Das Echo des berühmten Vaters
Von Florian Keller. Aktualisiert am 01.06.2011 2 Kommentare
Der Film
Source Code (USA 2011). 93 Minuten. Regie: Duncan Jones. Drehbuch: Ben Ripley. Mit Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright u. a.
Ab 2. Juni in Zürich in den Kinos Abaton, ABC und Arena.
Interview mit Regisseur Duncan Jones im «Züritipp».
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Sein Vater, David Bowie, klingt immer noch mit, auch wenn wir ihn nicht singen hören. So war das schon bei «Moon» (2009), dem beachtlichen ersten Spielfilm des britischen Regisseurs Duncan Jones. Das war ein Kammerspiel in der Galaxis, das existenzielle Drama eines Mannes, der allein auf einer Mondstation so lange auf Ablösung wartet, bis eine identische Version seiner selbst ihm den Posten streitig macht. Und weil der Regisseur eben der Sohn von Bowie ist, dachte man dabei unweigerlich an dessen «Space Oddity», jenen Song über Major Tom, der draussen im All den Kontakt zur Erde verliert.
Nun ist es irgendwie nicht recht, beim zweiten Film von Duncan Jones immer noch den berühmten Vater zu beschwören, aber man kommt doch nicht darum herum. Denn auch «Source Code» ist durchsetzt mit thematischen Echos auf David Bowie: Zum inoffiziellen Song zum Film könnte man «Always Crashing in the Same Car» vom Album «Low» (1977) ernennen. Das Schicksal des Protagonisten wäre damit recht prägnant umschrieben. Nicht im Auto zwar, aber als Passagier in einem Pendlerzug nach Chicago: Da sitzt ein Mann namens Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) in einer Zeitschlaufe fest und durchlebt Mal für Mal dieselben acht Minuten bis zum grossen Crash. Unterwegs nach Downtown explodiert die S-Bahn und reisst die Insassen in den Tod. Stevens kann nichts dagegen ausrichten – weil die Katastrophe immer schon passiert ist.
Nur die halbe Wahrheit
In einem Zeitreisefilm wäre die Mission des Helden zwar paradox, aber klar. Der Mann müsste bloss das Unglück rückgängig machen: die Bombe finden und entschärfen, damit sich alles zum Guten wendet. Aber «Source Code» ist eben kein Zeitreisebüro, das am Lauf der Dinge herumpfuscht, sondern bloss der Name einer Software im Teststadium. Bald schon wissen wir: Stevens fährt gar nicht wirklich mit in dieser S-Bahn, er bekommt die letzten acht Minuten vor der Katastrophe bloss in einer Simulation vorgespiegelt, wieder und wieder, bis er als virtueller Ermittler im Unglückszug den Urheber des Anschlags aufgedeckt hat.
Er selber sitzt in Wahrheit in einem dunklen, fensterlosen Container, mit der Aussenwelt nur via Monitor verbunden, über den ihn eine aufreizend zugeknöpfte Beamtin (Vera Farmiga) durch seinen virtuellen Auftrag steuert. Und auch das ist nur die halbe Wahrheit.Die Vision von einem Leben in der Endlosschlaufe kennt man im Kino vor allem in seiner komödiantischen Variante. Es ist die Idee von «Groundhog Day», die in «Source Code» gewissermassen in den Kontext von virtueller Realität und realem Terrorismus übertragen wird – für einen Actionfilm, der sich über weite Strecken in den Synapsen seines Helden abspielt. Dieser wird wie in einem Computerspiel immer wieder auf dasselbe Level zurückgeworfen.
Existenzielle Fragen
Aufregend bleibt das deshalb, weil Duncan Jones dieses serielle Déjà-vu mit immer neuen atmosphärischen Nuancen färbt. Beim ersten Durchlauf noch ein ahnungsloser Zeuge, reagiert Stevens beim zweiten Versuch mit Panik, weil er jetzt weiss, was auf ihn zukommt – bis er beim dritten Durchgang mit fatalistischer Gelassenheit auf den Flirt einer Mitreisenden (Michelle Monaghan) eingeht. Neben der praktischen Suche nach dem Urheber der Bombe drängt sich ihm dann mehr und mehr das grössere Rätsel in den Vordergrund: Wer bin ich, und wozu bin ich hier? Da sind wir dann wieder bei den existenziellen Fragen, um die Duncan Jones schon in «Moon» unablässig kreiste.
Jener Erstling funktionierte damals aber wirklich wie eine Denkkapsel: In der Leere des Alls bespielte Jones die Mondstation wie eine philosophische Echokammer, um auf engstem Raum und mit minimalem Personal die Frage nach der Autonomie des Individuums zu verhandeln. Zwar nähert sich auch «Source Code» unaufhaltsam dem Nullpunkt der menschlichen Existenz, und die Isolation des Helden ist letztlich so absolut wie in «Moon». Aber die existenziellen Fragen werden hier abgerufen wie Gimmicks in einem elaborierten Zaubertrick. Am Ende öffnet sich sogar ein Hintertürchen zum Happy End. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.06.2011, 08:03 Uhr
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2 Kommentare
Während bei Moon die Prämisse des Films (Geklonte Menschen) zwar unwahrscheinlich, aber immerhin entfernt möglich wäre, so ist bei Source Code die Prämisse und der "Zustand" von Colter doch eher unmöglich. Der Film vertraut also von Anfang an auf die "suspension of disbelief" beim Zuschauer, vermag dies aber wegen einiger Ungereimtheiten in dieser fiktionalen Situation nicht aufrecht zu erhalten. Antworten
Übrigens wird, glaube ich, in dem Film nicht gebetet - erinnert sie das ans Album "heathen"? Selten einen irrelevanteren Artikel zu einem Film gelesen... Moon war um Welten besser als Source Code, aber weil er im Weltraum spielte, wurde er schlicht ignoriert. Antworten
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