central Park Inlineskates zu fahren.
Oscar-nominiertes Geschwisterpaar
Was viele nicht wissen – obwohl der ungewöhnliche Nachname mehr als deutliche Hinweise liefert: Maggie Gyllenhall ist die Schwester von Hollywood-Beau Jake Gyllenhaal («Brokeback Mountain»). Die Gyllenhaals sind das bislang einzige Geschwisterpaar im 21. Jahrhundert, von dem beide für einen Oscar nominiert waren. Das Nominiertsein liegt offenbar in den Genen: Mutter Naomi Feiner ist eine Oscar-nominierte Drehbuchautorin, Vater Stephen Gyllenhaal ein Emmy-nominierter Regisseur. Am Familientisch sei eher über Politik als über Schönheitsoperationen diskutiert worden, was in Hollywood eher ungewöhnlich ist.
Seit jeher versuchte sich Maggie Gyllenhaal von den Traumfabrik-Oberflächlichkeiten zu distanzieren. Sie besuchte eine renommierte Schule in LA., besuchte Schauspielklassen und wollte nichts mit dem abgehobenen Lifestyle ihrer Schulkollegen zu tun haben. Dies, obwohl sie selber schon als 15-Jährige an der Seite von Ethan Hawke und Jeremy Irons auf der grossen Leinwand zu sehen war («Waterland», Regisseur war Gyllenhaals Vater). Nach der Highschool zog sie in ein billiges Apartment in Brooklyn und studierte an der Columbia University Literatur.
«Filme, die die Welt vorwärtsbringen»
Sie ist nicht darauf bedacht, möglichst gut auszusehen in ihren Filmen (sie mag es etwa nicht, wenn bei Sexszenen alles perfekt ausgelichtet ist), und sie scheut sich auch nicht davor, sich politisch zu äussern, selbst wenn sie sich dafür einigen Ärger einhandelt. Zu den Anschlägen des 11. Septembers 2001 in New York sagte sie etwa, die USA würden in gewisser Weise eine Mitschuld daran tragen.
«Ich merke, dass ich je länger, je mehr Filme machen will, die die Welt auf irgendeine Weise vorwärtsbringen», sagte Maggie Gyllenhaal einst. Was auf den ersten Blick auf die Komödie «Hysteria» so wenig passen will, macht bei genauerem Hinsehen dennoch Sinn. Denn das Interesse von Gyllenhaals Filmfigur gilt weniger den Vibratoren als vielmehr dem Selbstbestimmungsrecht der Frau. Dutzende von Sexspielzeugen hat sie seit Drehende von Erotikgeschäften zugeschickt erhalten. Maggie Gyllenhaal findet es lustig, betont aber dennoch, dass der Film etwas bewirken kann: Denn Themen wie Orgasmus oder Vibratoren würden die meisten Menschen immer noch in Verlegenheit bringen. Wenige seien es gewohnt, offen über Sex zu reden. So hat auch Maggie Gyllenhaal einen ganzen Tag lang überlegt, wie sie wohl am besten den Satz «Ich denke, er befingert sie gerade» sagen soll. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.12.2011, 12:20 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
2 Kommentare
@Seamus Perez: Stillos?! Wie kommen Sie darauf? Sie ist eine der stilvollsten Schauspielerinnen, die es überhaupt gibt. Keine schafft es so stilvoll "normale", couragierte oder auch extrem spezielle Frauen zu spielen, wie sie.
@Denise Jeitziner: Ich finde nicht, dass Hysteria extrem aus der Reihe tanzt. Es ist typisch für Maggie Gyllenhall Taboo Themen anzugehen, welcher Art auch immer.
Antworten
Kultur
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Bitte warten



