«Dann würde ich ihn töten»
Von Thomas Allenbach, Cannes. Aktualisiert am 20.05.2009
Pedro Almodóvar und Penelope Cruz in Cannes. (Keystone)
Wenn Pedro Almodóvar über seine Filme spricht, ist er kaum zu bremsen – und seinen Begleitern bleibt bloss das Zuhören, selbst wenn sie so prominent sind wie Penelope Cruz. Dass sein Star während der Pressekonferenz in Cannes kaum lächelt und gar ziemlich unwirsch wirkt, hat aber nicht etwa mit einer Verstimmung zwischen den beiden zu tun. «Ich leide an einer Grippe – keine Angst, an einer normalen Grippe», erklärt Cruz. Almodóvar setzt sich derweil seine Sonnenbrille auf und macht ein Geständnis: «Würde mir ein Produzent meinen Film stehlen, würde ich ihn töten.»
Genau das geschieht einem Regisseur in Almodóvars «Los abrazos rotos». Als wollte er seine gesammelten Ängste bannen, stürzt der Spanier einen Filmer (Lluis Homar) in einen veritablen Albtraum: Dieser verliert nicht nur seinen Film an den Produzenten, der das Werk aus Rache künstlerisch kastriert, sondern bei einem Autounfall auf Lanzarote auch noch sein Augenlicht und die Liebe seines Lebens (Cruz). Dieses existenzielle Worst-Case-Szenario ereignete sich 1994. 15 Jahre später, der Erblindetepubliziert unter einem Pseudonym Romane, holt ihn die Vergangenheit ein – und er holt sich seinen Film zurück. «Man muss Filme beenden. Selbst wenn man blind ist», heisst es am Ende von «Los abrazos rotos». Bei der Pressekonferenz zitiert Almodóvar diesen Satz und holt zu einem Plädoyer für die künstlerische Autonomie des Filmautors aus.
Mit der Vergangenheit wird Almodóvar auch in Cannes konfrontiert. Vor drei Jahren war er letztmals mit Penelope Cruz am Festival und gewann mit «Volver» zwei Preise. Den Erfolg von damals mit «Los abrazos rotos» zu wiederholen, wird schwierig. In Spanien blieben die Eintrittszahlen unter den Erwartungen, und es gibt Kritiker, die Almodóvar vorwerfen, er würde sich zu sehr mit sich selbst beschäftigen. Tatsächlich ist «Los abrazos rotos» hermetischer als andere Almodóvar-Filme. Dennoch: Mit seinem eleganten Mix aus Film noir, Melodrama und Komödie ist Almodóvar erneut ein Werk von verschwenderischer Schönheit gelungen. So blind ist die Welt nicht, dass dieser Film für ihn zum Albtraum werden müsste. (Der Bund)
Erstellt: 20.05.2009, 09:25 Uhr
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